Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Schutz für Norwegens einzigartige Tiefsee-Korallen

Das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior hat sich aufgemacht in die norwegische See. Auf ihrer zehntägigen Tour dokumentieren die Aktivisten an Bord die einzigartigen Kaltwasser-Korallenriffe etwa 130 Kilometer nördlich von Bergen. Ziel ist es, die Meeresregion zum Schutzgebiet erklären zu lassen, um sie vor der zerstörerischen Fischerei mit Grundschleppnetzen zu bewahren.

  • /

Mithilfe einer Unterwasserkamera wollen die Greenpeacer die Schönheit und Faszination intakter Riffe dokumentieren. Die Korallenriffe in einer Tiefe von 200 bis 400 Metern sind die Heimat von Seesternen, Seeigeln, Fischen und vielen anderen, zum Teil noch unbekannten Lebewesen. Ihr Artenreichtum ist durchaus vergleichbar mit dem Reichtum der tropischen Regenwälder. Kaltwasser-Korallenriffe können mehrere Quadratkilometer groß und tausende von Jahren alt sein.

Der Bestand dieser Riffe ist in Gefahr. Riesige Grundschleppnetze, bestückt mit schweren Eisenplatten und Vorlaufketten, zerstören die fragile Korallenlandschaft minutenschnell. Dieser einzigartige Lebensraum muss sofort geschützt werden, fordert Greenpeace-Meeresexpertin Bettina Walter an Bord der Rainbow Warrior. Die bestehenden Maßnahmen zum Schutz der Riffe sind nicht ausreichend. Eine Zerstörung durch Grundschleppnetze ist besonders bei diesem sensiblen Ökosystem nahezu unumkehrbar.

Um auf die Korallenriffe aufmerksam zu machen, setzt die Schiffs-Crew Markierungsbojen und fordert Fischer mit bodennahen Fischereigeräten auf, dieses empfindliche Ökosystem umgehend zu verlassen.

Zwar gibt es in Norwegen ein Verbot für Grundschleppnetzfischerei in bekannten Korallenriffen. Aber bis heute sind längst nicht alle Riffe bekannt. Und von den bekannten fehlen Daten zu Größe, Ausdehnung und der ökologischen Relevanz. Die Regelungen sind nicht ausreichend für den Erhalt dieser Lebensräume. Heute schon schätzen Wissenschaftler, dass 30 bis 50 Prozent der Lophelia-Riffe durch die Grundschleppnetz-Fischerei beschädigt oder komplett zerstört wurden, so Meeresbiologin Walter.

Die Zerstörung der Riffe hat nicht nur für das Ökosystem, sondern auch für die Fischerei katastrophale Folgen. Denn die Korallen sind auch Kinderstube kommerziell genutzter Fischarten wie Seelachs und Rotbarsch. Etwa 400 Trawler fischen heute in diesem Gebiet, neben norwegischen und russischen auch deutsche. Je mehr ihre Schleppnetze zerstören, desto weniger Fisch werden sie in Zukunft fangen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Weit weg, nah am Herzen

Mehr als 380.000 Menschen unterstützen die Greenpeace-Forderung nach einem Schutzgebiet im Südpolarmeer. Ihre Unterschriften haben Antarktisschützer heute in Berlin übergeben.

Schleichendes Gift

Wenn Verbote zu spät kommen: Große Teile der weltweiten Orca-Bestände stehen vor dem Aussterben. Schuld ist ein Schadstoff, der seit fast 15 Jahren auf der Schwarzen Liste steht.

Zurück – oder in die Zukunft

Die Internationale Walfangkommission steht vor einem Paradigmenwechsel: Will sie weiter nur den kommerziellen Walfang regulieren – oder aktiv zum Schutz der Wale beitragen?