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Vorerst kein kommerzieller Walfang

Das seit 1986 bestehende Verbot des kommerziellen Walfangs bleibt bestehen. Die Delegierten beim 56. Jahrestreffen der Internationalen Walfangkommission (IWC) haben es nicht durch ein überarbeitetes Walebewirtschaftungsschema (RMS) ersetzt. Ein vom dänischen Tagungsleiter unterstützter Vorschlag sah vor, dass bei einer Einigung auf das RMS automatisch das internationale Verbot aufgehoben würde.

Die Annahme des RMS hätte den Wiedereinstieg in den kommerziellen Walfang bedeutet. Was nicht verwundert, wenn man berücksichtigt, dass an dem Vorschlag die Walfangnationen Island und Japan mitgearbeitet haben - hinter verschlossenen Türen. Das sich an diesen nicht-öffentlichen Verhandlungen auch die sonst als Walfanggegner bekannten USA beteiligt haben, hat allerdings durchaus für Verwunderung gesorgt.

Die Idee, das Moratorium könnte automatisch beendet werden, ist absurd, sagte noch am Morgen vor der Entscheidung John Frizell von Greenpeace International. Die USA haben dieser Vorstellung bereits eine Absage erteilt. Wir rufen deshalb Dänemark, die Niederlande, Spanien und Schweden auf, das gleiche zu tun. Diese Nationen waren ebenfalls bei den Geheimverhandlungen zum RMS dabei gewesen.

Bislang scheiterten die Versuche der Walfangbefürworter das Verbot aufzuheben daran, dass sie die dafür notwendige Zweidrittelmehrheit nicht zusammenbrachten. Greenpeace lehnt grundsätzlich jede Rückkehr zum kommerziellen Walfang ab. Aus Erfahrung wissen wir, dass sie immer zu einem Schrumpfen der Walpopulation führt.

Pattsituation lähmt IWC

Geheime Abstimmungen, Verhandlungen hinter verschlossenen Türen und Stimmenkauf waren die herausragenden Merkmale dieses am Donnerstag zu Ende gehenden Treffens. Die Verhandlungen zum RMS können dabei exemplarisch für die reduzierte Transparenz in der IWC stehen.

Die Zukunft der Wale kann nicht hinter verschlossenen Türen entschieden werden, warnt Frizell. So hat die IWC früher gearbeitet und jeder weiß, welche Folgen das für die Wale hatte.

Das zu Ende gegangene Treffen war von der Pattsituation zwischen Walfangbefürwortern und -gegnern geprägt. Es hat es keine Fortschritte im Walschutz gegeben, aber auch keine Rückschritte, resümiert Thilo Maack, Meeresexperte bei Greenpeace, der als Beobachter an dem Treffen in Sorrento teilnahm. So fand das Einrichten von Schutzgebiete auf der Südhalbkugel keine ausreichende Mehrheit. Aber auch der japanische Vorstoß, sich höhere Fangquoten für den angeblich wissenschaftlichen Walfang genehmigen zu lassen, scheiterte.

Japans Stimmenkauf

Lediglich die Anzahl der Walfangbefürworter in der IWC verändert sich von Jahr zu Jahr. Sie wächst langsam an, solange Japan großzügig mit Entwicklungshilfe als Dankeschön für gefälliges Abstimmungsverhalten winkt. Zugleich ist die Zahl der IWC-Mitglieder auf inzwischen 57 angewachsen. Darunter seit kurzem so berüchtigte Walfangnationen wie die Elfenbeinküste, Surinam oder der winzige Südsee-Inselstaat Tuvalu.

Resultat der japanischen Scheckbuchpolitik: Die Walfangbefürworter stellen in der IWC keine kleine Minderheit mehr dar, sondern die Fraktionen stehen sich in fast gleicher Stärke gegenüber. Es handelt sich um die klassische Pattsituation, mit ihren Folgen - oder besser Folgenlosigkeiten.

Es zeigt sich immer wieder, dass die IWC unbeweglich ist, kritisiert Thilo Maack. Alles schaut nun nach Korea, wo im kommenden Jahr das nächste Treffen stattfinden wird. Spannend ist die Frage, wen Japan alles bis dahin mit seiner Entwicklungshilfe gekauft hat. (mir)

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