Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Schwedische Supermärkte wollen Dorschbestände schützen

Dorsch, auch Kabeljau genannt, gehört zu den beliebtesten, aber auch gefährdetsten Speisefischen der Welt. Jetzt haben drei schwedische Supermarktketten, Lidl Schweden, Netto Schweden und Axfood zugesichert, keinen Ostseedorsch mehr zu verkaufen.

  • /

Die Supermärkte konnten bislang nicht garantieren, nur legal gefangenen Kabeljau zu verkaufen. Ein Drittel des ohnehin schon überfischten Dorschbestandes der Ostsee wird illegal gefangen.

Mit dem Versprechen nur noch Fisch einzukaufen, der in Norwegen und Island angelandet wurde, sorgen die schwedischen Einzelhändler auch dafür, dass kein illegaler Dorsch aus der Barentssee in ihren Kühlfächern landet. Dort gibt es den letzten gesunden Kabeljau-Bestand, der allerdings durch Piratenfischer bedroht ist. Da die aber nicht in den skandinavischen Häfen anlanden, sondern versuchen, den Fisch über kleine Häfen in anderen Ländern, illegal nach Europa zu schleusen, stammt der Kabeljau aus Norwegen und Island aller Wahrscheinlichkeit nach aus intakten Beständen.

Das Versprechen der schwedischen Handelsketten ist ein Schritt in die richtige Richtung, sagt die Greenpeace-Meeresbiologin Dr. Iris Menn. Die Supermärkte und Fischhändler müssen durch eine transparente Einkaufspolitik auch in Deutschland dafür sorgen, dass sie keinen illegalen Fisch verkaufen. Doch auch die Politik muss reagieren. Laut ICES (International Council for the Exploration of the Sea) müsste der Dorschfang in der östlichen Region der Ostsee für 2007 völlig verboten werden, damit sich die Bestände regenerieren können. Die EU-Fischereiminister ignorieren die empfohlenen Fangquoten des ICES seit 20 Jahren.

Dem Verbraucher in Deutschland bleibt im Moment nur eins: Der Verzicht auf Dorsch! Denn kein Händler kann im Moment zusichern, dass der Kabeljau aus gesunden Beständen und auf keinen Fall aus illegaler Fischerei stammt. Auch auf der Verpackung lässt sich nicht erkennen, woher der Fisch kommt. Für Fischliebhaber gibt es zum Glück noch Heringe, Makrelen und Nordsee-Seelachs!

Weiterführende Publikationen zum Thema

Das Wegwerfprinzip

„Bioplastik“, „Chemisches Recycling“ – so was klingt erst mal gut, ist es aber nicht. Der Report „Das Wegwerfprinzip“ beschreibt, mit welchen Tricks multinationale Konzerne die Öffentlichkeit täuschen.

Bedrohte Tiefsee

Der Wettlauf um die Ressourcen auf dem Meeresboden hat begonnen. Grund ist der große Hunger der Hightech-Industrie nach Kobalt, das sich in den Manganknollen in tausenden Metern Tiefe befindet. So wird der Tiefseebergbau eine der schwerwiegendsten neuen Bedrohung für unsere Ozeane, noch bevor wir ihre sensiblen Ökosysteme und ihre Prozesse überhaupt verstanden haben.

Mehr zum Thema

Tiefseeparadies im Atlantik

Die Tristan Languste galt als ausgerottet am Tiefseeberg Vema. Eine Greenpeace-Expedition konnte jetzt ihre Rückkehr dokumentieren – dank  eines 2007 verhängten Fischereiverbots.

Dreckiges Ölgeschäft

Shell will alte Plattformen mit 11.000 Tonnen Öl in der Nordsee verrotten lassen. Dagegen protestieren seit heute Morgen Greenpeace-Aktivisten und kletterten auf zwei Plattformen.

„Es ist besorgniserregend“

Noch eine schlechte Nachricht fürs Klima: Der Meeresspiegel steigt schneller als erwartet. Ein Interview zum IPCC-Sonderbericht Meere mit Greenpeace-Experten Karsten Smid.