Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Von Steinen und Fischern - Ein Interview mit Meeresbiologin Iris Menn

Die Greenpeace-Aktion am Dienstag im Sylter Außenriff hat positive, aber auch kritische Reaktionen zur Folge gehabt. Über den Vorwurf, Greenpeace gefährde mit der Steine-Aktion das Leben der Fischer, sprachen wir mit unserer Meeresbiologin Iris Menn.

  • /

Online-Redaktion: Iris, der Präsident des Fischereiverbandes wirft Greenpeace vor, die versenkten Steine würden das Leben der Fischer gefährden, weil Steine im Netz das Fischerboot zum Kentern bringen könnten.

Iris Menn: Wir haben vor Beginn unserer Aktivität die relevanten Wasserschutzpolizei-Direktionen, Fischereiverbände und -genossenschaften über das Versenken von Steinen per Fax informiert. In der Nachricht wurden die Koordinaten des Gebietes angegeben, in dem wir die Steine versenkt haben und explizit vor Fischerei dort gewarnt. Zusätzlich haben wir mit dem ersten Stein mehrfach einen Security-Ruf per Funk gesendet. Einer der Fischer, der in diesem Gebiet unterwegs war, hat auch direkt reagiert und uns angefunkt. Wir haben erklärt, was wir tun und warum. Er hat sich daraufhin bereit erklärt, außerhalb des Gebietes zu fischen.

Dass unsere Meldungen aufgenommen wurden, zeigt auch die am Nachmittag gesendete Warnmeldung über NAVTEX. Diese Meldungen empfängt jedes Schiff - auch Fischerboote.

Online-Redaktion: Wenn die Fischer trotzdem in dem Gebiet fischen, können die Steine sie zum Kentern bringen?

Iris Menn: Fischer verstehen ihr Handwerk. Sie sind in der Lage zu reagieren. Ein verhaktes Netz ist keine Seltenheit. Üblicherweise gibt der Fischer dann Leine bzw. Kabel und befreit dadurch das Netz.

Online-Redaktion: Die FDP-Abgeordnete Happach-Kasan gibt in ihrer Presseerklärung zu bedenken, dass die Versenkung von Felsblöcken auf den Außenriffen ein Eingriff ist, der das Außenriff in seiner Geologie verändert und die Lebenssituation für dort heimische Tiere und Pflanzen verschlechtert. Was sagst du zu diesem Vorwurf?

Iris Menn: Es ist absurd, dass das Versenken von Natursteinen die Lebensituation der Flora und Fauna im Sylter Außenriff verschlechtern soll. Ganz im Gegenteil: Es ist bekannt, dass das Versenken von Natursteinen dort, wo Riffe in der Vergangenheit zerstört wurden ihrem Wiederaufbau helfen kann. Ein solches Projekt wird zum Beispiel seit mehreren Jahren um die dänische Insel Laeso vom Nationalen Forst- und Umweltamt verfolgt. Die versenkten Steine im Sylter Außenriff stellen eher eine Vergrößerung des bereits existierenden Riffs dar.

Online-Redaktion: Danke für das Gespräch, Iris.

Auf unserer Seite www.greenpeace.de/schutzgebiete haben wir zum Thema Schutzgebiete und Grundschleppnetzfischerei eine Flash-Animation für Sie eingestellt.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Schwarzer Tag fürs ewige Weiß

Wirtschaftliche Interessen wogen schwerer als die Gesundheit der Ozeane: Die Antarktisschutzkommission CCAMLR beschließt vorerst kein Schutzgebiet im Weddellmeer.

Weit weg, nah am Herzen

Mehr als 380.000 Menschen unterstützen die Greenpeace-Forderung nach einem Schutzgebiet im Südpolarmeer. Ihre Unterschriften haben Antarktisschützer heute in Berlin übergeben.

Schleichendes Gift

Wenn Verbote zu spät kommen: Große Teile der weltweiten Orca-Bestände stehen vor dem Aussterben. Schuld ist ein Schadstoff, der seit fast 15 Jahren auf der Schwarzen Liste steht.