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Ruf des MSC-Siegels steht auf dem Spiel

Unser Appetit auf tiefgefrorene Fischfilets und Sushi bringt die Meere in Bedrängnis. Viele Fischbestände sind bedroht, einige nahezu ausgerottet. Abhilfe soll das Siegel des MSC (Marine Stewardship Council) schaffen - ein Siegel für nachhaltige, die Bestände schonende Fischerei. Nun hat der zu den Seehechten zählende Hoki erneut die MSC-Zertifizierung bestätigt bekommen. Dadurch gerät das Siegel nicht zum ersten Mal in Kritik. Wir haben mit der Meeresexpertin Stefanie Werner von Greenpeace gesprochen.

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Online-Redaktion: Warum verdient die Hoki-Fischerei kein Siegel für Nachhaltigkeit?

Stefanie Werner: Die erneute Zertifizierung der Hoki-Fischerei ist einfach nicht nachvollziehbar, denn sie ist alles andere als nachhaltig. Und das gleich aus mehreren Gründen: Vor allem der westliche Bestand der bis in 1000 Meter Tiefe lebenden Fischart ist gnadenlos überfischt, nur noch 15 bis 24 Prozent der Tiere im nachwuchsfähigen Alter sind übrig.

Bei der Hoki-Fischerei landen viele Beifangopfer in den Netzen, die sinnlos tot oder sterbend über Bord gehen. Dazu gehören geschützte Seevögeln wie der Königsalbatross, aber auch Robben oder Haie. Darüber hinaus wird eine Fischereimethode verwendet, die generell nicht nachhaltig sein kann. Riesige Grundschleppnetze pflügen den Meeresboden um und zerstören alles, was sich ihnen in den Weg stellt - darunter auch uralte Teile von Korallenriffen.

Online-Redaktion: In den Supermärkten ist das MSC-Siegel immer häufiger auf Fischpackungen zu finden. Sind andere Fischarten auch zu Unrecht zertifiziert?

Stefanie Werner: Der Grundgedanke, der hinter dem MSC-Siegel steht, ist richtig und überaus wichtig. Doch der MSC muss gerade im jetzigen Stadium seiner Entwicklung klare Entscheidungen für die Natur treffen. Seine Glaubwürdigkeit muss sich beweisen. Wenn Wirtschaftlichkeit derart drastisch über Umweltbelange gesetzt wird, verfehlt das Siegel eindeutig seinen Sinn.

Auch andere zertifizierte Fischereien haben ihre Mängel. So zum Beispiel die amerikanische Alaska-Seelachs-Fischerei, also unsere MSC-zertifizierten Fischstäbchen. Zwar handelt es sich hierbei um die wahrscheinlich am besten geregelte Weißfisch-Fischerei der Welt. Dennoch häufen sich die Todesfälle bei kleinen Fischern, die immer weiter draußen in der rauhen Beringsee fischen müssen, da sie küstennah keine Fangquoten bekommen. Und die Stellerschen Seelöwen verhungern, weil sie nicht mehr genügend Futter vorfinden.

Greenpeace empfindet es generell als problematisch, dass für überfischte Bestände nur ein Erholungsplan vorgelegt werden muss, um das Zertifikat zu bekommen. Damit wird das Vorsorgeprinzip nicht als Kerngedanke der ökologischen Fischerei anerkannt.

Online-Redaktion: Was rätst du Verbrauchern, die gerne Fisch essen?

Stefanie Werner: Greenpeace veröffentlicht in regelmäßigen Abständen einen Fischratgeber. Denn an ausreichender Kennzeichnung von Fischprodukten und Nachhaltigkeit mangelt es in den Supermärkten in Deutschland nach wie vor. Die Verbraucher sollten nur Fisch kaufen, bei dem sie sicher sind, dass die Bestände nicht überfischt sind und die angewendete Fangmethode die Meeresumwelt nicht schädigt.

Unser Ratgeber Fisch und Facts gibt darüber Auskunft. So erfahren die Verbraucher, dass sie sich mit einem Kabeljau oder Seehecht auch einen toten Delfin, der als Beifang im Netz verendet ist, auf den Teller laden. Oder dass sie sich an der Ausrottung einer Art beteiligen, wenn sie überfischten Aal oder Schillerlocken (Bauchlappen des Dornhais) kaufen.

(Autorin: Anja Franzenburg)

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