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Greenpeace ist nicht käuflich

Am Mittwoch hat stern-TV über Lidl und Greenpeace berichtet. Der Beitrag erweckte den Eindruck, dass der Discounter beim letzten Greenpeace-Pestizidtest gut abschneidet, weil er das Greenpeace-Magazin in sein Sortiment aufgenommen hat. Wir sprachen mit Geschäftsführerin Brigitte Behrens über diese Anschuldigungen.

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Online-Redaktion: Im Bericht des stern-TV werden heftige Vorwürfe gegen Greenpeace erhoben. Welchen Eindruck hat der Beitrag bei dir hinterlassen?

Brigitte Behrens: Der stern-TV Bericht besteht aus Vermutungen und Verdächtigungen. Fakten bleiben überwiegend auf der Strecke. Richtig ist: Die Pestizid-Tests von Greenpeace sind von unabhängigen Labors vorgenommen worden und über jeden Zweifel erhaben. Unsere Tests zu Pestiziden in Obst und Gemüse basieren auf dem Einkauf durch ausgebildete Mitarbeiter nach einem vor Jahren, lange vor einem ersten Kontakt mit Lidl, festgelegten Plan und auf den Analysen unabhängiger Labors.

Die Ergebnisse der Labors wurden mit Hilfe von externen Rückstandsspezialisten, Softwarefachleuten und Statistikern ausgewertet. Dabei wurde auf eine Absicherung und die Gewähr der neutralen Auswertung der Daten größter Wert gelegt. Greenpeace hat die Untersuchungsergebnisse vollständig publiziert, so dass sie auch von den betroffenen Unternehmen überprüfbar sind.

Online-Redaktion: Warum habt Ihr Euch nicht in der Fernseh-Sendung dazu geäußert?

Brigitte Behrens: Greenpeace ist eine Organisation, die ganz offen informiert. Deshalb haben wir sternTV, das mit einem Kamera-Team bei uns im Haus zu Gast war, natürlich Interviews gegeben. Wir schätzen das Magazin und haben im Vorfeld angenommen, dass aufgrund der Fakten keine fundierte kritische Berichterstattung über Greenpeace und Lidl zu erwarten ist.

Einen derart tendenziösen und journalistisch unsauberen Bericht haben wir der Redaktion nicht zugetraut, weil die Faktenlage dagegen spricht. Wir hätten die Einladung ins Studio annehmen sollen, um Klartext aufgrund von Fakten sprechen zu können.

Online-Redaktion: Wie kommt es, dass Lidl im zweiten Pestizidtest so gut abschneidet?

Brigitte Behrens: Lidl hat ein Programm zum Reduzieren von Pestiziden bei Obst und Gemüse gestartet. Unsere Ergebnisse zeigen, dass dies offenbar funktioniert. Die gute Platzierung beim Test basiert auf einer verbesserten Qualitätskontrolle und sorgfältigerer Auswahl der Erzeuger. Mittlerweile haben alle getesteten Supermarkt-Ketten und Discounter angekündigt, ebenfalls Pestizid-Reduktionsprogramme zu starten. Das ist ein großer Erfolg unserer Arbeit.

Online-Redaktion: Warum ist das Greenpeace-Magazin bei Lidl zu finden?

Brigitte Behrens: Greenpeace will soviele Menschen wie möglich erreichen. Dazu gehört es auch, das Greenpeace-Magazin bei Lidl anzubieten. Das ist übrigens nichts Neues. Das Magazin wurde bereits in vielen Supermarktketten verkauft, z.B. bei Toom, Edeka, Spar oder Basic. Das Magazin jetzt auch bei Lidl anzubieten, ist eine gute Chance, umweltpolitische Inhalte an neue Zielgruppen heranzutragen.

Online-Redaktion: Wie erfolgreich läuft der Verkauf?

Brigitte Behrens: Im vergangenen Jahr hat Lidl mit dem Verkauf des Greenpeace-Magazins begonnen. Nach einer Anlaufphase wurde jedoch klar, dass weniger Exemplare verkauft werden, als geplant. Daraufhin hat die Greenpeace Media GmbH in der Zwischenzeit die Anzahl der an Lidl abgegebenen Exemplare reduziert. In jeder Lidl-Filiale liegen somit 20 bis 25 Exemplare aus. Wenn diese Anzahl künftig nicht verkauft werden kann, wird die Menge erneut reduziert.

Online-Redaktion: Gibt es die Möglichkeit für Unternehmen, Greenpeace zu beeinflussen?

Brigitte Behrens: Nein. Greenpeace nimmt nur Spenden von Privatpersonen an. Das macht uns völlig unabhängig. Spenden von Industrie, Politik und Staat ebenso wie Industrie-Sponsoring lehnen wir ab. Lidl hat also keine Möglichkeit, die Erstellung des Pestizid-Ratgebers zu beeinflussen.

Online-Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch!

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