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Protesttour gegen Vattenfall

In Deutschland setzt Vattenfall auf schmutzigen Kohlestrom. In Schweden, der Heimat des Energiekonzerns, hat das Unternemen trotzdem ein Saubermann-Image. Klar ist: Da ist Aufklärung nötig.

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Im Rahmen einer Info-Tour besuchten Greenpeace-Aktivisten in den letzten Wochen insgesamt neun schwedische Städte. Ausgerüstet mit einem neun Meter hohen, aufblasbaren Kühlturm klärten sie dort Wähler und Politiker über die klimaschädlichen Pläne Vattenfalls auf. Der Konzern will in Brandenburg fünf neue Braunkohletagebaue eröffnen. Dieser Plan steht der Energiewende und dem bis 2030 geplante Ausstieg aus der Braunkohleverstromung völlig entgegen und wäre eine Katastrophe für den Klimaschutz.

Vattenfall ist ein schwedisches Staatsunternehmen: Die Schweden sind also quasi Miteigentümer des Konzern. Viele von ihnen reagierten dementsprechend entrüstet, als sie erfuhren, dass der Konzern sie unversehens zu Klimasündern macht.

Während in Schweden der Energiekonzern sein sauberes Image pflegt, setzt er in Deutschland auf schmutzigen Strom aus Braunkohle. Gesundheitsrisiken, Landschaftszerstörungen im großen Stil, Zwangsumsiedlungen von Anwohnern, Klimaschädlichkeit: die Liste der Probleme, die aus der Braunkohlegewinnung entstehen, ist lang. Vattenfall interessiert sie kaum. Mit Braunkohle lässt sich viel Geld verdienen.

Anna Lena Norling aus dem schwedischen Borås fasst zusammen, was viele Schweden denken: „Die Politiker können sich nun nicht mehr herausreden! Es gibt inzwischen Alternativen für fossile Brennstoffe. Vattenfalls Pläne sind dumm und rückschrittlich.“ Mats Lindbom von der Zentrumspartei, Stadtratsmitglied in Karlskrona, formuliert es so: „Die Pläne Vattenfalls stehen weder im Einklang mit den Plänen Schwedens noch der EU. Und ganz besonders nicht mit den Plänen, die wir hier in Karlskrona haben. Wir arbeiten daran, komplett unabhängig von fossilen Brennstoffen zu werden. Fossile Energie gehört der Vergangenheit an!“

Die Info-Tour fand bei Bürgern großen Anklang. Viele von ihnen unterzeichneten eine Greenpeace-Petition, in der die schwedische Regierung dazu aufgefordert wird, den Ausstieg Vattenfalls aus der deutschen Kohleverstromung sowie den Ausbau erneuerbarer Energien in die Wege zu leiten. Auch  viele Politiker - sowohl linksgerichteter als auch konservativer Parteien – zeigten sich dem Ansinnen gegenüber aufgeschlossen.

Einige Gemeinden in Schweden haben eigene Klimaziele und versuchen, ihren CO2-Verbrauch zu verringern. Vattenfalls Braunkohle-Pläne konterkarieren diese Anstrengungen. Für eine stabile Energieversorgung in Deutschland sind die neuen Tagebaue laut Experten vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zudem völlig unnötig.

Am 23 August treffen sich tausende Menschen zu einer grenzübergreifenden Menschenkette gegen die Braunkohlepläne, gegen die Abbaggerungen und die Vertreibung der Anwohner in der Lausitz. Kommen auch Sie!
 

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