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Ostsee-Dorsch vor dem Aus?

In den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts war der Kabeljau eine der weltweit verbreitesten Fischarten mit gesunden Populationen. Heute ist sein Bestand fast überall in Gefahr.

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Der Kabeljau, im Ostseeraum Dorsch genannt, ist seit Jahrhunderten ein beliebter Speisefisch. Als getrockneter Stockfisch (bacalao) nährte er bereits im 14. Jahrhundert portugiesische und spanische Seefahrer auf ihren Entdeckungstouren in die neue Welt. Er diente Soldaten auf ihren Feldzügen als wertvolles Nahrungsmittel und war sogar Auslöser für bewaffnete Auseinandersetzungen um Fangrechte.

Doch nach den Goldenen Jahren in den 80ern steht es heute schlecht um seine Zukunft: Bereits 1992 brachen die Kabeljaubestände aufgrund radikaler Überfischung vor der Ostküste Kanadas zusammen. Sie haben sich trotz zeitweiser Fangverbote bis heute nicht erholt. Ähnliches droht jetzt der Ostsee: Im Vergleich zu den 80er Jahren tummeln sich heute nur noch ein Zehntel der Dorsche in der östlichen Ostsee. In der westlichen Ostsee hat sich der Bestand seither halbiert.

Zusätzlich machen Umweltgifte und die niedrige Sauerstoffsättigung der Ostsee dem Dorsch zu schaffen. Folge ist, dass er kaum noch Regionen findet, um sich ausreichend zu vermehren. Fachleute betonen, dass sich schon ein schlechtes Fortpflanzungsjahr bei gleichbleibend hohen Fangquoten verheerend auf den Bestand auswirkt. Schon lange fordern die Wissenschaftler des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) eine drastische Reduzierung der Dorsch-Fangquoten. In diesem Jahr mahnten sie sogar, dass der Dorschfang 2007 in der östlichen Ostsee gänzlich eingestellt werden müsse: Sein Fortbestand sei sonst nicht mehr gewährleistet.

Doch die politischen Gremien ignorieren die Forderungen der Wissenschaftler seit fast 20 Jahren (s. Grafik). Die von ihnen festgelegten Fangquoten in 2005 waren mit 49.220 Tonnen dreimal so hoch wie der vom ICES empfohlene Richtwert (14.900 Tonnen). Hinzu kommt die illegale Fischerei: Laut Schätzungen des ICES wurde im Jahr 2005 38 Prozent mehr Dorsch gefangen als erlaubt. Polnische Wissenschaftler schätzen diese Quote sogar noch deutlich höher ein.

Auch in den EU-Gremien sind die Probleme lange bekannt. Doch trotz aller Aufmerksamkeit, die dort dem sinkenden Dorschbestand gewidmet wird, greifen die EU-Politiker bis heute nicht durch: Aktionspläne werden nur halbherzig umgesetzt, Fangquoten immer wieder nach oben korrigiert.

Um das Überleben des Dorsches in der Ostsee und damit auch eine langfristige Fischerei zu sichern, fordert Greenpeace:

  • Einen Dorsch-Fangstopp im Jahr 2007 für die östliche Ostsee und eine drastisch reduzierte Fangquote für die westliche Ostsee.
  • Ein zentrales und schärferes Monitoring- und Kontrollsystem auf See und an Land, um die illegale Fischerei und die Anlandung solcher Fänge zu verhindern.
  • Die Einrichtung eines Netzwerkes von großflächigen Schutzgebieten in der Ostsee.

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