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RMS: Schluss mit dem Schutz der Wale?

Im Jahre 2002 will die Internationale Walfangkommission (IWC) wichtige Weichen für die Zukunft stellen. Als Ergebnis droht der größte Rückschritt ihrer Geschichte: die Wiederzulassung des kommerziellen Walfangs. Das Tor zur neuen Jagd im großen Stil heißt RMS: Überarbeitetes Bewirtschaftungssystem (Revised Management Scheme, kurz RMS).
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Dieses Tor könnte 2002 unter dem Druck der norwegischen und japanischen Walfanglobby aufgestoßen werden. Bereits am 6. bis 8. Februar 2001 traf sich die RMS-Arbeitsgruppe der IWC in Monaco, um die bisherigen Entwürfe zu vollenden und einen Text zu entwickeln, mit dem das RMS von der IWC in Kraft gesetzt werden kann. Falls es dazu kommt, ist zu befürchten, dass die IWC auf der Jahrestagung 2002 in Shimonoseki/Japan den kommerziellen Walfang wieder freigibt, den sie seit Winter 1985/86 weltweit verboten hat.

Die Wal-Bewirtschaftung der IWC

Die IWC wurde 1946 eingerichtet und ist weltweit für die Regulierung des Walfangs zuständig. Ihre erste Aufgabe ist der Erhalt der Walbestände, doch über Jahrzehnte hinweg wurden die Wale unter Aufsicht der IWC dezimiert, teilweise bis an den Rand der Ausrottung gebracht. Um ihr Missmanagement zu beheben, ergriff die IWC 1975 ein Neues Bewirtschaftungsverfahren (New Management Procedure, NMP). Damit wollte man Fangquoten so berechnen, dass die Walbestände nicht mehr gefährdet würden.

Diese hohen Erwartungen konnte das NMP nicht erfüllen: Auch weiterhin sorgte die kommerzielle Waljagd für einen dramatischen Rückgang der Populationen. Daher hat die IWC ab 1985/86 weltweit jeden kommerziellen Walfang verboten. Dieser Schritt wurde von internationalen Walschutzorganisationen und weiten Teilen der Weltöffentlichkeit gefordert. Das so entstandene Moratorium kann allerdings durch eine Dreiviertelmehrheit in der IWC wieder aufgehoben werden, wenn zuvor das RMS als der Nachfolger des NMP fertiggestellt und offiziell verabschiedet wird.

Was ist was? RMP und RMS

Bereits 1994 akzeptierte die IWC ein Überarbeitetes Bewirtschaftungsverfahren (Revised Management Procedure, RMP). Wie beim NMP handelt es sich im Wesentlichen um ein Verfahren zur Berechnung von Fangquoten. Diese Berechnungen beziehen allerdings die Bedrohungen, die neben der Bejagung den Fortbestand der Wale gefährden, nicht ein: Kollisionen mit Schiffen, das Verfangen in Fischernetzen, die Überfischung und damit Entzug der Nahrungsgrundlage sowie Klimaveränderungen. Wegen ihrer unkalkulierbaren Folgen stellt die anhaltende Schadstoffbelastung der Meere durch Dauergifte (POPS) eine besondere Gefahr dar. Außerdem fehlen im RMP Kontrollmaßnahmen, die die Einhaltung der Fangquoten gewährleisten.

Zu Recht erkannte die IWC, dass das RMP allein die Walbestände nicht sichern kann. Deshalb sollte es nur Teil eines größeren Ganzen sein, ohne das es nicht in Kraft treten kann. Dieses Ganze wurde RMS genannt und sollte umfassende Sicherungen und Kontrollmechanismen enthalten. Doch schon die bisherigen Entwürfe zeigen, dass das RMS weit von solchen Ansprüchen entfernt ist.

Schwache Regeln

Große Probleme bereitet das Thema Überwachung und Kontrolle. So wurde vorgeschlagen, auf allen Walfangschiffen internationale Beobachter vorzuschreiben. Allerdings ist nicht geplant, diesen Beobachtern auch das Recht zu geben, bei Regelverstößen einzugreifen. Ferner versucht die Walfanglobby zu verhindern, dass die Beobachter das Recht bekommen, während der Fangfahrt direkt von Bord der Schiffe aus Berichte an die IWC zu liefern oder durch Satelliten die Routen der Schiffe zu überwachen. Nicht zuletzt mangelt es an abschreckenden Strafmaßnahmen.

Schon auf der Jahrestagung 2000 bremste die IWC die zügige Einarbeitung einer umfassenden DNA-Überwachung von Walprodukten in das RMS. Ohne eine solche Überwachung sind Wilderei und Schmuggel Tür und Tor geöffnet, wie Untersuchungen auf dem japanischen Walfleischmarkt immer wieder zeigen.

Voreilige Entscheidungen

Das RMS zeigt ernsthafte Mängel und ist nicht geeignet, den Erhalt der Walbestände zu sichern. Trotzdem steht die IWC im Begriff, das untaugliche System hastig durchzuboxen. Dabei erhalten die Walfangländer Japan und Norwegen unerwartete Schützenhilfe: Das Treffen in Monaco geht auf einen Antrag Schwedens zurück, der auch von Chile, Dänemark, Finnland, Irland, Mexiko, Oman, der Schweiz, Spanien und Südafrika unterstützt wurde.

Ein solches Arbeitstreffen hat - im Vergleich zu einer Jahrestagung der IWC mit ihren 41 Mitgliedsstaaten - zwar eine geringere Beteiligung, kann aber dennoch die Vorbereitungen für das RMS abschließen - und auch politische Vorentscheidungen treffen. Es ist zu erwarten, dass die norwegischen und japanischen Delegierten versuchen, einen wenig konsequenten RMS-Text durchzusetzen, der die Wiederaufnahme des Walfangs im großen Stil ermöglicht - anstatt sich einem streng regulierenden Walfang-System unterzuordnen.

Düstere Aussichten

Falls das RMS mit einer 3/4-Mehrheit verabschiedet wird, kann die IWC - ebenfalls mit einer 3/4-Mehrheit - das Moratorium aufheben. Japan ist bemüht, durch Stimmenkauf neue Mitgliedsländer in die IWC zu holen und sich so die nötige Mehrheit zu verschaffen. Die Formel lautet: Entwicklungshilfe im Austausch gegen Stimmen für den Walfang. Damit war Japan bei karibischen Inselstaaten erfolgreich und versucht das gleiche inzwischen auch bei afrikanischen Staaten.

Sollte das Moratorium aufgehoben werden, sind am neu erlaubten Walfang nicht nur Japan und Norwegen interessiert: Auch Staaten wie Island und Russland, die das Walfang-Verbot zur Zeit akzeptieren, würden wieder Jagd auf Wale machen.

Greenpeace fordert:

  • Die Aufrechterhaltung des weltweiten Verbotes der kommerziellen Waljagd (Moratorium).
  • Einen Weltpark für Wale - dadurch wären die sanften Riesen dauerhaft vor der Jagd geschützt. Dieser Weltpark soll schrittweise erreicht werden: Nachdem die IWC bereits den Indischen Ozean und die Gewässer der Antarktis zu Schutzgebieten erklärt hat, sollte als nächstes der Südpazifik und der Südatlantik folgen.

 

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