Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Regierungsfraktionen fordern den Schutz der Tiefsee

Die Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD haben am Dienstag einen sehr fortschrittlichen gemeinsamen Antrag zum Schutz der Tiefsee beschlossen. Darin fordern sie die Bundesregierung auf, sich in internationalen Verhandlungen für den nachhaltigen Umgang mit den Meeren einzusetzen. Der Antrag soll am Donnerstag im Bundestag verabschiedet werden.

  • /

Endlich erkennen CDU/CSU und SPD an, wie wichtig der Schutz der Tiefsee ist. Und sie zielen auch auf die wesentlichen Probleme, wenn sie fordern, zerstörerische Fischfangmethoden zu verbieten und Schutzgebiete einzurichten, kommentiert Greenpeace-Meeresexpertin Iris Menn den Antrag.

Die Tiefsee ist der größte Lebensraum der Erde. Sie ist weniger erforscht als der Mond und wird doch schon zerstört. Auf der Jagd nach Granatbarschen und anderen am Meeresboden lebenden Fischen durchpflügt eine Flotte von Grundschleppnetzfischern die See. Jährlich zerstören sie eine Fläche von rund 1.500 Quadratkilometern - das sind zehn Fußballfelder alle vier Sekunden. Damit geht einer der vielfältigsten, ursprünglichsten und empfindlichsten Lebensräume unseres Planeten verloren.

Die Hohe See ist der Meeresbereich jenseits der 200 Seemeilen vor den Küsten und außerhalb der Wirtschaftszonen der Länder. Sie ist Allgemeingut. Der Fischfang ist hier oft nicht geregelt und wenn, dann werden Verstöße nicht verfolgt. Ein Teil der Hohen See untersteht der Verantwortung sogenannter Regionaler Fischereimanagement- Organisationen. Sie haben es jedoch bislang nicht geschafft, die Fischbestände unter ihrer Kontrolle nachhaltig zu regeln.

In den nächsten Wochen wird es auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen wieder um den Schutz der Tiefsee gehen. Auch deshalb fordert Iris Menn die Bundesregierung auf, nach dem Beschluss im Bundestag nun mit Nachdruck zu handeln und andere Länder zu überzeugen. Spanien und Kanada zum Beispiel wehren sich massiv gegen ein Sofortverbot der Grundschleppnetzfischerei auf der Hohen See. Sie müssen jetzt ein klares Zeichen von deutscher Seite bekommen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

High Stakes

The environmental and social impacts of destructive fishing on the high seas of the Indian Ocean

Mehr zum Thema

Über die Verhältnisse

Deutschland hat seine Ressourcen für dieses Jahr verbraucht. Für alles, was ab jetzt konsumiert wird, zahlen kommende Generationen und andere Länder die Zeche. 

Arktis verwundbar wie nie

Das Eis am Nordpol geht zurück. Industrie und Schifffahrt drängen nach. Doch damit steigt das Risiko für eine weitere Ölpest.

Katastrophe mit Ansage

Die größte Ölkatastrophe in der Geschichte Israels ist auch ein Versagen der Politik. Satellitenbilder vom Mittelmeer zeigen, dass die Gefahr rechtzeitig zu erkennen gewesen wäre.