Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Illegale Fischfangflotte im Rostocker Hafen entdeckt!

Piratenfischer gebrandmarkt

Eigentlich sollte es ein Schlauchboot-Training auf der Ostsee werden. Doch es kam anders. Im Rostocker Hafen lagen fünf Fischtrawler, die sich in den letzten Jahren als Piratenfischer einen Namen gemacht haben. Konnten wir das einfach ignorieren? Nein, kurzerhand wird das Training zur realen Aktion umfunktioniert. Bei zwei Grad minus geht es in den Rostocker Fischereihafen anstatt auf die Ostsee.

  • /

Dort liegen die fünf 60 Meter langen Fisch-Trawler Oyra, Ostroe, Okhotino, Olchan und Ostrovets. Sie werden von internationalen atlantischen Fischereiorganisationen offiziell als Schiffe eingestuft, die illegale, unregulierte und undokumentierte Fischerei betreiben. Damit sind sie ganz offiziell Piratenfischer.

Auch die Europäische Union listet diese Schiffe als Piratenfischer. Denn schon seit Jahren halten sich die Trawler nicht an internationale Fischereiabkommen und zerstören mit ihrer unregulierten Fischerei die Fischbestände und die Unterwasserwelt im Atlantik.

Bei klirrender Kälte werden die Fischtrawler mit illegal gekennzeichnet. Ebenfalls auf die Schiffswand kommt die Forderung Stoppt Piratenfischerei. Das gleiche nochmal auf Englisch und alles unterschrieben mit Greenpeace. Die Mannschaft schaut dem Treiben eher verwirrt als verärgert zu. Sie scheinen ratlos und machen erstmal nichts.

Unsere Forderung wird auch an die Bundesregierung rausgeschickt. Sie muss die Piratenfischer festlegen, denn im Hafen von Rostock werden die Trawler für die nächste Fischfang-Saison fit gemacht. Doch das ist illegal. Laut EU-Verordnungen dürfen Piratenfischer nicht in Häfen mit Vorräten, Treibstoff oder anderen Dienstleistungen versorgt werden.

Dass Piratenfischer auch verfolgt und bestraft werden können, beweist die norwegische Regierung. Im vergangenen Monat legte die norwegische Küstenwache zwei spanische Grundschleppnetz-Trawler wegen illegaler Fischerei an die Kette. Die Trawler hatten zuvor geschützte Tiefseefische gefangen und damit gegen gültige Fischereiabkommen verstoßen.

Deutsche Behörden sind auf beiden Augen blind, wenn es um den Schutz der Meere geht, sagt Iris Menn, Meeresexpertin bei Greenpeace. Piratenfischer auszurüsten und zu unterstützen, ist ein glatter Rechtsbruch. Deutschland muss die Piraten dingfest machen. Dafür zuständig ist das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Hamburg und das Fischereiministerium in Bonn. Hier vor Ort ist die Rostocker Hafenbehörde verantwortlich.

Der für die Fischtrawler zuständige Chaterer Piro-Fisch war trotz mehrfacher Versuche zu keiner offiziellen Stellungnahme bereit. Das Büro von Piro-Fisch liegt in Blickweite der Piratenflotte. Bei einem Besuch im Büro war der Geschäftsführer plötzlich wie vom Erdboden verschwunden.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Bedrohte Tiefsee

Der Wettlauf um die Ressourcen auf dem Meeresboden hat begonnen. Grund ist der große Hunger der Hightech-Industrie nach Kobalt, das sich in den Manganknollen in tausenden Metern Tiefe befindet. So wird der Tiefseebergbau eine der schwerwiegendsten neuen Bedrohung für unsere Ozeane, noch bevor wir ihre sensiblen Ökosysteme und ihre Prozesse überhaupt verstanden haben.

Haie unter Attacke

Obwohl sie sich „Schwertfischfischerei“ nennt, wird dabei im Nordatlantik hauptsächlich eins gefangen: Haie. Entweder absichtlich, oder als Beifang, zeigt dieser Greenpeace-Report.2017 zum Beispiel kam auf 1 Kilo Schwertfisch 4 Kilo Hai.

Mehr zum Thema

Schatzkammer Tiefsee

Der Hunger der Hightech-Industrie treibt den Wettlauf um die Rohstoffe auf dem Meeresboden voran. So wird der Tiefseebergbau zu einer massiven Bedrohung für unsere Ozeane.

In Bewegung für die Meere

An alle Wassersportler: Mitmachen und Strecke spenden! Bis 2030 müssen mindestens 30 Prozent der Ozeane geschützt werden und Sie können dabei helfen!

Javier Bardem für Meeresschutz

Das Leben in den Weltmeeren ist bedroht. Deswegen appelliert Schauspieler Javier Bardem gemeinsam mit Greenpeace an die Delegierten der UN, sich für die Ozeane stark zu machen.