Phil Ball: Mit der Kamera durch die Natur

Der Vater dreier Kinder engagiert sich schon lange für das Wohl anderer. Phil kann es nicht fassen, dass Umweltsünder wie Gazprom unbehelligt die Natur zerstören, während er selbst als Rowdy angeklagt war. Phil ist kein Rowdy und auch kein Pirat, er ist, wie alle anderen der Arctic 30, ein Held.
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In die Arktis brach Phil mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf. Seine Kinder im Alter von drei, sieben und acht Jahren zu verlassen – das bereitete ihm schon Schwierigkeiten.

"Klar ist es traurig, sie einen ganzen Monat lang nicht zu sehen", sagt Phil kurz vor Antritt der Reise. "Aber ich mache das für sie. Für künftige Generationen. Es muss einfach etwas passieren."

Fotos für die Familie

Der 42-jährige Brite ist engagierter Umweltschützer. 2007 trat er der Greenpeace-Gruppe in Oxford bei. Seither unterstützt er Kampagnen zu verschiedenen Umweltproblemen, zum Beispiel im Bereich Wald oder nachhaltige Fischerei. Am Schutz der Arktis mitzuarbeiten ist Phil ein dringlicher Wunsch. "Die Vorstellung, dass Ölfirmen in der Arktis bohren, nur weil da jetzt das Eis schmilzt, ist pervers. Es scheint sie nicht aufzuhalten, dass sie Lebensraum unbewohnbar machen."
Phil ist ein freundlicher, ruhiger Mensch. Besonnen macht er auf die Notwendigkeit, die Umwelt zu schützen, aufmerksam. Herausforderungen nimmt er gespannt an. Als begeisterter Kameramann dokumentiert er die Natur. Diese Leidenschaft überträgt er auch ins Privatleben: Seine Freunde und Kollegen unterhält er gerne mit Naturfotos und Geschichten von seinen Erlebnissen. Einen großen Teil seiner Freizeit verbringt er damit, seinen Kindern die Schönheit der Natur in seiner Heimat zu zeigen.

"Sie verwüsteten unser Schiff und stahlen unsere Fracht"

"Meine Söhne, sieben und neun Jahre alt, werden Teenager sein und meine kleine Tochter wird mich vergessen haben, wenn ich erst in sieben Jahren freikomme", schreibt er in einem offenen Brief am 6. November, den er mit "Warum ich kein Rowdy bin" betitelt hat. "Ich leiste Freiwilligenarbeit in meiner örtlichen Pfadfinder-Gruppe", erzählt er, "ich entferne Hundekot vom Spielfeld und ich hab' nicht mal einen Hund!"

Nicht die Arctic 30, die russischen Sicherheitskräfte hätten sich wie Piraten und Rowdies aufgeführt. "Die Offiziere der Küstenwache hielten Waffen auf uns gerichtet, während sie unser Schiff verwüsteten und unsere Fracht stahlen. Sie tranken sogar aus Johns und Franks Rumflaschen."

"Ölfirmen hören nicht auf die Warnungen"

Phil hat sich in die Arktis aufgemacht, um "gegen die gierigen, superreichen Ölfirmen Gazprom, Shell und andere zu protestieren, die nicht auf die Warnungen vor Ölverschmutzung, dem rasanten Klimawandel, Hurrikans, Dürren, Überflutungen und Hungersnöten hören [...] "Rowdies" ist nicht einmal ansatzweise eine gute Beschreibung für das Vergehen, dessen sie sich schuldig machen."

Am Montag, den 25. November verließ er das Gefängnis in St. Petersburg. Nachdem einen knappen Monat später die absurde Anklage wegen Rowdytums fallengelassen worden war, reiste auch Phil gemeinsam mit vier der anderen britischen Aktivisten zurück nach England.

Zum Weiterlesen:

Die Chronologie der Arctic 30

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