Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Schutz für indische Meeresschildkröten

Sie ist bedeutend kleiner als die Esperanza. Eigentlich war die Sugayatri vor einigen Monaten nur eines von vielen ziemlich heruntergekommenen Fischerbooten. Doch nach einem Anstrich in Regenbogenfarben und einer riesigen Schildkröte aus Holz als Galionsfigur ist sie nun die letzte Errungenschaft der Flotte zur Verteidigung unserer Ozeane. Die Sugayatri ist gerade zu ihrer Mission aufgebrochen, die olivfarbene Ridley-oder Bastardmeeresschildkröte in Indien zu retten.

  • /

Das Boot wurde komplett neu ausgestattet, um dem neuen und sehr herausfordernden Job gerecht zu werden: Ziel ist das Patrouillieren auf den Gewässern rund um das im ostindischen Orissa gelegene Gahirmatha-Meeresschutzgebiet . Dabei wird der massenhafte Nestbau der olivfarbenen Bastardschildkröten beobachtet und dokumentiert und gleichzeitig versucht, der diesjährigen Brutsaison der Meeresschildkröten ein wenig mehr Sicherheit zu verleihen.

Die Strände von Orissa (Ostindien) bieten der vom Aussterben bedrohten olivfarbenen Bastardmeeresschildkröte weltweit einen der letzten Brutplätze. Jedes Jahr kommen hier zwischen Dezember und April Tausende dieser wunderschönen Tiere an Land, um an den Stränden von Orissa ihre Eier abzulegen.

Doch leider gleicht Orissa mittlerweile mehr einem Schildkrötenfriedhof als einem Brutplatz. Die Bestände der olivfarbenen Bastardschildkröten sind verschiedensten Bedrohungen ausgesetzt. Dazu zählen die Dampferfischerei, Öl- und Gasbohrungen vor der Küste und der geplante Bau eines Industrieareals in unmittelbarer Nähe der Eiablageplätze. Allein im letzten Jahrzehnt wurden mehr als 100.000 tote Meeresschildkröten an den Stränden von Orissa angespült.

Das Turtle Witness Camp bietet Schutz

Die Besatzung der Sugayatri hat sechs Signalbojen zur Eingrenzung des Meeresschutzgebietes platziert. Sie waren bereits direkte Zeugen des Todeskampfes einer in einem Treibnetz gefangenen Schildkröte. Und sie konnten sich bereits als nützlich erweisen, indem sie mehrere eingefangene Schildkröten befreiten. Die Aktivisten haben in der Nähe das so genannte Turtle Witness Camp aufgebaut. Das Lager wurde mit einer traditionellen indischen Zeremonie eingeweiht, an der mehrere hundert Fischerfamilien aus den Nachbardörfern teilnahmen.

Allein in der ersten Woche konnten unsere Aktivisten und freiwilligen Helfer des Lagers den gesamten Lebenszyklus in seiner ganzen Pracht mitverfolgen. Sie waren Zeugen von etlichen sich paarenden olivfarbenen Bastardschildkröten in der direkten Umgebung der Sugayatri. Sie sind die Strände von Orissa abgelaufen und waren tief erschüttert beim Anblick der vielen toten Schildkröten, mit denen der Strand regelrecht übersäht war. Beim Entdecken von Flossenspuren schöpften sie jedoch wieder Hoffnung.

Diese Meeresschützer werden fünf Monate lang in der Region bleiben und die Verhaltensmuster beim Versammeln und Paaren der Schildkröten auf See beobachten und aufzeichnen. Sechs Wochen nach Start der Aktion blüht schon das Leben im Turtle Witness Camp und kommen Emotionen auf; Gründe hierfür sind die atemberaubende Schönheit der Region und der olivfarbenen Ridleyschildkröten, aber leider auch der unnütze und sinnlose Tod von Hunderten ebendieser Schildkröten.

Die Notlage der olivfarbenen Bastardschildkröten ist einmal mehr ein Beispiel für eine leidende Tierart, wie die Wale, und das aufgrund der menschlichen Habgier. Verfolgen Sie diese neue Aktion im Greenpeace-Blog Indien, wo Freiwillige, Aktivisten und die Besucher-Crew der Arctic Sunrise ihre täglichen Erlebnisse im Lager beschreiben und die Belange zur Verteidigung unserer Ozeane erörtern.

Die nächste Etappe

Die Esperanza wird im Rahmen ihrer ein Jahr dauernden Reise demnächst Kurs nehmen auf den Atlantik, wo sie den illegalen Fischfangflotten und deren verheerenden Auswirkungen auf den Thunfischbestand den Garaus machen will.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Das Wegwerfprinzip

„Bioplastik“, „Chemisches Recycling“ – so was klingt erst mal gut, ist es aber nicht. Der Report „Das Wegwerfprinzip“ beschreibt, mit welchen Tricks multinationale Konzerne die Öffentlichkeit täuschen.

Bedrohte Tiefsee

Der Wettlauf um die Ressourcen auf dem Meeresboden hat begonnen. Grund ist der große Hunger der Hightech-Industrie nach Kobalt, das sich in den Manganknollen in tausenden Metern Tiefe befindet. So wird der Tiefseebergbau eine der schwerwiegendsten neuen Bedrohung für unsere Ozeane, noch bevor wir ihre sensiblen Ökosysteme und ihre Prozesse überhaupt verstanden haben.

Mehr zum Thema

Dreckiges Ölgeschäft

Shell will alte Plattformen mit 11.000 Tonnen Öl in der Nordsee verrotten lassen. Dagegen protestieren seit heute Morgen Greenpeace-Aktivisten und kletterten auf zwei Plattformen.

„Es ist besorgniserregend“

Noch eine schlechte Nachricht fürs Klima: Der Meeresspiegel steigt schneller als erwartet. Ein Interview zum IPCC-Sonderbericht Meere mit Greenpeace-Experten Karsten Smid.

Schatzkammer Tiefsee

Der Hunger der Hightech-Industrie treibt den Wettlauf um die Rohstoffe auf dem Meeresboden voran. So wird der Tiefseebergbau zu einer massiven Bedrohung für unsere Ozeane.