Colin Russell: Der Funker aus Tasmanien

Die Inhaftierung Colins war besonders tragisch, denn er war Tage lang der einzige der Arctic 30, der nicht auf Kaution freigelassen wurde. Ihm drohten ab November weitere zwei Monate Untersuchungshaft.
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Colin fühlt sich auf dem Meer zu Hause. Seine Leidenschaft für das Segeln entdeckte er als Besatzungsmitglied auf einer Yacht bei einem Rennen nach Hobart. Bei seinen vielen Reisen lernte der in Melbourne geborene und aufgewachsene Australier das wunderschöne Tasmanien kennen und lieben. 1990 zog er dort mit seiner Frau Christine und seiner kleinen Tochter Madeleine dorthin.

Auf der Arctic Sunrise gegen Walfang

Vier Jahre später schloss Colin sein Studium der Schiffselektronik ab und wurde Bordfunker. Aber die schlechte Arbeitsmarktsituation auf Tasmanien führte die Russell-Familie nach Karratha in Westaustralien. Hier fand der heute 59-Jährige Arbeit als Bordfunker bei der Australian Water Association.

Zu Greenpeace kam Colin dann aber doch in Tasmanien: Dort begann er 1999, als Funker auf Greenpeace-Schiffen zu arbeiten. Seine erste Expedition auf der Arctic Sunrise führte ihn in die Antarktis, wo er gegen den Walfang protestierte.

Familiärer Umweltschutz

Der Umweltschutz ist sozusagen ein Familienunterfangen: Christine und Madeleine unterstützen Colin dabei, Verbrechen gegen die Umwelt aufzuklären und Maßnahmen für den Schutz unberührter Regionen, etwa der Arktis, zu ergreifen.

Im Kampf um die Freilassung der Arctic 30 hielten Mutter und Tochter gemeinsam Reden vor den Medien. Am zweiten "Welttag der Solidarität" sprachen beide in Sydney bei einer großen Veranstaltung für die Inhaftierten. "Er sieht nicht aus wie der Col, den ich kenne", sagt Christine, "aber er hat noch seinen Sinn für Humor, der ihn hoffentlich durch diesen absurden Zirkus, diese lächerlichen Anklagen wegen Piraterie und Rowdytums bringt." Symbolisch wurden dreißig Friedenstauben freigelassen.

Nachdem Colins Untersuchungshaft zunächst verlängert worden war, kam er am 28. November doch auf Kaution frei und verließ das Gefängnis am Tag darauf. Am 27. Dezember 2013 flog er mit seiner Familie, die ihn in St. Petersburg besucht hatte, zurück in die Heimat.

Zum Weiterlesen:

Die Chronologie der Arctic 30

 

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