Denis Sinjakow: Erfolgreicher Fotojournalist

Der russische Fotograf ist auf der Arctic Sunrise mitgefahren, um den friedlichen Protest von Greenpeace-Aktivisten gegen die Zerstörung der Arktis zu dokumentieren. Während der Untersuchungshaft in Murmansk sagt Denis: "Die kriminelle Tat, für die ich angeklagt bin, nennt sich Journalismus. [...] Meine einzige Waffe ist meine Kamera."
  • /

Als Fotojournalist ist Denis sehr erfolgreich und seit zehn Jahren auch international tätig. Um sich auf die Projekte konzentrieren zu können, die ihn persönlich am meisten interessieren, hat er sich kurzerhand selbstständig gemacht. So beschäftigt er sich zum Beispiel mit Gastarbeitern in Russland und erzählt ihre Geschichte in Bildern. Seine Fotostrecken zeigen darüber hinaus Femen-Proteste, Momente aus dem Libanon-Israel-Krieg 2006 oder viele Bilder von seinem Heimatland.

Auch bei der Dokumentation der Reise von 28 Greenpeace-Aktivisten, die gegen Ölbohrungen in der Arktis protestieren, handelte es sich um ein Projekt. Die russischen Behörden unterstellten ihm "Mittäterschaft". In Murmansk gibt der 36-Jährige dem britischen "Telegraph" ein Interview über seine Motivation und reagiert auf die Vorwürfe, er sei viel eher Aktivist als Fotograf. "Bis zum 19. September bestand meine journalistische Aufgabe einfach darin, die Geschichte von Menschen festzuhalten, die ihrerseits eine Geschichte erzählen. Und zwar rein objektiv und ohne Details hinzuzufügen."

In der Funktion des freien Journalisten bleibt er also neutral. Vor einigen Jahren hat er auch mit Gazprom Neft (einer Tochterfirma von Gazprom) zusammengearbeitet, um deren Standpunkt zu reflektieren. "Das haben sie nun absichtlich vergessen. Meine persönliche Geschichte mit der Arktis entstand nicht erst am 7. September, als ich an Bord der Arctic Sunrise ging [...] Meiner Meinung nach ist es die moralische Aufgabe eines Journalisten, so viele Sichtweisen verschiedener Parteien wie möglich zu sammeln."

Die Arbeit geht weiter

Am 21. November 2013 verlässt Denis gegen Kaution das Gefängnis SIZO 1 in St. Petersburg. Seine Frau Alina Shiganowa, mit der er einen kleinen Sohn hat, begrüßt ihn überglücklich. Der wartenden Journalistentraube versichert Denis: "Ich werde versuchen, meine Ausrüstung wiederzubekommen. Das hier ist kein Punkt, sondern ein Komma", beteuert er und meint damit, dass der Kampf um die Freiheit noch nicht vorbei ist. "Die Entscheidung, uns festzunehmen, kam von ganz oben, also hat auch jemand von ganz oben entschieden, das Komma zu setzen."

In Form der Amnestie einen knappen Monat später setzt die Duma dann auch den Punkt. Von einem Zeichen für Pressefreiheit in Russland kann trotzdem nicht die Rede sein, doch Denis arbeitet weiter. In der Spiegel-Ausgabe vom 30. Dezember 2013 hat er für einen Report über die russische Punkband Pussy Riot bereits die Fotos beigesteuert.

Zum Weiterlesen:

Die Chronologie der Arctic 30

Mehr zum Thema

Alexandre Paul: Immun gegen Verzweiflung

Der kälteerprobte Kanadier aus der Nähe von Montréal meisterte seinen unfreiwilligen Aufenthalt in Murmansk mit Gelassenheit und Humor. Er sandte warme Grüße aus seiner Einzelzelle...