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US-Militär bedroht japanische Seekühe

Im Meer vor Okinawa im Süden Japans will die US-Marine einen Luftstützpunkt für Hubschrauber errichten. Der Bau würde Korallenriffe und den Lebensraum der bedrohten Seekühe zerstören, von denen es in japanischen Gewässern nur noch wenige Exemplare gibt. Seit Dienstag ist Greenpeace mit dem Schiff Rainbow Warrior vor Ort, um die Ausrottung der Seekühe zu verhindern.

Greenpeace unterstützt damit den Protest von Bewohnern der Region, die seit 300 Tagen erfolgreich die Bohrung von Testlöchern in das empfindliche Korallenriff und weitere Bauaktivitäten verhindern, indem sie die Bohrtürme 500 Meter vor der Küste erklettern.

Yuka Ozaki, Wald-Expertin bei Greenpeace Japan, beschreibt die Situation: Es ist 8:30 Uhr am Morgen. Seit anderthalb Stunden sitze ich zusammen mit 30 weiteren Aktivisten auf der Bohrinsel Nummer 4. Die Bauarbeiter des Luftstützpunktes sammeln sich am Strand von Camp Schwab, dem Stützpunkt der amerikanischen Marine in Henoko, Okinawa. Sie gehen an Bord eines gemieteten Fischerbootes, um hier draußen die ersten der 64 Löcher in das Korallenriff zu bohren. Doch auch am 300. Tag in Folge werden wir nicht weichen.

Der Bau des Luftstützpunktes vor Okinawa wurde 1996 beschlossen. 2.600 Meter soll die Landebahn lang sein. Obendrein sollen die japanischen Steuerzahler diese Zerstörung des Lebensraumes der Seekühe finanzieren. Die Korallenriffe vor der Küste Okinawas beheimaten auch andere Meeressäugetiere und Seeschildkröten.

Das Projekt der US-Marine wäre ein enormer Rückschlag für den Schutz und Erhalt wertvoller mariner Lebensräume. Schon jetzt nehmen die Militärstützpunkte der USA mehr als ein Viertel der Fläche Okinawas ein.

Die Vereinten Nationen haben in ihrem aktuellen Umweltprogramm eine Schutzzone zum Erhalt der Seekühe vorgesehen. Dessen ungeachtet sehen die Pläne des US-Militärs vor, das Riff einfach in die Luft zu jagen. Der Widerstand vor Ort ist jedoch groß. 1997 hatten die Ortsansässigen mit großer Mehrheit gegen den Stützpunkt gestimmt, doch der Bürgermeister wurde von der Regierung gezwungen, dem Projekt zuzustimmen.

Wir sind sicher, dass es ein Fehler ist, diesen Luftstützpunkt zu bauen, sagt ein 84-Jähriger Anwohner. Es gibt hier eine Menge Meeresbewohner, die unser Leben sichern. Wir sind dankbar für die reiche Artenvielfalt: Es gibt hier erstklassige Muscheln, Tintenfisch und Seegras. Wenn der Stützpunkt erst gebaut ist, dann haben unsere Kinder keine Zukunft mehr.

Zwei Wochen will die Crew der Rainbow Warrior in Südjapan bleiben und die Einheimischen unterstützen. Darüber hinaus soll internationale Aufmerksamkeit auf die Situation in Okinawa gelenkt werden. (us)

Helfen Sie mit, den Bau des Luftstützpunktes zu verhindern! Unterstützen Sie die Anwohner und die Greenpeace-Aktivisten, indem Sie E-Mails an die Regierungen in Japan und in den USA schreiben. (auf Englisch) Weitere Informationen finden Sie am unteren Ende der Cyberaktionsseite.

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