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Zur Zertifizierung von Fischprodukten

Eine ökologisch nachhaltige Fischerei muss dazu beitragen, die Überfischung der Meere vermeiden. Zudem darf sie weder marine Lebensräume physisch zerstören noch das Ökosystem schädigen. Nur so können die Zukunft der Fischerei und eine dauerhafte Versorgung mit Fisch gesichert werden.
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Fisch aus nachhaltiger Fischerei zu kaufen, ist für den Verbraucher oft problematisch: Fischprodukte sind mangelhaft gekennzeichnet und die Einkaufspolitik vieler Unternehmen intransparent. Ein glaubwürdiges Siegel könnte die Kaufentscheidung erleichtern. Es sollte jedoch nur an Fischereien und Fischprodukte vergeben werden, die strikte Umwelt- und Sozialkriterien erfüllen. In den letzten Jahrzehnten wurden verschiedene Modelle zur Zertifizierung von Fisch aus Wildfang entworfen. Zwei der bekanntesten Siegel sind MSC (Marine Stewardship Council) und Dolphin Safe - delfinfreundlich gefangen.

MSC - Marine Stewardship Council

Der MSC wurde 1997 von Unilever und dem WWF als Initiative für verantwortungsvolle Fischerei gegründet. Sein Ziel ist die Sicherung der Fischbestände für die Zukunft. Mittlerweile wurden 50 verschiedene Fischereien durch den MSC zertifiziert, darunter auch die weltweit größte Fischerei auf Alaska-Seelachs (Theragra chalcogramma) im Golf von Alaska. Die Entwicklung des MSC hatte ohne Zweifel ein Umdenken in der Fischindustrie und im Lebensmittelhandel zur Folge. Viele Produzenten und Einzelhändler zeigen großes Interesse an nachhaltig produzierten Fischprodukten. Der MSC arbeitet professionell, ist transparent und involviert Stakeholder auf allen Leveln des Prozesses. Dennoch kann Greenpeace den MSC derzeit nicht unterstützen.

Die Hauptgründe dafür sind ungenügende Umweltstandards und die Zertifizierung von nicht nachhaltig arbeitenden Fischereien. Desweiteren sind die sozio-ökonomischen Standards schwach und der Prozess für Eingaben zu spezifischen Zertifizierungen ist nicht für jedermann zugängig. Eine detaillierte Bewertung des MSC finden Sie im Assessment of the Marine Stewardship Council (MSC) Fisheries Certification Programm.

Für Greenpeace werden diese Kritikpunkte derzeit vor allem durch Zertifizierung folgender Fischereien widergespiegelt:

  • Hering-Fischerei in der Nordsee
  • Hoki-Fischerei in Neuseeland
  • Alaska-Seelachs-Fischerei in der Beringsee und
  • Schwarzer Seehecht-Fischerei in Südgeorgien

Der Hering-Bestand in der Nordsee geht seit Jahren zurück. 2008 war er dem Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) zufolge unterhalb des nach dem Vorsorgeansatz sicheren Levels. Der ICES bewertete den Managment-Plan als nicht länger mit dem Vorsorgeansatz übereinstimmend. Obgleich die problematische Bestandssituation und das ungenügende Management der Hering-Fischerei durch den MSC 2007 notiert wurden, fügte dieser zwei weitere Hering-Fischereien dem MSC Programm zu. Für 2009 gibt es nun einen neuen Management-Plan der vom ICES als vorsorglicher bewertet wird - es bleibt zu hoffen, dass die Managment-Anpassungen nicht zu spät für den Hering-Bestand kommen.

Die Fischerei auf Hoki wird mit schweren Grundschleppnetzen durchgeführt. Sie bringt neben der physischen Zerstörung des Lebensraumes eine Menge an Beifang - Tiere, die tot oder verletzt wieder über Bord gehen - mit sich. Hunderte von marinen Säugetieren und Seevögeln sterben so jährlich.

Die Beifang-Problematik besteht auch bei der Fischerei von Alaska-Seelachs und Schwarzem Seehecht. Alaska-Seelachs wird in gigantischen Dimensionen gefangen, dadurch ist auch die Menge an Beifang enorm. Zusätzlich ist Alaska-Seelachs die Hauptbeute des Nahrungsnetzes der Beringsee und des Golfs von Alaska. Daher resultierte aus der massiven Fischerei der letzten Jahre eine dramatische Reduktion der verfügbaren Beute für die bedrohten Seelöwen in Alaska. Beim Fang des Schwarzen Seehechts werden Langleinen eingesetzt. Mit diesen werden jedes Jahr tausende Seevögel getöet, darunter auch der bedrohte Albatros. Zudem ist die Bestandssituation des Schwarzen Seehechts sehr kritisch. Diese Beispiele sind negative Einflüsse auf das Ökosystem, die eine Zertifizierung der Fischerei bedenklich machen.

Dolphin Safe - delfinfreundlich gefangen

Das Label Dolphin Safe - delfinfreundlich gefangen wurde vom Earth Island Institute (EII) mitentwickelt und wird ausschließlich an Thunfisch-Fischereien vergeben. Es gehört zu einem der weltweit größten privaten Nahrungsmittel-Kontrollprogrammen. Die Vergabe erfolgt an Thunfisch-Fischereien, die garantieren, während der Thunfischjagd keine Delfine zu hetzen, einzukesseln, zu verletzten oder zu töten. Ebenso dürfen keine Treibnetze eingesetzt werden. Weiterhin muss ein unabhängiger Beobachter an Bord akzeptiert sein. Und es muss garantiert werden, dass es zu keiner Vermischung mit Thunfisch kommt, der nicht delfinfreundlich gefangenen wurde. Das Label garantiert allerdings nicht, dass der Thunfisch aus nachhaltiger Fischerei stammt oder dass faire Fischereiabkommen mit den Küstenstaaten abgeschlossen wurden, in deren Gewässern der Fisch gefangen wurde. Derzeit fangen große Industrieflotten aus dem Norden der Welt die Meere leer und gefährden damit die Existenz der Küstenstaaten, deren Bevölkerung vom Thunfischfang abhängig ist.

Was Greenpeace macht

Augenblicklich gibt es aus der Sicht von Greenpeace kein Siegel für nachhaltige Fischprodukte, das uneingeschränkt zu empfehlen ist. Obgleich die vorhandenen Label die bestmögliche Alternative darstellen, können sie dennoch nicht garantieren, dass die spezifischen Produkte aus nachhaltigen Fischereien stammen. Es ist daher unabdingbar, dass der Lebensmittelhandel und die Fischindustrie ein Konzept entwickeln, das sicherstellt, nur Fisch und andere Meeresfrüchte aus nachhaltigen Fischereien und Aquakulturen zu kaufen und verkaufen.

Hilfreich könnte bei Ausarbeitung eines solchen Konzepts könnte eine von Greenpeace mit Wissenschaftlern und Experten entwickelte Methode sein, die darstellt, wie sich nicht-nachhaltige Fischereien und Aquakulturen identifizieren lassen. Sie stützt sich auf eine Reihe von Fragen über nicht-nachhaltige Praktiken in der Fischerei bzw. Aquakultur. Sobald eine der Fragen mit Ja beantwortet wird, wird diese Fischerei/Aquakultur als nicht-nachhaltig bewertet. So werden zum Beispiel bei Wild-Fischereien das Befischen von bedrohten bzw. geschützten Arten, von überfischten Beständen oder Tiefsee-Lebensräumen nicht toleriert. Genauso schlagen zerstörerische Fangmethoden, hoher Beifang oder illegale Fischerei negativ zu Buche.

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