Sini Saarela: "Sie ist unglaublich mutig"

Sie kletterte hoch zur Plattform Prirazlomnaya, um ein Banner aufzuhängen. Sini aus Finnland bekam es mit der russischen Küstenwache zu tun. In Murmansk und St.Petersburg hatte sie immer ein Lächeln parat, in ihren Briefen bedankte sie sich für die weltweite Solidarität.
  • /

Russische Sicherheitskräfte nähern sich der Plattform. Sini hängt an ihrem Seil. Wasserwerfer attackieren sie.Die erfahrene Kletterin baumelt hilflos in der Luft. Camila Speziale schreibt in ihrem letzten Blogeintrag vor der Inhaftierung über das Erlebnis: "Meine Kletter-Kollegin Sini fiel ins Wasser. Sie sah ängstlich aus, aber ich weiß, dass sie unglaublich mutig ist. Ich bewundere sie so sehr."

Zum zweiten Mal in der Arktis

Sini stammt aus der finnischen Hauptstadt Helsinki. Als Naturfreundin erkundet sie während der Sommermonate gerne die Wälder in ihrem grünen Heimatland.

Die 31-Jährige hat schon an vielen Demonstrationen für die Umwelt teilgenommen. 2007 etwa bestieg sie einen Kran auf der Baustelle des Atomkraftwerks Olkiluoto 3 in Finnland, um gegen Kernkraft zu protestieren. Sie hat klare politische Vorstellungen. Wahlen etwa, so findet sie, finden viel zu selten statt. Alle vier Jahre eine neue Regierung wird an der Zerstörung des Planeten nichts ändern.

Die Schönheit der Arktis ist Sini schon bekannt. Auch im letzten Jahr kletterte sie mit Kumi Naidoo - Geschäftsführer von Greenpeace International - auf die Ölplattform Prirazlomnaya. "Ihr könnt versuchen, uns mit eisig kaltem Wasser zu stoppen. Das wird uns aber nicht abschrecken, weil wir wissen, wie wichtig es für die empfindliche Umwelt hier ist, Ölbohrungen zu verhindern", sagte sie damals. "Die Natur in der Arktis, von der ich hier umgeben bin, wird die Ölbohrungen nicht überstehen."

Die brutale Festnahme durch die russische Küstenwache ein Jahr später kommentiert sie trocken: "Das war ein Angebot, das man nicht ausschlagen konnte, weil sie mit Sturmgewehren bewaffnet waren. Hatten sie die Erlaubnis, mit scharfer Munition auf die Kletterer zu schießen?"

Tanzen und Singen im Gefängnis

Sini ist eine Frohnatur. Von den schwierigen Bedingungen im russischen Gefängnis lässt sie sich nicht in die Knie zwingen."Das ist lächerlich", sagt sie während einer Verhandlung in Murmansk, "Sie sagten mir, ich sei ihr Gast, gaben mir aber weder etwas zu essen, noch die Möglichkeit auf die Toilette zu gehen."

In einem offenen Brief bedankt sie sich für die weltweite Unterstützung. "All die Briefe, Nachrichten und Grüße helfen mir, die Tage und Wochen durchzustehen." Auch ihren Humor hat Sini nicht verloren. "Wenn wir "Auslauf" haben, springe ich in dem Betonkäfig umher, dann lachen mich die Wächter aus. Ich dehne mich und singe (gut, dass die Wände dick sind)."

Amnestie

Am 21. November durfte auch Sini das Gefängnis auf Kaution verlassen. Bis zum 18. Dezember, an dem die Amnestie beschlossen wurde, war den Umweltschützern die Ausreise aus Russland verboten. Sini und die anderen Arctic 30 haben es nicht verdient, wie Verbrecher behandelt zu werden. Sie hätten schon viel früher bei ihren Familien und Freunden sein müssen, für deren Zukunft sie sich so mutig einsetzen. Der friedliche Protest an der Ölplattform von Gazprom war kein Akt der Piraterie oder des Rowdytums. Es war der entschlossene Einsatz leidenschaftlicher Umweltschützer für den Schutz einer majestätischen und zugleich fragilen Region.

Zum Weiterlesen:

Die Chronologie der Arctic 30

Mehr zum Thema

Denis Sinjakow: Erfolgreicher Fotojournalist

Der russische Fotograf ist auf der Arctic Sunrise mitgefahren, um den friedlichen Protest von Greenpeace-Aktivisten gegen die Zerstörung der Arktis zu dokumentieren. Während der...

Alexandre Paul: Immun gegen Verzweiflung

Der kälteerprobte Kanadier aus der Nähe von Montréal meisterte seinen unfreiwilligen Aufenthalt in Murmansk mit Gelassenheit und Humor. Er sandte warme Grüße aus seiner Einzelzelle...