Jährlich Milliarden Euro Verlust für die ärmsten der Welt

Piratenfischer: Beutezüge außer Kontrolle

Kein Name, keine Flagge, keine Erkennungszeichen: Piratenfischer. Sie haben es auf die wertvollen Arten abgesehen: z.B. Thunfische, Tintenfische, Garnelen, Zackenbarsche und Seezungen. Alles, was unerwünscht ist - der so genannte Beifang - wie Haie und Schildkröten wird tot über Bord geworfen.
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Die Piratenfischer verkaufen ihren Fang weltweit über Briefkasten- und Scheinfirmen. So werden die wahren Besitzverhältnisse verschleiert. Ihre Schiffe haben oft keine Namen - sogar die Erkennungszeichen auf den Rettungsinseln werden überdeckt. Dabei sitzen die eigentlichen Eigentümer der Piratenflotten nicht selten in den Ländern der EU, den USA oder in Japan.

Das Problem

Immer mehr Fischereifirmen lassen ihre Fangschiffe unter einer so genannten Billigflagge registrieren, die dann illegale, unregulierte und undokumentierte (IUU)-Fischerei betreiben - der Fachausdruck für Piratenfischerei.

Internationale Fischereiabkommen umgehen die Fischereifirmen, in dem sie ihre Schiffe in einem Land registrieren, das sich keiner dieser Abkommen verpflichtet hat oder sie fahren ohne Flagge, Nationalitäten-Kennzeichen und Namenszug am Schiff. Falls sie eine Quote besitzen, wird diese oft um ein Vielfaches überzogen.

Die UN-Welternährungsorganisation (FAO) schätzt, dass die illegalen Fischer über 30 Prozent der gesamten Fangmenge abschöpfen und so zusätzlich die bereits überfischten Bestände belasten. Weltweit erwirtschaften Piratenfischer jährlich zwischen drei und sieben Milliarden Euro. Allein in Guinea, eines der ärmsten Länder der Welt, erbeuten IUU-Fischer mehr als 100 Millionen Euro - die einheimischen Fischer gehen leer aus.

Doch diese oft Ärmsten der Armen können sich nicht gegen diesen Raub und die Verwüstung ihrer Meeresgebiete wehren. Denn dort, wo Kontrollen die Ausnahme sind, wildern die Piratenfischer am liebsten: in entlegenen Gebieten wie dem Südpolarmeer oder Pazifik, auf hoher See und eben in Küstenbereichen von Ländern, die nicht in der Lage sind Kontrollen zu finanzieren, so auch viele westafrikanischen Länder.

Billigflaggen

In Filmen hissen Piraten stolz die schwarze Flagge mit dem Totenkopf. In der Realität verstecken sie ihre Identität oder segeln unter der Flagge von Ländern, die keine Fragen hinsichtlich Art und Ausmaß ihrer Fänge stellen. Diese so genannten Billigflaggenländer, sind keinen internationalen Abkommen beigetreten oder setzen diese nicht durch.

Die Registrierung von Fangschiffen in solchen Ländern ist einfach. Es braucht nur einen Mausklick, knapp 500 US-Dollar Kapital, etwa 24 Stunden Wartezeit und schon ist man im Besitz einer Billigflagge. Zu diesen Ländern zählen Malta, Panama, Belize, Honduras, St. Vincent oder die Grenadinen.

Nach Schätzungen gab es 2005 mindestens 1.200 Schiffe, die unter einer Billigflagge registriert und damit in IUU-Fischerei verwickelt waren. Oft machen sich Schiffseigner auch gar nicht die Mühe einer Billigflaggen-Registrierung und lassen ohne Flagge, Nationalitäten-Kennzeichen und Namenszug am Schiff die Meere plündern.

Mangelnde Kontrollen

Die meisten Regierungen weltweit ergreifen kaum Maßnahmen, um die Aktivitäten der Piraten zu unterbinden, geschweige denn zu überprüfen, was in ihren eigenen Häfen angelandet wird. Die Beute wird oft gleich auf See an Kühlschiffe übergeben und dabei absichtlich illegaler mit legalem Fang vermischt, der dann in Häfen wie Las Palmas und Suva/Fidschi verkauft wird.

Da es dort kaum Kontrollen gibt, nutzen Piratenflotten diese Häfen für ihre illegalen Aktivitäten. Die Länder, die am schwersten von diesen groß angelegten Raubzügen betroffen sind, haben kaum Mittel, die Gesetze in ihren Hoheitsgewässern durchzusetzen. Meistens sind sie nicht einmal in der Lage, die wenigen existierenden Polizeiboote zu unterhalten.

Die korrupten Schiffseigner agieren weltweit in rund 80 Ländern - unter anderem in der EU, Taiwan, Panama, Belize und Honduras. Die Durchsetzung internationaler Bestimmungen könnte diesen illegalen Handel beenden und damit den Küstengemeinden Nahrung und Einkommen zurückgeben. Doch es wird viel zu wenig getan.

Die langjährigen Forderungen von Umweltschützern und Menschenrechtsgruppen nach Maßnahmen gegen die Piratenfischerei stoßen auf taube Ohren. In den vergangenen Jahren wurden zwar zahlreiche internationale Abkommen und Pläne zu Maßnahmen gegen Piratenfischer beschlossen, die Umsetzung von Kontrollen erfolgt jedoch - selbst in der EU - nur mangelhaft. So sind illegalen Aktivitäten nicht zurückgegangen, sondern haben sogar noch zugenommen.

Die EU in der Pflicht

Neben den Billigflaggenstaaten tragen auch die Regierungen der großen Fischfangnationen Japan, USA und der EU Verantwortung für wirksame Maßnahmen gegen Piratenfischerei. Bisher ist es nicht gelungen, das Ausflaggen von Fangschiffen zu unterbinden. Zudem erhalten die Piratenfischer direkte Unterstützung in europäischen Häfen. Im Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria können sich die Piraten mit allem, was sie benötigen, ausrüsten und ihre Beute anliefern.

Letztlich werden die gewilderten Fische in Japan, den USA und in Europa verkauft. Zwar gibt es auf dem Papier von der FAO seit Juni 2001 einen globalen Aktionsplan gegen die illegale Fischerei, aber die Teilnahme am Aktionsplan ist freiwillig. Daher ist es notwendig, dass alle beteiligten Staaten den globalen Plan in nationales Recht umsetzen. Gerade die Europäische Union mit einer der weltweit größten Fischfangflotten muss hier unbedingt aktiv werden.

Verheerende Folgen

Opfer dieser rücksichtslosen Fischereipraxis sind wieder einmal die armen Länder, deren Familien vom Fischfang leben. Doch es geht nicht nur um Diebstahl: Da Piratenfischer Schutzbestimmungen umgehen und Kontrollen entfliehen, können sie noch immer Fangmethoden verwenden, die alles Leben im Meer vernichten.

So wird Jahrhunderte lang funktionierende, nachhaltige Küstenfischerei zerstört. Ein konkretes Beispiel sind die Thunfischbestände vor Tansania, Somalia, Papua Neuguinea und Tuvalu, die alljährlich mit riesigen Netzen stark dezimiert werden. Dabei fangen die Piratenfischer auch viele Jungfische, die für Fortpflanzung und Weiterentwicklung des Bestandes erforderlich sind.

Neben Thunfisch stellen Shrimps einen weiteren lukrativen Fang dar. Die zum Fang verwendeten feinmaschigen Netze lassen, über den Meeresgrund gezogen, nur eine zerstörte Meeresumwelt zurück. Eine Dokumentation über den Shrimpsfang zeigt Fischer, die wenige, kleine Kisten mit den kleinen Krebstieren füllen und Tonnen unerwünschter Fische und anderer Meerestiere zurück ins Meer werfen.

Schrimpsfang stellt mit knappen vier Prozent nur einen geringen Anteil der weltweiten, gesamten Fangmenge dar. Dennoch ist er verantwortlich für fast 30 Prozent des gesamten Beifangs.

Die Umweltschäden durch zerstörerische Fischereimethoden werden durch Piratenfischer noch verstärkt. Weltweit töten legale ebenso wie illegale Fischereiflotten unzählige Meerestiere als Beifang. Viele industrielle Fischer benutzen so genannte Langleinen - über 100 Kilometer lang, bestückt mit tausenden von Haken, die hinter dem Schiff hergezogen werden. Alles, was den Köder als Nahrung ansieht, wird gefangen: andere Fischarten, Schildkröten und Haie.

Auch für Albatrosse ist diese Fangmethode tödlich, denn sie tauchen nach dem Köder, und ertrinken, da sie sich nicht mehr vom Haken befreien können. Jährlich sterben so etwa 40.000 Schildkröten und hunderttausende Seevögel. Viele dieser Arten werden nur durch diese skrupellose Praktik an den Rand der Ausrottung gedrängt.

Jagd auf Piraten

Greenpeace ist seit vielen Jahren unterwegs, um Piratenfischer aufzuspüren. So waren im Jahr 2000 die Schiffe der Umweltschutzorganisation im Südpolarmeer auf der Jagd nach Langleinen-Piratenfischern. 2001 verfolgten Aktivisten Piratenfischer vor der westafrikanischen Küste und blockierten die Umladung des Fangs in Kühlschiffe.

2004 war Greenpeace im Pazifik gegen Thunfischpiraten unterwegs, 2005 brachte die Besatzung des Greenpeace-Schiffes Esperanza illegale Tiefseefischer im Nordwestatlantik und in der Barentsee auf. Im Dezember 2005 machte Greenpeace auf eine Piratenfischer-Flotte im Ostseehafen Rostock aufmerksam, die wegen IUU-Fischerei bereits aus den Registern Belizes und Domenicas gelöscht worden war. Greenpeace hat inzwischen etliche Fallstudien über Schiffe veröffentlicht, die als Piratenfischer weltweit agieren.

Es ist möglich, die IUU-Fischerei zu stoppen. So haben Regierungen die Möglichkeit, Billigflaggen zu verbieten und Fangschiffen die Einfahrt in den Hafen zu verweigern. Es ist eine Frage des politischen Willens, die Meeresbewohner und ihren Lebensraum zu schützen und damit auch die Lebensgrundlage davon abhängiger, meist armer Länder zu retten.

Greenpeace fordert:

  • Alle EU-Häfen (wie z.B. Las Palmas) müssen für Fischerei-Schiffe unter Billigflaggen geschlossen werden, um das Entladen gewilderter Beute zu verhindern. Die EU muss ihren Markt für illegale Fänge schließen.
  • Supermärkte, Fischmärkte und Fischhändler müssen belegen, dass ihre Ware nicht aus illegalem Fang stammt. Das erfordert eine lückenlose Dokumentation der Lieferkette.
  • Das Leerfischen der Meere muss gestoppt werden. Zerstörerische Fischereimethoden, wie die Grundschleppnetzfischerei auf Hoher See muss verboten werden. Die Bewirtschaftung muss stets nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit erfolgen.
  • Faire Fischereiabkommen zwischen armen und reichen Ländern: Die Ausbeutung muss ein Ende haben.

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