Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Reaktionen auf die Greenpeace-Aktion im Sylter Außenriff

Mit der Steine-Aktion zum Schutz des Sylter Außenriffs hat Greenpeace offenbar ins Schwarze getroffen. Drei Tage später zieht die Aktion immer noch positive wie kritische Reaktionen nach sich. Wir baten unsere Meeresbiologin Iris Menn um ein Update.

  • /

Online-Redaktion: Iris, die Wogen schlagen hoch. Welche Reaktionen sind bis heute auf die Greenpeace-Aktivität vom Dienstag eingegangen?

Iris Menn: Wie so oft bei unseren Aktionen gibt es positive und negative Reaktionen. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie hat unsere Aktion als illegal bezeichnet und von einer Ordnungswidrigkeit mit 50.000 Euro Strafe gesprochen.

Wissenschaftler aus England und Dänemark haben uns positive Rückmeldung gegeben - vor allem auch mit der Hoffnung verbunden, dass diese Aktion endlich die Politik zum Handeln zwingt. Und auch erste Reaktionen aus der Politik gab es bereits: Unsere Kollegen in Holland wurden von der Fischereiministerin angerufen, um über Schutzgebiete zu sprechen.

Online-Reaktion: Es taucht aber auch die Frage auf, ob Greenpeace mit dieser Aktion nicht selber das Gebiet und die Lebewesen schädigt ...

Iris Menn: Nein, das tun wir sicher nicht. Wir versenken Natursteine in einem Gebiet, in dem solche bereits liegen. Und wir versenken sie nicht auf den schon vorhandenen, um das Riff nicht zu schädigen. Um das zu vermeiden, haben wir eine Unterwasserkamera an Bord. Die zusätzlichen Steine werden das jetzige Riff höchstens vergrößern und nicht schädigen.

Ähnliches bestätigte auch das Bundesamt für Naturschutz von der Insel Vilm in einer Meldung der dpa [Deutschen Presseagentur]. BfN-Chef Henning von Nordheim sagte: Nach unseren ersten Einschätzungen dürfte durch die Stein-Platzierungen ein vernachlässigbarer Schaden entstanden sein. Insbesondere bei den schon dort existierenden Riffen. Die Steine stellen wahrscheinlich nur eine flächenhafte Vergrößerung der bereits existierenden Riffe dar, die mittel- und langfristig von Lebensformen besiedelt werden, die in dem Bereich ohnehin vorkommen. Die Aktion selber lehnt das Bundesamt allerdings ab.

Und nicht unerheblich zu wissen ist, dass die Bundesregierung selber das Versenken von Natursteinen als mögliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme für die Schädigung der Meeresumwelt durch Sand- und Kiesabbau benennt. So zu lesen in einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Bündis 90/Die Grünen-Fraktion zu Sand- und Kiesabbau Anfang 2008.

Online-Reaktion: Und wie reagiert die Bevölkerung?

Iris Menn: Überwiegend positiv. Unsere Ehrenamtlichen auf den Straßen haben viele positive Rückmeldungen bekommen. Wir haben einige Spenden nur wegen dieser Aktivität bekommen. Andererseits wurden unsere Bootstrailer zerstört und einer unserer Aktivisten bedroht. Aber, wenn man den Finger in eine Wunde legt, sind die Reaktionen oft heftig.

Online-Redaktion: Eben kommt die Meldung herein, dass der Fischereiverband eine Presseerklärung herausgegeben hat. Er wirft uns erneut vor, die versenkten Steine würden das Leben der Fischer gefährden und es hätte keine Warnung gegeben.

Iris Menn: Das ist einfach falsch! Wir haben zeitgleich mit Beginn unserer Aktivität die relevanten Wasserschutzpolizei-Direktionen sowie Fischereiverbände und -genossenschaften über das Versenken von Steinen per Fax informiert. Die Bestätigungen der gesendeten Faxe liegen uns vor, die kann sich der Fischereiverband gerne ansehen.

In der Nachricht wurden die Koordinaten des Gebietes angegeben, in dem wir die Steine versenkt haben und explizit vor Fischerei dort gewarnt.

Zusätzlich haben wir mit dem ersten Stein mehrfach einen Security-Ruf per Funk gesendet. Einer der Fischer, der in diesem Gebiet unterwegs war, hat auch direkt reagiert und uns angefunkt. Wir haben erklärt, was wir tun und warum. Er hat sich daraufhin bereit erklärt, außerhalb des Gebietes zu fischen. Und am Nachmittag kam eine Meldung vom Seewarndienst über NAVTEX heraus, in der ebenfalls das Gebiet angegeben wurde - diese Nachricht erhält jedes Schiff.

Online-Redaktion: Danke für das Update, Iris.

Auf unserer Seite www.greenpeace.de/schutzgebiete haben wir zum Thema Schutzgebiete und Grundschleppnetzfischerei eine Flash-Animation für Sie eingestellt.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Weit weg, nah am Herzen

Mehr als 380.000 Menschen unterstützen die Greenpeace-Forderung nach einem Schutzgebiet im Südpolarmeer. Ihre Unterschriften haben Antarktisschützer heute in Berlin übergeben.

Schleichendes Gift

Wenn Verbote zu spät kommen: Große Teile der weltweiten Orca-Bestände stehen vor dem Aussterben. Schuld ist ein Schadstoff, der seit fast 15 Jahren auf der Schwarzen Liste steht.

Zurück – oder in die Zukunft

Die Internationale Walfangkommission steht vor einem Paradigmenwechsel: Will sie weiter nur den kommerziellen Walfang regulieren – oder aktiv zum Schutz der Wale beitragen?