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Zerstörung am Meeresgrund erneut gestoppt

Schon den zweiten Tag in Folge haben Greenpeacer verhindert, dass ein neuseeländischer Grundschleppnetz-Trawler seine Meeres zerstörenden Netze auswerfen kann. Mit Hilfe des Greenpeace-Schiffes Rainbow Warrior II und einiger Schlauchboote brachten die Greenpeacer den Trawler Ocean Reward insgesamt vier Mal dazu, sein Netz erfolglos wieder einzuholen.

Greenpeace ist hier aktiv geworden, weil die Regierungen es nicht schaffen, die Zerstörung am Meeresgrund endlich zu stoppen, erklärt Carmen Gravatt, Meeresexpertin bei Greenpeace. Die Aktivisten hatten zunächst mit einem Kabel die Luken für das Netz am Heck verschlossen und Transparente angebracht: End Deep Sea Destruction. Später wurden immer wieder Bojen mit der Aufschrift: Schützt das Leben in der Tiefsee am gerade ausgeworfenen Netz befestigt.

Tiefseefischer schießen mit Kartoffeln

Am Dienstagmorgen auf der offenen Tasmanischen See fliegen Greenpeacern in ihren Schlauchbooten Kartoffeln um die Ohren. Rund 600 Kilometer westlich von Neuseeland unterbanden Aktivisten mit Hilfe einer aufblasbaren Rettungsweste die zerstörerische Arbeit des Grundschleppnetz-Trawlers Ocean Reward.

Weil sich eine Rettungsweste im Netz des Trawlers verfangen hatte, konnte das Netz nicht versenkt werden. Zunächst spritzten die Fischer die Aktivisten mit einem Wasserschlauch nass. Dann griffen sie zu härteren Methoden: Die Fischer stopften Kartoffeln in den Schlauch, die dann unter hohem Druck aus der Wasserspritze geschossen kamen. Zum Glück wurde niemand verletzt.

Die Aktivisten sind seit etwa einer Woche mit dem Greenpeace-Flaggschiff Rainbow Warrior im Südpazifik unterwegs, um gegen die Zerstörung des Meeresgrundes durch Schleppnetze zu protestieren.

Grundschleppnetze sind mit schweren Eisenketten oder Bohlen versehen, die in über 1.000 Meter Tiefe über den Meeresgrund gezogen werden. Sie sorgen dafür, dass Fische aufschreckt werden und ins nachfolgende Netz schwimmen. Zugleich rasieren sie alle Erhebungen auf dem Meeresboden wie Korallen, Schwämme oder Muscheln ab. Zurück bleibt eine tote Einöde.

Diese Art der Fischerei ist nach Aussage vieler Wissenschaftler die größte Bedrohung für die Artenvielfalt am Grund der Tiefsee, sagt Iris Menn, Meeresexpertin bei Greenpeace. Dort unten gibt es eine unglaubliche Vielfalt des Lebens, die wir im einzelnen noch gar nicht kennen. Und auch nicht kennen lernen werden, wenn die Zerstörung nicht endlich gestoppt wird.

Bereits im Sommer letzten Jahres konnte Greenpeace in der Tasmanischen See die Behauptung der Fischindustrie widerlegen, Grundschleppnetze würden den Meeresboden gar nicht berühren. Damals stellte Greenpeace Schwarze Korallen, die auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen, im Boden lebende Muscheln und Seesterne aus dem Beifang sicher.

Mit der Frage einer nachhaltigen Fischerei beschäftigen sich derzeit auch die Vereinten Nationen (UN) in New York. Greenpeace fordert ein sofortiges Moratorium für den Einsatz von Grundschleppnetzen in der Tiefsee. Es wird erwartet, dass ein solches Verbot während der UN-Tagung diskutiert wird.

Allerdings gibt es eine starke Koalition gegen ein Moratorium - angeführt von den Seefahrernationen Spanien und Portugal. Spaniens Anteil an der gesamten Tiefseefischerei auf hoher See beträgt weltweit rund 40 Prozent, berichtet Iris Menn. Wir begrüßen es daher, dass sich gegen die Verhinderer des Moratoriums Widerstand entwickelt. Gerade Deutschland setzt sich in der EU stark für ein Verbot der zerstörerischen Fangmethode ein.

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