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Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens

Jahresrückblick 2009

Liebe Leserinnen und Leser, im Flughafen von Kopenhagen hat Greenpeace schon vor der Klimakonferenz auf Plakaten gewarnt - mit einer gealterten grauhaarigen Kanzlerin Merkel im Jahr 2020 und dem Zugeständnis: Wir hätten die Klimakatastrophe verhindern können, haben wir aber nicht! So ist es gekommen, die Konferenz ist gescheitert. Greenpeace wird sich nun in Deutschland vor allem in die Debatte der künftigen Energieversorgung einmischen, derzeit werden die Weichen gestellt. Greenpeace fordert von der Regierung, dass sie eine klimaschonende und atomfreie Energiepolitik verfolgt.
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Um auf die tödliche Gefahr der Atomkraft aufmerksam zu machen, demonstrierten Greenpeace-Aktivisten im Sommer zum Beispiel vor und auf dem Atomkraftwerk Unterweser und forderten die sofortige Stilllegung des Meilers und sechs weiterer AKW. Die Aktion erregte viel Aufmerksamkeit. Die Menschen sind nach wie vor mehrheitlich gegen Atomkraft, denn sie ist gefährlich, blockiert den Klimaschutz und bremst die Konjunktur.

Auch die Kohle hatten wir 2009 im Fokus und sind stolz auf unsere Ehrenamtlichen: Sie halfen mit, in Kiel und Datteln den Bau zweier Kraftwerke zu verhindern. Greenpeace-Kletterer protestierten an den Zwillingstürmen der Deutschen Bank mit dem Banner Wäre die Welt eine Bank, hättet Ihr sie längst gerettet! Wir machten deutlich, dass Politik und Industrie viel massiver in den Klimaschutz investieren müssen. Wie dramatisch sich der Klimawandel bereits auswirkt, hat Greenpeace mit seiner mehrmonatigen Schiffs-Expedition in die Arktis gezeigt. Wir müssen leider akzeptieren, dass vieles unwiderruflich zerstört ist.

Dass Greenpeace immer wieder langen Atem beweist, dabei auf die dauerhafte Unterstützung der Förderinnen und Förderer angewiesen ist, zeigt ein schöner Erfolg im Oktober: Die letzten acht großen Urwälder Nordfinnlands, beinahe 100.000 Hektar, werden geschützt. Hinter uns liegen neun Jahre Kampagne zum Schutz der Urwälder. Mit zahlreichen Aktionen in Deutschland haben Greenpeace-Aktivisten die Urwaldzerstörung in Finnland angeprangert und den Papierhersteller Stora Enso sowie die deutschen Zeitschriftenverlage zum Handeln aufgefordert. Deutschland ist der wichtigste Papierabnehmer Finnlands.

Und über einen weiteren großartigen Erfolg können wir uns in diesem Jahr freuen. Greenpeace hat ein rasant wachsendes Problem eingedämmt: Rund 80 Prozent der abgeholzten Urwaldfläche im Amazonasgebiet wird als Weideland für die Rinderzucht verwendet. Wir haben es geschafft, dass die größten Hersteller von Rindfleisch und Leder in Brasilien keine Rinder mehr aus neu gerodeten Gebieten beziehen wollen. Schuhhersteller wie Nike und Adidas haben zugesagt, künftig auf dieses Leder zu verzichten. Für diesen Erfolg waren drei Jahre Vorarbeit nötig, um einen entsprechenden Report zu recherchieren.

Betrübt hat uns das Ergebnis der Bundestagswahl 2009. Die neue Regierung plant immense ökologische Rückschritte, wie längere Laufzeiten für Atomkraftwerke, und blockiert damit den stärkeren Ausbau Erneuerbarer Energien. Außerdem macht sie sich in ihrem Koalitionsvertrag für die sogenannte Grüne Gentechnik stark. Wortwörtlich steht dort: Der Anbau der gentechnisch veränderten Stärkekartoffel Amflora für eine kommerzielle, industrielle Verwertung wird unterstützt.

Wir werden darauf drängen, dass die umstrittene Amflora-Kartoffel nicht für den kommerziellen Anbau freigegeben wird. Außerdem soll der Anbaustopp für genmanipulierten Mais weiterbestehen, zu dem Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) sich dieses Jahr erfreulicherweise durchgerungen hat. Für Greenpeace bedeutet dies: Jede Menge Arbeit, bei der wir auf Unterstützung angewiesen sind.

Herzlichen Dank an alle, die uns mit ihrer Spende und ihrem Engagement unterstützt haben. Sie haben unsere Arbeit 2009 möglich gemacht! Greenpeace lässt sich nicht von der Wirtschaft oder der Politik sponsern. Greenpeace zählt allein auf Sie. Und deshalb kommt es auf jeden Beitrag an, um unser wichtigstes Ziel zu erreichen: eine weltweite Energierevolution. Der Kampf gegen den Klimawandel und für eine CO2-freie Gesellschaft bleibt unsere Herkulesaufgabe.

Dankeschön und herzliche Grüße
Brigitte Behrens

Jahresbilanz 2009

Auch wenn die Klimakonferenz in Kopenhagen gescheitert ist: Greenpeace setzt sich weiterhin weltweit für den Klimaschutz ein.

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