Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Verbände sprechen sich gegen Delfinarium aus

Gegen das geplante Delfinarium in Glowe auf der Ostseeinsel Rügen haben am Mittwoch 20 nationale und internationale Verbände Stellung bezogen. Sie halten den Neubau eines Delfinariums mit Hallenbecken und einem Amphitheater für Delfinvorführungen sowie einer Kureinrichtung zur Delfintherapie für ethisch bedenklich und juristisch fragwürdig. Gerade in der geplanten Delfintherapie sehen sie lediglich den Versuch, dem Geschäftsmodell höhere Weihen zu verschaffen.

  • /

Ein neues Delfinarium in Deutschland wäre eine Entscheidung völlig gegen den langjährigen Trend: So wurden bereits 5 der 9 Anlagen im Lande geschlossen. In England hat inzwischen gar keins der früher einmal über 30 Delfinarien mehr geöffnet. Einer der Gründe: In Europa konnte eine nachhaltige Zucht von Delfinen in Gefangenschaft nicht realisiert werden. Delfine können in Gefangenschaft weder tier- noch artgerecht gehalten werden. Dies wird aber vom Tierschutzgesetz gefordert. Eine Klage gegen das Projekt hätte damit gute Aussichten auf Erfolg.

Derzeit gibt es auch noch keinen wissenschaftlichen Hinweis oder Beleg dafür, dass die Tiertherapie mit Delfinen erfolgreicher ist als mit domestizierten Tieren wie Hunden oder Pferden. Die Verbände weisen darauf hin, dass von Fachleuten eine langfristige Wirkung bezweifelt wird. Die Unterzeichner teilen die Befürchtung, dass die Eröffnung eines Delfintherapiezentrums eine fatale Signalwirkung haben werde.

Die Nutzung der Tiere zu Therapiezwecken bringt ein weiteres Problemen mit sich: die Haltung in chloriertem Wasser. Chlor greift Haut und Augen der Tiere an, sagt Stefanie Werner, Meeres-Expertin von Greenpeace. Werner kann auch neue Gründe für ethische Bedenken anführen: Dieser Tage konnten Wissenschafter der schottischen Universität St. Andrews den Beweis erbringen, dass jedem Delfin nach seiner Geburt eine spezielle Abfolge von Pfeiftönen zugedacht wird, die von seinen Artgenossen ein Leben lang benutzt wird. Das bedeutet, dass sich die Tiere gegenseitig Namen geben. Ein evolutiver Schritt, der bislang den Menschen vorbehalten schien. Man darf sich fragen, ob die Einwohner der Gemeinde Glowe mit den Protestwellen, die auf sie aller Voraussicht nach hereinbrechen, glücklich sein werden.

Weiterführende Publikationen zum Thema

In deep Water

The oceans are facing more threats now than at any time in history. Yet a nascent industry is ramping up to exert yet more pressure on marine life: deep sea mining. This report shines a light on the economical interests in this business.

Mehr zum Thema

Katastrophe mit Ansage

Die größte Ölkatastrophe in der Geschichte Israels ist auch ein Versagen der Politik. Satellitenbilder vom Mittelmeer zeigen, dass die Gefahr rechtzeitig zu erkennen gewesen wäre.

Ohne Erde kein Film

Kann Film die Welt verändern? Die Kurzfilme des 17Films-Wettbewerbs jedenfalls zeigen recht unterschiedlich, wie jeder und jede Einzelne die Welt ein Stück besser machen kann.

Fisch auf den Tisch

Fisch ist gesund und hält schlank. Supermarktprodukte erfüllen ökologische Standards jedoch meist nicht. Kleiner Ratgeber zum Fischkauf.