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Nur ein Total-Fangstopp rettet Kabeljau

Seit Mittwoch wird in Brüssel wieder um Fische gefeilscht und geschachert. Es geht um die absoluten Fangquoten oder den total allowable catch, kurz TAC, für das nächste Jahr. Im vergangenen Jahr haben sich die Minister auf eine Reform der EU-Fischfangindustrie geeinigt. Damit wollten sie längerfristige Perspektiven eröffnen und den Fischern Planungsicherheit bieten. Lediglich hehre Ziele, bemängeln Kritiker, weil die Eigeninteressen einiger Mitgliedsländer wie Frankreich, Dänemark, Irland, Portugal und Großbritannien zu groß sind.

Besonders kritisch sehen Experten die Situation des Kabeljaus in der Nordsee. Bundesverbraucherministerin Renate Künast fordert darum ein Verbot des direkten Kabeljaufanges. Das reicht aber bei weitem nicht aus, bemängelt Thilo Maack, Meeresexperte bei Greenpeace. Riesige Mengen Kabeljau fallen auch der indirekten Fischerei zum Opfer, das heißt als Beifang, wenn eigentlich nach anderen Arten gefischt wird. Dem Kabeljau ist es dabei ziemlich egal, wie er aus dem Wasser geholt wird - ob direkt oder indirekt. Der Bestand schrumpft auf jeden Fall weiter.

Auch die Zukunft anderer Fischarten wie Scholle oder Seezunge sieht düster aus. Die Rettung bringen allein Schutzgebiete, stellt Maack klar. Meeresregionen, in denen es keinerlei menschliche Betätigung geben darf, damit sich die Bestände erholen können. Dann wird es auch morgen noch Fisch geben. Das dürfte doch auch im Interesse der Fischer sein. Alles andere käme einem Absägen des Astes gleich, auf dem sie sitzen. (mir)

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