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Nur vereinfachte Ölentsorgung hilft Meeren

Sylt, das ist Sonne, Sand und Schweröl! So jedenfalls stellte sich das Surferparadies kurz vor Silvester den Besuchern dar. Am Strand waren fleißige Helfer damit beschäftigt, die Spuren einer Ölverschmutzung zu beseitigen. Bislang ist unklar, worum es sich dabei genau handelte: Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es Schweröl aus einer illegalen Schiffsreinigung auf hoher See.

So etwas ist an deutschen Küsten leider kein Einzelfall. Beispielsweise registrierte die Wasserschutzpolizei Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr für die Ostsee 93 Verstöße.

Damit ist die Zahl der Gesetzesübertretungen zwar im Vergleichszeitraum gesunken - 2002 zählte man 161 Verschmutzungsfälle -, aber den betroffenen Stränden und den Meerestieren hilft das wenig.

Wenn es weltweit nichts mehr kostet, Alt- oder Restöl in den Häfen abzugeben, dann werden die illegalen Einlassungen schnell aufhören, sagt Christian Bussau, Schifffahrtsexperte bei Greenpeace.

Erfreulich, dass die EU in diesem Sinne einen richtigen Schritt getan hat. Anfang 2003 trat die EU-Richtlinie 2000/59/EG in Kraft. Neben der Verpflichtung zur Entsorgung in Häfen werden darin die Kosten für die Ölbeseitigung geregelt. Die Hafenbetreiber erheben ein pauschalisiertes Entgelt von allen Schiffen, die den Hafen anlaufen.

Allerdings lässt der Fall Sylt Zweifel daran aufkommen, ob die in europäischen Häfen angebotenen Entsorgungseinrichtungen auch in Anspruch genommen werden.

Für Christian Bussau stellt der EU-Vorstoß jedenfalls keinen wirklichen Durchbruch dar.

Ein Schiff, das von Schweden nach Korea unterwegs ist, fährt diese Riesentour non-stop. Dabei kommt es zwar an einigen europäischen Häfen vorbei, aber wird der Reeder es extra einen kostspieligen Zwischenstopp einlegen lassen, um ein paar Ölreste zu entsorgen?

Eine praktikable Praxis sieht doch eher so aus: Der Kapitän greift vor dem Einlaufen in irgendeinen Hafen auf der Welt zum Funkgerät. Er gibt den Hafenbehörden durch, dass er Öl loswerden möchte. Die schicken dann ein Schiff, das sich darum kümmert. Das Ganze finanziert sich aus einer Pauschale, die in den Hafengebühren für alle Schiffe enthalten ist, erklärt Bussau.

Für solche weltweit gültigen Regelungen ist die Internationale Schifffahrtsorganisation (IMO) zuständig. Dort gibt es bereits seit 1973 ein wichtiges Vertragswerk zum Schutz der Meeresumwelt: das Internationale Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe (MARPOL). Dieses Abkommen müsste nur entsprechend verändert werden. Doch dagegen sperren sich derzeit noch einige Schifffahrtsnationen. (mir)

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