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Stimmenfang für die Walfangkonferenz

Im Vorfeld der 56. IWC (Internationale Walfangkommission) treten immer mehr Staaten der Kommission bei. Allerdings ist davon auszugehen, dass nicht jedes Mitglied seine Beiträge selber zahlt. Wir bemerken, dass die Japaner ganz eifrig dabei sind, Länder auf ihre Seite zu ziehen, sagte der Leiter der deutschen IWC-Deligation Peter Bradhering der Deutschen Presse Agentur. Eines der neuen Mitglieder ist der pazifische Inselstaat Tuvalu. Der Jahresbeitrag wird, so vermuten wir, von Japan bezahlt werden, so Bradhering.

Schon seit Jahren zahlt Japan kleinen Ländern großzügige Entwicklungshilfen. Im Gegenzug treten diese Länder der IWC bei und stimmen im Sinne Japans für die Ausweitung der Jagd auf Wale und gegen die Errichtung neuer Walschutzgebiete. Die Liste der gekauften Länder wird immer länger, so dass die Gefahr besteht, dass Japan eine Dreiviertel-Mehrheit für die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs zusammenkauft.

Thilo Maack, Meeresexperte bei Greenpeace sagt: Am Beispiel der IWC zeigt sich, wie einfach es für eine Nation wie Japan geworden ist, ein internationales Völkerrechtsabkommen zu unterlaufen. Dagegen muss es politischen Widerstand geben! Auch Norwegen und Island jagen weiterhin Wale, obwohl ein Moratorium von 1986 die kommerzielle Waljagd untersagt. Japan und Island behaupten, die Wale nur zu wissenschaftlichen Zwecken zu erlegen. Dabei gibt es schon lange kein Interesse mehr an dieser Forschung.

Auf der Seite der Walschützer ist Ungarn kürzlich der IWC beigetreten. So steigt die Mitgliederzahl stetig an. Bislang bleiben beide Seiten etwa im Gleichgewicht. Aber nicht nur die direkte Waljagd bedroht die Meeresriesen. Besonders Lärm, Meeresverschmutzung und Beifang durch Fischernetze quälen die Wale zu Tode. Greenpeace kämpft daher zum einen für die Aufrechterhaltung des Walfangverbots, erklärt Maack, und außerdem müssen weitere Walschutzgebiete eingerichtet werden. Die IWC muss ihrer Schutzrolle gerecht werden. (agi)

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