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SOS Weltmeer: Viele Fischbestände vor dem Zusammenbruch

Mehr als die Hälfte der Fischstände sind heute so stark ausgebeutet, dass keine Steigerung mehr möglich ist. Das macht der Zweijahresbericht der UN-Welternährungsorganisation (FAO) zur Lage der Fischerei und Fischzucht weltweit deutlich, der am Montag in Rom vorgestellt wurde. Greenpeace fordert die Regierungen auf, endlich die Meere zu schützen und ein Netzwerk von Schutzgebieten einzurichten, das mindestens 40 Prozent der Weltmeere umfasst.

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Von allen beobachteten Beständen sind 17 Prozent überfischt und sieben Prozent gehen zurück. Betroffen sind vor allem Arten, die zwischen nationalen Hoheitsgebieten wandern oder außerhalb dieser Zonen gefischt werden. Dazu zählen mehr als die Hälfte der wandernden Hai-Arten und zwei Drittel der wandernden Hochseebestände wie Seehecht, Kabeljau, Heilbutt oder Blauflossen-Tunfisch.

Diese Arten und viele andere könnten bald nicht mehr für die Ernährung zur Verfügung stehen. Hunderte von Fischarten stehen seit kurzem auf der Roten Liste, weil sie vom Aussterben bedroht sind. Und nur ein Prozent der Bestände erholt sich von der Überfischung. Am stärksten gefährdet sind dem Bericht zufolge der Südost-Atlantik, der Südost-Pazifik, der Nordost-Atlantik - damit die Nordsee - sowie die Lebensräume der Hochsee-Tunfischarten im Atlantik und im Indischen Ozean. Hier seien bereits zwischen 46 und 66 Prozent der Bestände überfischt oder erschöpft.

Es ist Zeit für einen radikalen Paradigmenwechsel in der Fischereipolitik. Es reicht nicht aus, sich einzelne Spezies herauszugreifen und zu betrachten, wir müssen uns das gesamte marine Ökosystem anschauen, fordert Greenpeace-Meeresexpertin Sari Tolvanen in Rom. Ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten ist die einzige Möglichkeit die marine Umwelt zu schützen. Nur so können sich die Fischbestände wieder erholen.

Meeres-Schutzgebiete sind entscheidender Teil einer Lösung, um das Leben in den Ozeanen auf unserem Planeten zu bewahren und zu regenerieren. Schutzgebiete sind ein Werkzeug, mit dem die Vielfalt des Lebens bewahrt werden kann, und sie dienen der Regeneration von Pflanzen- und Tierbeständen, da dort z.B. Fischerei oder Öl- und Gasförderung gezielten Regelungen unterliegen.

Wie es geht, zeigt die erfolgreiche Umweltschutzpolitik der Insel Apo, Philippinen. Die Gewässer rund um das vulkanische Eiland wurden 1985 zum Meeresschutzgebiet erklärt. Das Engagement hat sich gelohnt: Schon nach den ersten zehn Jahren hatte sich das Fischaufkommen rund um die Insel versiebenfacht und die Artenvielfalt enorm zugenommen. Nach 20 Jahren Umweltschutz können die ansässigen Fischer in einem Arbeitsgang zehnmal so viel Fisch aus dem Wasser ziehen, wie vor der Schutzmaßnahme.

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