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Wie ernst nimmt Berlin den Meeresschutz?

Die Doggerbank ist ein Meeresschutzgebiet in der Nordsee. Das weiß auch die Bundesregierung, schließlich hat sie es selbst als solches nach Brüssel gemeldet. Trotzdem wurde jetzt die Genehmigung erteilt, dass dort nach Erdöl- und Erdgaslagerstätten gesucht werden darf. Und das ganz ohne Not: Das Naturschutzgebiet macht nur einen Bruchteil des für die Suche freigegebenen Gesamtgebietes aus. Man hätte es auch ohne weiteres ausschließen können, sagt Iris Menn, Meeresbiologin von Greenpeace, und allein in der restlichen, viel größeren Fläche die Suche mit strikten Umweltschutzauflagen genehmigen können. Das wäre konsequenter Meeresschutz gewesen.

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Die Genehmigung erteilte das zuständige Landesbergamt Clausthal-Zellerfeld, das dem Wirtschaftsministerium in Berlin untersteht. Hier zeigt sich wieder einmal, dass bei wirtschaftliche Interessen die Bundesregierung den Naturschutz hinten runterfallen lässt, sagt Menn. Da nutzt es auch nichts, dass Berlin gern damit prahlt, ein Drittel der Nordsee unter Schutz gestellt zu haben. Wofür ist das gut, wenn man den Schutz nicht ernst nimmt und sich nicht dafür einsetzt. Dann existieren die Naturschutzgebiete nur auf dem Papier.

Negative Auswirkungen hat die wirtschaftsfreundliche Entscheidung für die letzten Schweinswale. Sie bringen in diesem Monat an der Doggerbank ihren Nachwuchs zur Welt. Die seismografische Methode für die Öl- und Gassuche stellt aber einen erheblichen Stressfaktor für die Meeressäuger dar. Experten befürchten, das die trächtigen Schweinswalweibchen nicht so flink wie ihre Artgenossen vor den niederfrequenten Schallwellenstößen fliehen können. Wahrscheinlich wird es zu vermehrten Frühgeburten kommen.

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