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US-Navy akzeptiert Begrenzungen von Sonar

Durchbruch im Kampf um den Schutz der Wale vor lebensbedrohlichen militärischen Sonarsystemen: In Santa Monica, Kalifornien, haben sich die Umweltschutzorganisation NRDC (National Resources Defense Council) und die US-Navy in der vergangenen Woche vor Gericht auf erhebliche Nutzungsbeschränkungen für Sonare geeinigt.

Wie am Montag bekannt wurde, hat die US-Navy eingewilligt, ihr Sonar zu Friedenszeiten nur noch in besonderen Gebieten an der ostasiatischen Küste einsetzen. Um diese Entscheidung rechtskräftig werden zu lassen, ist lediglich noch die Bestätigung durch einen Bundesrichter erforderlich. Der Plan der Militärs, das System in fast allen Ozeanen der Erde zu testen, wäre damit gescheitert.

Um das umstrittene Sonarsystem LFAS (Low Frequency Active Sonar) toben schon seit längerem heftige Auseinandersetzungen. Umweltschützer und Forscher machen es für Massenstrandungen von Walen verantwortlich, die Militärs behaupteten bislang, das System sei nicht generell gefährlich. Der NRDC klagte vor einem kalifornischen Gericht gegen die Navy und erwirkte ein vorübergehendes Einsatzverbot.

Tatsächlich ist LFAS ein Alptraum für Meeresbewohner. Das System sendet Schallwellen aus, die eine Lautstärke zwischen 220 und 240 Dezibel erreichen. Damit sind sie eine der stärksten Lärmquellen, die wir Menschen überhaupt erzeugen können. Ein einzelnes Sonar deckt mit diesem Höllenlärm eine Fläche von rund 800.000 Quadratkilometern ab - mehr als das Doppelte der Bundesrepublik Deutschland.

Was das beispielsweise für Wale bedeutet, fanden britische und spanische Wissenschaftler im September 2002 heraus. Sie untersuchten 14 tote Wale, die kurz nach einem internationalen Sonareinsatz an der Küste der Kanarischen Inseln gestrandet waren. Die Meeressäuger wiesen Symptome auf, die typisch sind für die Taucherkrankheit: die Verletzung lebenswichtiger Organe durch Gasblasen in Gewebe und Blutbahnen. Zu schnelles Auftauchen aufgrund von Panik oder der direkte Einfluss der Schallwellen werden als Ursache angenommen.

Die britisch-spanische Studie, deren Ergebnisse am 8. Oktober 2003 in der Zeitschrift Nature veröffentlicht wurden, hat jetzt offenbar den Durchbruch im kalifonischen Verfahren bewirkt. Unmittelbar darauf kam es zur Einigung zwischen den Kontrahenten.

Ein positives Signal, freut sich Greenpeace-Meeresexpertin Iris Menn. Jetzt bleibt zu hoffen, dass diese Entwicklung sich auch positiv auf den Sonareinsatz der NATO auswirkt.

Mitglieder des Europäischen Parlaments haben am Montag im Brüsseler NATO-Hauptquartier eine Petition mit 100.000 Unterschriften europäischer Bürgerinnen und Bürger überreicht. Sie fordern ein Einsatzverbot für LFAS. Die Parlamentarier machten deutlich, dass der Einsatz des Sonars ohne vorherige Untersuchungen über mögliche Auswirkungen gegen die UN-Seerechtskonvention verstoße. (sit)

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