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Ein Jahr Russland - Arbeiten im Moskauer Greenpeace-Büro

Greenpeace-Arbeit macht nicht an Ländergrenzen Halt. Und Greenpeacer auch nicht! Der 20-jährige Justus Rollin aus Schwerin arbeitet gerade für ein Jahr im Büro von Greenpeace Russland mit. Wir sprachen mit ihm über seine Motive für den Auslandsaufenthalt und seine persönlichen Erfahrungen in dem fremden Land.

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Greenpeace Online: Seit wann engagierst du dich für die Umwelt?

Justus Rollin: So richtig hat mein Engagement erst mit Greenpeace angefangen. Seit Januar 2001, also fast sechs Jahre, bin ich mittlerweile aktiv.

Greenpeace Online: In einem Greenpeace-Büro in einem anderen Land zu arbeiten - was hat dich dazu bewogen?

Justus Rollin: Dass ich nach der Schule nicht sofort anfangen will zu studieren, sondern erst mal noch ein bisschen was von der Welt sehen, war mir schon lange klar. Doch wie lässt sich das mit meinem Engagement vereinbaren? Und dann wollte ich gerne nach Russland, weil mich das Land interessiert und ich meine Russischkenntnisse verbessern wollte.

Greenpeace Online: Arbeiten im Ausland wollen viele - wie kommt man ausgerechnet auf Russland?

Justus Rollin: Ich habe von der FÖJ-(Freiwilliges Ökologisches Jahr)-Stelle in Moskau bei Greenpeace Russland gehört. Klar, dass ich mich beworben habe. Zumal ich schon mal für zwei Monate bei Greenpeace Russland ein Praktikum gemacht habe. Damals habe ich in einem Baumpflanzprojekt gearbeitet.

Greenpeace Online: Wie sieht dein Alltag aus?

Justus Rollin: Ich arbeite mit im Projekt Wir holen unseren Wald zurück. Gerade war ich vier Wochen lang unterwegs, um zusammen mit Schülern in ländlichen Regionen südlich von Moskau Bäume zu pflanzen. Das hat viel Spaß gemacht. Nur als es dann anfing zu schneien war es schwer, die Kids zu motivieren.

Außerdem unterstütze ich die Arbeit der Ehrenamtlichen hier. Im Gegensatz zu Deutschland, wo es viele ehrenamtlich tätige Gruppen gibt, findet man in Russland nur zwei Gruppen - in Moskau und in St. Petersburg.

Zusätzlich habe ich mit meiner Vorgängerin, die noch hier in Moskau ist, ein Fundraising-Projekt gestartet. Wir versuchen Förderer für Greenpeace Russland in Moskau zu finden - immerhin leben fast 20.000 Deutsche in Moskau.

Auch wenn mein Russisch schon recht gut ist, so ist es doch immer wieder eine Herausforderung sich klar verständlich zu machen.

Hier im Moskauer Greenpeace Büro zu arbeiten macht trotzdem sehr viel Spaß, da die Arbeitsweise sehr anders ist als in Deutschland. Oft etwas chaotisch und auf den letzten Drücker. Ich habe sehr viel Freiraum, so dass ich mir meine Projekte selbst suchen kann. Und prinzipiell ist alles möglich - wenn es meist auch irgendwelche Hürden zu überwinden gilt.

Gratis gibt es dann noch die Erfahrungen, die man in einer anderen Kultur macht - auf einmal wird Selbstverständliches in Frage gestellt. Die anderen Lebensgewohnheiten, wie auch die anderen Werte geben mir die Chance vieles zu überdenken.

Greenpeace Online: Welche Qualifikationen hast du mitgebracht, um dort tätig zu werden und wo hast du dich beworben?

Justus Rollin: Qualifikationen braucht man erstmal - außer Russisch- und Englischkenntnisse - keine. Natürlich ist es sehr hilfreich, dass ich schon viele Jahre für Greenpeace in Deutschland aktiv war, so kann ich meine Erfahrungen mit einbringen. Und dann ist es natürlich wichtig, dass man selbständig arbeiten kann und sich selbst die Projekte sucht, auf die man Lust hat. So habe ich am Anfang mehrere Übersetzungen gemacht, um mich einfach noch vertrauter mit dem Russischen zu machen.

Um die FÖJ-Stelle in Russland zu bekommen, habe ich mich bei der Umweltbehörde in Hamburg beworben.

Greenpeace Online: Was bedeutet es für dich, im Ausland tätig zu sein?

Justus Rollin: Für mich ist es eine große Herausforderung - zu lernen, mich sicher in einer anderen Kultur mit einer anderen Sprache zu bewegen und noch dazu mich zu engagieren. Welche Folgen der Aufenthalt haben wird, kann ich wahrscheinlich noch nicht so ganz überblicken - immerhin bin ich noch mehr als ein halbes Jahr hier aktiv. Aber das Lernen der Sprache, neue Freunde, eine neue Welt zu entdecken sind wohl einige der Folgen.

Greenpeace Online: Hast du einen Rat oder eine Message für andere Jugendliche, die auch mal ins Ausland wollen?

Justus Rollin: Geht auf alle Fälle diesen Schritt - ihr könnt nur gewinnen. Auch wenn es harte Zeiten geben wird, so lassen die Herausforderungen doch einen sich selbst kennen lernen. Natürlich ist es wichtig, sich vorher über die Arbeit und so weiter zu informieren. Letzten Endes ist trotzdem alles anders. Solange man dem mit offenen Armen und Augen begegnet, ist jeder gut gewappnet.

Greenpeace Online: Was war bislang dein schönstes Erlebnis?

Justus Rollin: Zu sehen, mit wie viel Liebe, Vorsicht und Engagement pubertierende 16-Jährige Bäume gepflanzt haben. So etwas hätte ich nie erwartet!

Greenpeace Online: Justus, vielen Dank für das Gespräch!

Wenn Sie dem russischen Greenpeace-Büro helfen wollen: Sie können

 

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Hier finden Sie weitere

 

Informationen zum Freiwilligen Ökologischen Jahr.

Über seinen Aufenthalt in Russland führt Justus auch ein Blog. Dort kann man noch mehr über seine Arbeit und über Land und Leute erfahren.

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