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Schockierende Realität

Seit Dezember kämpfen Greenpeace-Aktivisten im antarktischen Schutzgebiet um das Leben der Wale. Manchen konnten sie zur Flucht verhelfen, anderen nicht. Den Todeskampf dieser unglücklichen Tiere mussten sie aus unmittelbarer Nähe mitansehen. Was sie am Sonnabend erlebt und dokumentiert haben, übertrifft an Brutalität alles bis dahin Erlebte.

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Der erste Schuss geht daneben, das Drahtseil spannt sich nicht. Die Harpune wird wieder eingeholt, weiter vorn taucht der Wal zum Atmen auf. Die Jagd geht weiter, wird schneller. Der nächste Schuss trifft das Tier am Rücken. Die Wunde ist schlimm, doch die Greenpeacer in den Schlauchbooten sehen sofort, dass sie nicht tödlich ist.

Der verletzte Wal, ein großes kräftiges Tier, versucht zu entkommen. Doch er wird langsamer. Die Hetzjagd und der Blutverlust schwächen ihn. Er taucht häufiger zum Atmen auf, mal vor dem Schlauchboot, mal rechts, mal links. Die Schlauchboote bleiben zurück - die Aktivisten wissen, dass dieser Kampf verloren ist. Das Tier hat keine Chance, sie wollen seine Qual nicht unnötig verlängern. Erst der sechste Schuss verankert das Seil im Körper des Wals.

Die Greenpeace-Aktivistin Regine Frerichs findet erst einen Tag später Worte für das, was sie gesehen hat: Szenen, deren Brutalität und Kälte mir gestern jedes Wort darüber unmöglich gemacht hatten... Ich weiß nicht, wie man innerlich gestrickt sein muss, um einem Lebewesen so etwas antun zu können ...

Wir wollen, dass die Videoaufnahmen dieser Jagd eine möglichst große Öffentlichkeit erreichen. Die Grausamkeit dessen, was im Walschutzgebiet passiert, darf nicht verborgen bleiben. Aber wir möchten unsere Leserinnen und Leser auch warnen: Die Bilder sind schwer zu ertragen.

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