Greenpeace taucht vor Borkum nach den verlorenen Containern der MSC Zoe

Wer suchet, der findet

Greenpeace ist in der Nordsee auf der Suche nach den verlorenen Containern der MSC Zoe. Die Haupterkenntnis: Wind und Strömung machen die Bergung noch schwieriger als gedacht.

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Wassertemperaturen um die sechs Grad Celsius, die Luft bei Minusgraden, mäßiger bis starker Wind – um diese Jahreszeit in der Nordsee zu tauchen, ist kein entspannter Schnorchelausflug. Vier Greenpeace-Taucher sind am vergangenen Wochenende dennoch einige Kilometer nördlich von Borkum bis zu 20 Meter tief hinabgestiegen, um etwas zu suchen, was spektakulär verloren gegangen ist: Container von Bord des Frachtschiffs MSC Zoe, das in der Nacht zum 2. Januar in der Deutschen Bucht havarierte

Erst einmal erfolglos. Östlich des Windparks Riffgat vermutete Greenpeace einige der Container, gefunden haben die Taucher zunächst nichts. Am Freitag war der Seegang zu heftig, um von Bord zu gehen. Am Samstag hatte sich das Meer beruhigt, das brachte den Aktivisten aber kaum mehr Glück: Die Bedingungen unter Wasser sind ausgesprochen widrig, nicht nur aufgrund der Winterkälte. Der Meeresboden ist aufgewühlt, nach wenigen Metern liegt die Sichtweite bei null. „Das ist eine schwarze Wand“, sagt Manfred Santen, Greenpeace-Experte für Chemie, der die Tauchgänge vom Schlauchboot aus begleitete.

Doch noch ein Treffer

Am Sonntag erzielten die Crews der Schlauchboote und der Beluga, die sich der Suchaktion anschloss, dann den mittlerweile unvermuteten Treffer: Das Echolot schlug an einer Stelle aus, die ursprünglich gar nicht als Fundort in Betracht kam – Greenpeace vermutet, dass es sich bei dem Objekt um einen der über Bord gegangenen Frachtcontainer handelt. „Die vor einer Woche georteten Container haben sich durch Wind und Strömung fortbewegt“, erklärt Manfred Santen. Das hat Konsequenzen für das gesamte Bergungsprojekt: „In deutschen und niederländischen Gewässern werden die Ortungsfahrten vermutlich wiederholt werden müssen.“

Dass die Frachtstücke offenbar driften, zeigt, welche enormen Kräfte unter Wasser auf die tonnenschweren Verlustsachen wirken – und bekräftigt die Greenpeace-Forderung, Container mit riskantem Inhalt mit Peilsendern auszustatten. Von den zwei verlorenen Gefahrgut-Containern fehlt bislang jede Spur. Sicher ist jedoch, dass einer offen ist und Ladung verliert: Zwei Säcke mit gesundheitsschädlichen Phthalaten sind bereits auf der niederländischen Insel Schiermonnikoog angespült worden. Der andere Container hatte Lithium-Ionen-Akkus geladen – Lithium reagiert heftig mit Wasser und kann Schäden im Ökosystem der Nordsee anrichten. Dass die Box ihre Fracht behält, scheint nach den neusten Erkenntnissen immer unwahrscheinlicher.

Was ist noch in den Containern der MSC Zoe?

Greenpeace war in der Deutschen Bucht vor Ort, um Funde wie den von Sonntag zu dokumentieren; die Umweltschutzorganisation verspricht sich dadurch Aufschlüsse über die Ladung. Die verantwortliche Schweizer Reederei MSC hat bislang nicht offengelegt, was die Zoe geladen hatte und in welcher Menge – darum ist auch keineswegs klar, was sich in den über Bord gegangenen Containern befindet.

Das anspruchsvolle Aufspüren der Fracht ist keine Frage der Neugier, sondern der Risikobewertung. „Wir wollen uns selbst ein Bild machen. Nur wenn wir wissen, woraus die Ladung besteht, können wir die Folgen für die Umwelt abschätzen“, sagt Santen. Seit dem Frachterunglück, bei dem nach jetzigem Kenntnisstand 291 zum Teil beschädigte Container im Meer verloren gingen, leiden die niederländischen und deutschen Nordseeinseln unter den Folgen. Greenpeace-Freiwillige helfen seit Wochen den Borkumern bei der Säuberung ihres Strandes. Spielwaren und Dekoartikel wurden dort über die vergangenen Tage angespült, zuletzt nur schwer vom Strand zu entfernendes Plastikgranulat. Was die Ladung der MSC Zoe noch an bösen Überraschungen bereithalten könnte, bleibt der Öffentlichkeit bislang vorenthalten.

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