Frank Hewetson: Unermüdlich für die Umwelt

Frank aus London hätte sich niemals erträumen lassen, was da in Russland passiert ist. Zunächst konnte er die Anklagen gar nicht richtig ernstnehmen. In Briefen und in den Medien erzählt er von der Untersuchungshaft in Murmansk.
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In einem Brief an seine Kollegen bei Greenpeace Großbritannien schreibt Frank im Oktober über die Haftbedingungen in Murmansk. "Ich nehme die eine Stunde Bewegung am Tag sehr ernst und habe ein bisschen rumgerechnet: Wenn ich in diesem Betonkasten von 5 auf 5 Metern 80 Mal hin und her laufe, dann kommt das etwa meinem Weg von zu Hause zum Queen's Park [Franks U-Bahn-Station in London] gleich."

Sein Zuhause hatte der Londoner monatelang nicht gesehen. Aber seit er Ende Dezember sein Visum erhalten hat und endlich heimgekehrt ist,  kann Frank endlich mit seiner Partnerin Nina, seinen beiden Kindern und Hund Pluto wieder die Natur erkunden oder seinem Hobby, dem Tischtennis, nachgehen.

Der 45-jährige arbeitet seit 1989 für Greenpeace in Großbritannien und Australien. Er setzt sich unermüdlich für die Umwelt ein. Im Laufe der Jahre hat er an vielen Greenpeace-Kampagnen mitgearbeitet. Entschlossen kämpft er für den Schutz der Arktis. Mit Begeisterung ging er an Bord der Arctic Sunrise, um am Protest gegen Gazproms Ölbohrungen in der Petschorasee mitzuwirken.

Alltag im Gefängnis

"Das Leben verfällt langsam in einen täglichen Trott, in dem das bloße Öffnen des Gucklochs [der Zellentür] von außen eine leichte Welle der Aufregung in mir auslöst", schrieb Frank in einem Brief an die britische Zeitung "Independent on Sunday". "Einer meiner Zellengenossen wurde zu einem anderen verlegt, also gibt es nur noch einen Kettenraucher."

Am 22. November verlässt auch Frank das Gefängnis SIZO 1 in St. Petersburg. In einem Interview mit der BBC spricht er abermals über seine Zeit hinter Gittern. "Murmansk war wie ein Zeitsprung", erzählt er, "es hat sich einfach unwirklich angefühlt."

"Zuerst konnte man das alles gar nicht ernstnehmen", gesteht er der BBC. "Das mit der Piraterie hat sich sogar ganz cool angehört! Unmöglich, dass wir eine 15-jährige Haftstrafe bekommen, dachte ich, es ist einfach eine absurde Anschuldigung! Aber die Anklage wegen Rowdytums wirkte zielstrebiger - irgendwie strategisch - und hat mich beleidigt. Das ist einfach nicht, was wir machen, wir sind verantwortungsvolle Menschen. Wir haben da mit einer enormen Ernsthaftigkeit mitgemacht."

Zum Weiterlesen:

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