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Portraits Team50Plus

Portraits der Team50Plus-Mitglieder im Turtle Witness Camp

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Von A wie AKW bis B wie Bastardschildkröte

Ich bin auch heute immer noch im Wendland dabei, wenn die Castoren rollen, sagt Ruth Piotrowski. Zu Greenpeace fand die 70-jährige 1997. Auf eine Zeitungsannonce hin, kam sie zum Gründungstag des Dortmunder Team50plus, der älteren Generation bei Greenpeace: Ich suchte etwas, das mir für den Rest meines Lebens wichtig sein würde - eine Sache, bei der ich Leute treffe, die auf meiner Linie liegen. Diese Sache fand sie gemeinsam mit etwa 20 Altersgenossen in ihrer Heimatstadt Dortmund.

Es machten gleich von Anfang an eine ganze Reihe erfahrener alter Hasen und Häsinnen mit, erzählt die wache Großmutter eines Enkels. Besonders an die erste große Aktion, eine vom Dortmunder Team50plus organisierte und betreute Wanderausstellung zum Thema Öl, erinnert sie sich gerne. Nach fast einem halben Jahr Vorbereitung tourten wir 1998 zwei Monate lang mit dieser Ausstellung durch Dortmund und besuchten auch viele Schulen. Die sehr anschaulich aufbereiteten Informationen stießen nicht nur bei den Kindern auf starkes Interesse - auch das Echo in der Presse war entsprechend groß. Der Erfolg wirkte: Am Ende dieser Aktion waren wir ein eingeschweißtes Team, erklärt sie rückblickend.

Auf die Frage nach dem Ort ihrer Kindheit gerät Ruth fast ein wenig ins Schwärmen, obwohl, oder vielleicht eher gerade weil sie 1935 in mehr als einfache Verhältnisse hinein geboren wurde. Ich wuchs überwiegend auf dem Bauernhof meiner Großeltern in der Nähe von Königsberg in Ostpreußen auf. Wir waren arm: Lediglich ein Pferd, zwei Kühe und ein paar Acker Land gehörten uns. Trotzdem hatte das Leben ein ruhiges Gleichmaß und die Natur war noch fast unangetastet, verrät sie.

Anfang März 2006 reist die energische Rentnerin über 7.000 Kilometer um die Welt, um für den Erhalt eines wichtigen Ökosystems zu kämpfen. Ich werde zusammen mit vier weiteren Mitgliedern des Team50Plus in Indien Schildkröten schützen, erklärt Ruth stolz. Die Nistplätze der oliven Bastardschildkröte sind stark durch menschliche Aktivitäten wie Verschmutzung der Meere und Fischerei bedroht. Mit Nachdruck beschreibt die 70-jährige ihre Mission: Wir fordern die Wahrung des bereits bestehenden Schutzgebietes und wollen den Ausbau des Hafens verhindern, da die Verschmutzung des Meeres noch stärkere Ausmaße an nehmen würde! Neben ihrem Engagement für eine bessere Welt treibt sie noch etwas Anderes. Ich liebe die indische Küche, fügt sie mit einem Schmunzeln hinzu.

Technisch versierter Globetrotter

2006: Karl Schröder; seit zehn Jahren ehrenamtlich aktiv in der Greenpeace-Gruppe Hamburg

Ich bin ein Technikfan und Naturfreund. So erklärt Karl Schröder, wie er zu seinem Hobby, dem Segelfliegen, kam. Ein Plus dieses Sports: die Umweltfreundlichkeit. Der 68-jährige Hamburger ist ein rationaler Mensch, aber bei der Beschreibung seines Hobbys gerät er schnell ins Schwärmen: Ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man über den Wolken schwebt und alles vergessen kann!

Bereits während seines Berufslebens als Projekt-Ingenieur war Schröder Förderer von Greenpeace. Nach dem Arbeitsleben war es daher nur noch ein kleiner Schritt in das Hamburger Team50Plus, der älteren Generation bei Greenpeace. Ich habe mein Leben lang mit ansehen müssen, wie der Wohlstand seine Opfer fordert! Vor zehn Jahren habe ich mich deswegen entschlossen, aktiv etwas gegen Umweltzerstörung zu tun!, kommentiert er seinen Beitritt in die Hamburger Greenpeace-Gruppe nachdenklich.

Seit Schröders Ruhestand bereist er zusammen mit seiner Frau die Welt. Dabei ist all-inclusive Urlaub nicht gewünscht. Ich organisiere meist Trekkingreisen. Zusammen mit meiner Frau mache ich tage- oder wochenlange Wanderungen - bis zu acht Stunden täglich mit 15 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken. Laut Schröder die beste Art, um Land und Leute kennenzulernen. Diese großartigen Naturerlebnisse nimmt der Hamburger mit nach Deutschland. Das treibt mich an, um für den Umweltschutz tätig zu sein. Schließlich müssen wir unseren blauen Planeten unbedingt für die folgenden Generationen erhalten! Auf eine Erfahrung ist Schröder besonders stolz. Er hat als 63-jähriger den höchsten Berg Afrikas, den knapp 6.000 Meter hohen Kilimandscharo, bestiegen. Das war eines der größten und anstrengsten Erlebnisse, die ich je gemacht habe.

Jetzt steht eine neue Herausforderung an. Der Rentner fliegt mit vier weiteren Mitgliedern des Team50Plus nach Indien, um Meeresschildkröten zu schützen. Als die Anfrage kam, war ich sofort Feuer und Flamme, erzählt Schröder. Nach zehn Jahren Aktiv sein ist das ein echtes Highlight, fügt er hinzu. Die Nistplätze der oliven Bastardschildkröte sind stark durch menschliche Aktivitäten wie Verschmutzung der Meere und Fischerei bedroht. Jetzt sind diese einzigartigen Tiere noch stärker gefährdet, da der lokale Hafen ausgebaut werden soll, beschreibt er den Grund für seine Reise. Die anstrengenden klimatischen Bedingungen wie hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit schrecken ihn nicht. Schließlich ist Schröder, was das Reisen betrifft, ein alter Hase.

Volle Fahrt voraus

Wasser ist mein Element, erklärt die 67-jährige Gertraude Hassel schwärmerisch. Die lebenslustige Wahl-Heidelbergerin hat sich deswegen nach ihrem Berufsleben als Abteilungsleiterin in der Textilbranche einen Lebenstraum erfüllt und alle Bootsführerscheine gemacht, die es zu machen gab, erzählt sie schmunzelnd. Bei ihrem Hobby schätzt sie am meisten, dass es nur einen gibt, der das Kommando hat - der Skipper. Die gebürtige Berlinerin erklärt: In vielen Lebensbereichen geht es nur so, einer hat den Hut auf und sagt, wo es lang geht! So ergibt sich eine gerade Linie.

Mit ihrer anpackenden Art kam Hassel auch ohne Umschweife zu ihrer Arbeit als Finanzkoordinatorin der Greenpeace-Gruppe Rhein-Neckar. Da ich in meinem Beruf auch mit Finanzen zu tun hatte, habe ich diese in unserer Gruppe unbeliebte Aufgabe gerne übernommen, sagt die tatkräftige Rentnerin. Bei Greenpeace gefällt ihr an erster Stelle die Professioalität, mit der Umweltschutz betrieben wird und die damit verbundenen, entlohnenden Erfolgserlebnisse: Es macht Spaß, wenn man etwas erreicht - das motiviert, mich bei Greenpeace immer stärker einzubringen!

Während des zweiten Weltkrieges floh die damals Fünfjährige mit ihrer Familie von Berlin nach Tschechien. Doch auch dort ergab sich keine langfristige Bleibe für die Hassels. Nach Kriegsende wurden wir vertrieben und sind mehrere Monate zu Fuß nach Oldenburg gelaufen, um dort bei Freunden zu leben, erzählt die charismatische Frau nachdenklich. Im Emsland verlebte Hassel sechs Jahre lang eine schöne, aber auch entbehrungsreiche Kindheit. Mein Schulweg war zu Fuß über eine Stunde lang. Die Winter waren sehr hart, und wir hatten kaum warme Kleidung, geschweige denn adäquates Schuhwerk, beschreibt sie rückblickend. Das war ein sehr einfaches Leben!

Diese prägende Erfahrung wird die 67-jährige nun gut gebrauchen können. Für drei Wochen wird sie in einem Camp an der indischen Ostküste unter einfachsten Bedingungen leben, um Meeresschildkröten zu schützen. Zusammen mit vier weiteren Mitgliedern des Team50Plus werde ich dort gegen den Ausbau des lokalen Hafens demonstrieren, beschreibt Hassel ihre Aufgabe. Denn durch eine Hafenerweiterung wären die Nistplätze der oliven Bastardschildkröte noch stärker gefährdet. Der wasserliebenden Hassel liegen die Meeresbewohner natürlich besonders am Herzen.

Nur wer sich ändert, bleibt sich treu

Hart im Nehmen und zögerlich im Austeilen, so beschreibt sich Hans Schenk, 51 Jahre alt und Wahl-Hamburger. Diese Eigenschaften kommen ihm als frischgebackenem Pressesprecher der Hamburger Greenpeace-Gruppe sicherlich zu Gute. Zu diesem Ehrenamt kam der gebürtige Schwabe gewissermaßen beim Einkaufen. Ich wurde in der Innenstadt angesprochen, ob ich Fördermitglied werden will. Und da ich Greenpeace schon sehr lange kenne und schätze, wollte ich nicht nur mein Geld, sondern auch etwas von meiner Zeit geben. Seit einem halben Jahr ist der besonnen wirkende Mann nun aktives Mitglied und bewundert vor allem den engagierten Einsatz seiner Mitstreiter. Da ist Zug dahinter! Trotz des strukturierten Aufbaus ist die Arbeit nicht verkniffen, sondern macht Spaß und ist sehr vielfältig!

Schenks Werdegang ist ähnlich abwechslungsreich: beginnend mit einer Lehre als Elektromechaniker, holte er nach erfolgreichem Abschluss sein Abitur nach, um Deutsch- und Geschichte auf Lehramt zu studieren. Da es zu dieser Zeit kaum Anstellungen für Lehrer gab, machte er spontan eine Umschulung zum Programmierer - und arbeitete dann auch 15 Jahre in diesem Bereich. Und dennoch: Ich habe in meinem Leben Alles und Nichts gemacht, vieles ausprobiert und bin nirgendwo stecken geblieben, erzählt der 51jährige und fügt lachend hinzu: Ich bin der ideale Dilettant, immer Anfänger! Während seines Studiums hat das Multitalent noch drei Jahre bei einer lokalen Tageszeitung in Reutlingen als freier Journalist gearbeitet.

Diese Erfahrung wird ihm auch bei seiner nächsten Aufgabe nützlich sein. Denn Hans Schenk fliegt im März mit vier weiteren Mitgliedern des Team50Plus, der älteren Generation bei Greenpeace, nach Indien, um dort Meeresschildkröten zu schützen. Die Weibchen der oliven Bastardschildkröte kommen dort einmal im Jahr zu hunderttausenden an die indische Ostküste, um ihre Eier zu legen. Doch durch menschliche Aktivitäten wie Meeresverschmutzung und Fischerei ist dieses Ökosystem stark bedroht. Ich werde Erfahrungsberichte für ein Internettagebuch schreiben, um so die Menschen in Deutschland über die bedrohten Nistplätze der Schildkröten zu informieren, beschreibt er seinen Auftrag. Heute muss man international handeln, um die internationalen Umweltprobleme in den Griff zu bekommen, fasst Hans die Maxime von Greenpeace zusammen. Als Teilnehmer des Camps hat ihn besonders gereizt in einer internationalen Gruppe zu arbeiten. Ich will raus gucken über meinen Tellerrand und einen Blick auf die Welt aus einer anderen Perspektive erhalten, fügt er hinzu.

Über den Jakobsweg zu Mahatma Gandi

Angefangen hat es mit einer Fördermitgliedschaft. Fast zehn Jahre habe ich Greenpeace finanziell unterstützt, sagt Gerda Büttner. Die 68-jährige Münchnerin ist ein sportlicher Typ, das erkennt man auch an ihrem Trekkingrucksack, mit dem sie heute unterwegs ist. Dieser saß schon auf dem bayerischen Jakobsweg auf ihren Schultern. Die Motivation für diesen 180 Kilometer langen Marsch war nicht nur religiöser Natur: Nachdem meine Mutter, die ich neun Jahre lang gepflegt hatte, gestorben war, fiel ich in ein Loch und wollte etwas Außergewöhnliches für mich machen, erzählt die nachdenklich und besonnen wirkende Großmutter einer Enkelin leise.

Während der zehntägigen Wanderung wurde Gerda Büttner zu noch mehr Tatendrang inspiriert. Und zufällig fiel der Blick der Umwelt bewussten Frau auf eine Anzeige in den Greenpeace-Nachrichten, der Zeitschrift für Fördermitglieder. Dort habe ich eine Annonce gelesen, dass Ehrenamtliche gesucht werden und mich spontan darauf gemeldet. Seit einem Jahr ist Büttner nun Sprecherin des Münchener Team 50Plus, der älteren Generation bei Greenpeace. Sie nennt vor allem Wiedergutmachung als Motivation für ihr Engagement. Meiner Generation wird oft nachgesagt, dass sie so viel kaputt gemacht hat. Gemeinsam mit Greenpeace kann ich nun versuchen, dass nicht noch mehr Ressourcen aufgebraucht werden, erklärt sie. Doch das ist nicht der einzige Grund: Greenpeace liegt so ganz auf meiner Linie: meine Ideen kann ich hier verwirklichen!

Drei Wochen lang wird Gerda Büttner jetzt zusammen mit vier anderen Mitgliedern des Team50Plus an der indischen Ostküste Meeresschildkröten schützen. Ihre Motivation beschreibt Büttner folgendermaßen: Ich möchte mit den Einheimischen zusammen erkunden, welchen Schatz sie vor der Nase haben und wie wichtig es ist, dieses Ökosystem zu erhalten. Die Nistplätze der oliven Bastardschildkröte sind stark durch menschliche Aktivitäten wie Verschmutzung der Meere und Fischerei bedroht. Falls der lokale Hafen noch weiter ausgebaut wird, ist das Fortbestehen dieser Schildkrötenart stark gefährdet. Die verschwinden dann einfach von der Bildfläche, sagt Büttner empört. Ein weiterer Anreiz für die Indienreise ist, auf den Spuren Mahatma Gandhis zu wandeln. Einfach beeindruckend, wie dieser Mann so viel mit gewaltlosem Widerstand erreichen konnte. Ihr Trekkingrucksack wird in Indien wieder mit von der Partie sein.

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