Umsteuern, sonst ist es zu spät

Richard Chartres, anglikanischer Bischof von London, hat ein kleines Büchlein zu umweltschonendem Verhalten für die kirchlichen Mitarbeiter seiner Diözese herausgebracht. In diesem Heft erklärt er, dass es Sünde sei, in den Urlaub zu fliegen, benzinsaufende Autos zu kaufen oder auf das Energiesparen zu verzichten. Alles, was den Klimawandel befördere, sei Sünde. Für ihn sei Sünde eine selbstbezogene Lebensführung, in der Menschen die Konsequenzen ihrer Handlungsweise ignorierten. Kann man so weit gehen? Kann man sogar sagen, der menschgemachte Klimawandel sei Sünde, weil er durch die Summe selbstbezogener Lebensführungen ausgelöst wurde?
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Ja, ich würde so weit gehen. Es selbst nur nicht als Sünde bezeichnen. Angetrieben wird der Klimawandel durch Treibhausgase aus der Energieerzeugung. Und dass Maschinen heute harte körperliche Arbeit ersetzen oder jeder, der es bezahlen kann, Energie im eigenen Haushalt zur Verfügung hat, ist zunächst mal Fortschritt und ein Zeichen von Wohlstand.

Aber wie wir diese Energie beschaffen und wie wir sie nutzen, das ist für diesen Planeten ein Problem. Und wenn wir da in den nächsten 10 oder 15 Jahren nicht umsteuern, ist es zu spät.

Der Klimawandel krempelt das Leben eines jeden Lebewesens auf diesem Planeten um, vom kleinsten Einzeller bis zum größten Säugetier. Bis zu einem Temperaturanstieg von zwei Grad könnten wir diesen Wandel gerade noch beherrschen. Darüber hinaus nicht. Wir müssen weg von Kohle, Öl, Atom. Und wir müssen Energie sparen. Um 40 Prozent muss der Ausstoß an Klimagasen in Deutschland bis zum Jahr 2020 sinken.

40 Prozent? Was heißt das für die Energiebilanz jedes einzelnen? Kann man da überhaupt etwas tun? Ja, den Stromanbieter wechseln hin zu Ökostrom, sparsame Kühlschränke kaufen usw. Aber das reicht nicht.

Im Schnitt setzen wir in Europa pro Kopf 11 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr frei, erträglich für die Erde wären knapp zwei pro Erdenbürger. Freiwillig wird die Mehrheit der Menschen ihr Leben nicht dermaßen umkrempeln.

Den Großteil der Verantwortung trägt die Politik. Sie muss klimaschädliches Handeln unmöglich machen. So darf der Neubau von Braunkohlekraftwerken einfach nicht mehr erlaubt sein. Es muss überall möglich sein, sich ökologisch und vegetarisch zu ernähren, weil damit dem Planeten ein großes Maß an Umwelt- und Klimaproblemen erspart wird. Und das Fliegen... Solange ein Flug nach London für zehn Euro zu haben ist und eine gute Stunde dauert, der Eurostar-Zug aber zwölf Stunden unterwegs ist und ein Vielfaches teurer, werden sich nur Menschen mit Flugangst freiwillig für den Zug entscheiden. Der Mensch ist schwach, die Sünde ist zu einfach zu begehen.

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