Supermarktranking Fisch 2008: Der Handel bewegt sich

Mit riesigen Netzen durchpflügen industrielle Fangflotten unsere Meere. Der Schaden ist immens und reicht weit in die Zukunft hinein. Um dem kurzsichtigen Treiben ein Ende zu setzen, sind alle Seiten gefragt: Fischer mit Weitblick, Politiker mit dem Willen zur Konsequenz, aber auch Handel und Verbraucher. Mit dem Supermarktranking Fisch 2008 von Greenpeace können Verbraucher Einkaufspolitik machen. Er zeigt: Wer nachhaltig gefangenen Fisch kaufen will, hat inzwischen durchaus Alternativen.
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In den Supermärkten hat sich seit 2007 einiges getan: Bei Norma und Kaufland sind Sie inzwischen recht gut bedient. Noch nicht im grünen Bereich, aber mit positivem Trend: Aldi-Süd, Rewe und Lidl. Zu warnen ist vor Kaiser's Tengelmann und Netto - sie sind die Schlusslichter unter den elf bewerteten Handelsketten.

Das vollständige Testergebnis können Sie in unserem Hintergrundpapier Supermärkte im Vergleich nachlesen. Es zeigt, wie unterschiedlich die Handelsketten und Discounter auf die Problematik nicht-nachhaltiger Fischerei reagieren.

Noch vor einem Jahr, als Greenpeace das erste Supermarktranking Fisch durchführte, gab es kein einziges Unternehmen, das im grünen Bereich lag. Mit einer roten Ausnahme befanden sich alle im Stadium orange. Seitdem hat sich das Feld deutlich aufgefächert – nach unten ebenso wie nach oben.

"Die aktuelle Untersuchung zeigt, dass echtes Engagement sich lohnt", sagt Iris Menn, Meeresexpertin von Greenpeace. "Im Vergleich zur Untersuchung 2007 haben Aldi-Süd, Kaufland und Rewe ihren Worten Taten folgen lassen und einen deutlich positiven Sprung gemacht. Das kann man von Netto, Metro und Kaiser's Tengelmann nicht behaupten. Bei diesen Unternehmen klafft zwischen Worten und Taten eine große Lücke."

Das Supermarktranking gibt Verbrauchern die Möglichkeit, selber gegen die rücksichtslose Plünderei der Meere aktiv zu werden. Rein statistisch isst jeder Deutsche 16,4 Kilogramm Fisch pro Jahr. Je größer die Nachfrage nach nachhaltig gefangenem Fisch ist, desto mehr wächst der Druck auf Fischereiindustrie und Politik. Die einen müssen ihre Fangmethoden ändern, die anderen für ein umweltschonendes Regelwerk sorgen.

"Wer Fischbestände schützen will, muss die Empfehlungen der Wissenschaft umsetzen und darf beispielsweise keine Kabeljauquote für die Nordsee mehr zulassen", sagt Meeresbiologin Menn. "Die Politiker müssen sich endlich bewegen."

Als nachhaltige Fischerei gilt für Greenpeace grundsätzlich: Sie hält den Bestand der Zielart auf einem gesunden Niveau, ohne andere Arten des Ökosystems negativ zu beeinflussen. Andere Arten werden weder getötet noch wird ihre Nahrungsquelle oder ihr Lebensraum zerstört.

Für das Supermarktranking hat Greenpeace die Unternehmen befragt und ist mit ihnen im fachlichen Austausch. Zudem wurden öffentliche Quellen genutzt und das Fischsortiment der Märkte stichprobenartig untersucht. Dafür wurde 2008 das Gesamtsortiment samt Kennzeichnungen in 108 Filialen bundesweit erfasst.

Erfreulich: Außer Edeka führt keine Handelskette mehr den stark gefährdeten Dornhai im Sortiment. Dornhai ist vielen Menschen vor allem als Schillerlocke ein Begriff. Vier Unternehmen haben Scholle, drei Unternehmen Kabeljau, zwei weitere Rotbarsch und weitere zwei Aal ausgelistet. Alle diese Fischprodukte stammen aus nicht-nachhaltiger Fischerei.

Einige Handelsketten haben die Kennzeichnung der Produkte deutlich verbessert, so dass die Kunden Produkte aus nicht-nachhaltiger Fischerei erkennen und meiden können. Außerdem behandeln sieben Unternehmen mittlerweile das Thema Fisch und Nachhaltigkeit auf ihrer Webseite.

Greenpeace wird die Schritte der Supermärkte und Discounter weiter verfolgen, mit ihnen im Gespräch bleiben und am Jahresende 2009 erneut ein Ranking vorlegen.

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