MSC, FOTS und GLOBALG.A.P.

Wie glaubwürdig sind die Gütesiegel von Fischprodukten?

Es hat sich etwas getan in den Kühltheken der deutschen Supermärkte. Waren noch vor einigen Jahren keinerlei Informationen über den Fisch, den man kaufte, zu erhalten, finden sich heute immer häufiger Informationen zu Fischart, Fanggebiet und -methode ebenso wie "Gütesiegel" auf den Verpackungen. Letztere versprechen ein Produkt aus nachhaltigem Fischfang bzw. nachhaltiger Aquakultur (kontrollierte Aufzucht von Fischen, Muscheln, Krebsen usw.). Oft handelt es sich um selbst entwickelte Siegel der Produzenten, aber es gibt auch Gütesiegel, die von externen Institutionen bzw. Organisationen vergeben werden.

Die große Vielfalt an Siegeln führt nicht selten zu der Frage nach der Glaubwürdigkeit des einzelnen Siegels. Ein Gütesiegel wird anhand speziell entwickelter Standards verliehen. Somit ist jedes Gütesiegel nur so gut wie die Standards, die ihm zugrunde liegen.

Was heißt Zertifizierung?

Definitionsgemäß versteht man unter Zertifizierung ein Verfahren, durch das die Einhaltung gewisser Standards für das jeweilige Produkt sichergestellt wird. Im Bezug auf Fischprodukte sollten die Standards eine Vielzahl unterschiedlicher Aspekte berücksichtigen und z.B. gewährleisten, dass der Fisch bzw. die Meeresfrüchte aus einer nachhaltigen Fischerei oder Aquakultur kommen. Ebenso sollten die Produkte vollständig rückverfolgbar sein (siehe Erklärung unten).

Aus Sicht von Greenpeace sollten die folgenden Kriterien in den Standards eines jeden Zertifizierungssystems für nachhaltige Fischereien zwingend angesprochen werden und vor der Vergabe des Gütesiegels umgesetzt sein:

  • Ein guter Zustand des jeweiligen Fischbestandes, der ein Befischen ohne Gefahr der Dezimierung des Fischbestandes zulässt
  • Selektive Fischereimethoden mit geringem Einfluss auf das Ökosystem und minimalem Beifang
  • Geringer Einfluss auf andere Arten des Ökosystems, so dass das vorhandene Gleichgewicht oder Nahrungsnetz nicht gestört wird. So sollten z.B. Schlüsselarten wie Haie nicht überfischt werden bzw. als Beifang verenden.
  • Sozioökonomische Aspekte, die Zugang und Verfügbarkeit der Ressourcen für alle Interessengruppen (große Fischereien als auch kleine, lokale Traditionsunternehmen) regeln

Wesentliche Kriterien für nachhaltige Aquakulturen sind:

  • Einsatz von pflanzlichem Futter aus ökologischer Landwirtschaft
  • Keine Verwendung von Fischmehl oder Fischöl aus nicht-nachhaltiger Fischerei
  • Kein Besatz mit wild gefangenen Jungtieren
  • Keine negativen Umwelteinflüsse auf lokale Wildpopulationen und Lebensräume (z.B. durch Nährstoffeintrag)
  • Geringe Besatzdichte, um den Ausbruch von Krankheiten zu minimieren
  • Kein Einsatz von genetisch veränderten Fischarten oder Futtermitteln

Was heißt Rückverfolgbarkeit?

Definitionsgemäß versteht man unter Rückverfolgbarkeit, dass Informationen zu einem Produkt oder einer Handelsware vorliegen, die besagen, wann, wo und durch wen die Ware gewonnen oder hergestellt und anschließend verarbeitet, gelagert und transportiert wurde. Für ein Fischprodukt heißt das, die gesamte Verarbeitungskette vom Fischfang bzw. der Aufzucht in einer Aquakultur bis zum Regal ist jederzeit lückenlos nachvollziehbar.

Welche Gütesiegel gibt es?

In den letzten Jahren sind verschiedene Standards als Basis für eine Zertifizierung von Fischereien und Aquakulturen entwickelt worden. Bei Fisch aus Wildfang sind die verbreitesten Zertifizierungen heute Marine Stewardship Council (MSC) und Friend of the Sea (FOTS). Bei Aquakulturen ist GLOBALG.A.P. als Zertifizierung im Jahr 2009 hinzugekommen. Das Siegel Dolphin Safe beinhaltet spezielle Richtlinien für Thunfisch-Fischereien.

Greenpeace hat sich diese Zertifzierungen im Detail angeschaut und mit einem von externen Experten entwickelten Schema bewertet. Zusammenfassend gibt es aus Greenpeace-Sicht augenblicklich kein Siegel für nachhaltige Fischprodukte, das uneingeschränkt zu empfehlen ist. Obgleich die vorhandenen Zertifizierungen einen Schritt in die richtige Richtung darstellen, können sie dennoch nicht garantieren, dass alle zertifizierten Produkte aus wirklich nachhaltigen Fischereien bzw. Aquakulturen stammen.

Für alle Zertifzierungssysteme unerlässlich sind aus Greenpeace-Sicht:

  • Eine klare und eindeutige Formulierung der Zertifizierungs-Standards
  • Ein transparentes Zertifizierungsverfahren (alle Berichte und Prüfungsunterlagen sollten öffentlich bzw. auf Anforderung zugänglich sein)
  • Keine Hürden (finanzieller oder organisatorischer Natur) für die Beteiligung aller betroffenen Interessengruppen
  • Die Berücksichtigung sozio-ökonomischer Aspekten (Einflüsse auf menschliche Lebensumstände)
  • Eine vollständige Rückverfolgbarkeit
  • Eine vollständige Kennzeichnung der Produkte mit wissenschaftlichem Namen, Fanggebiet und Fangmethode

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