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Nord- und Ostsee brauchen unseren Schutz

Einst gab es riesige Schwärme von Kabeljau und Dorsch in Nord- und Ostsee, das soll auch in Zukunft wieder so sein. Damit ist das Ziel der Greenpeace-Kampagne umrissen, die am Mittwoch gestartet wurde. Greenpeace fordert, dass mindestens 40 Prozent der beiden europäischen Meere unter Schutz gestellt werden.

Am Nordsee- oder Ostseestrand liegen, den Wolken nachschauen, den Seewind spüren - davon träumen Tausende Urlauber, auch wenn der Sommer im Norden Deutschlands bisher zu wünschen übrig lässt. Aber nicht nur das Wetter ist trügerisch. Nord- und Ostsee sind längst nicht mehr, was sie zu sein scheinen.

Leere Meere

Die riesigen Kabeljauschwärme, von denen Greenpeace-Meeresbiologin Iris Menn spricht, gibt es nicht mehr. In den letzten drei Jahrzehnten ist die Menge an fortpflanzungsfähigem Kabeljau um rund 90 Prozent zurückgegangen. Seezunge, Wittling, Scholle in der Nordsee, Dorsch in der Ostsee: Auch ihre Bestände stehen vor dem Zusammenbruch.

Schuld daran ist der kommerzielle Fischfang. Technisch hochgerüstete Fischereischiffe fangen in riesigen Netzen weg, was sich zwischen Meeresboden und Oberfläche bewegt. Zum Opfer fallen nicht nur Speisefische. Zusätzlich landen jedes Jahr allein in der Nordsee mehr als 700.000 Tonnen anderer Meerestiere in den Netzen. Dieser so genannte Beifang wird anschließend tot oder schwer verletzt zurück ins Meer geworfen.

Die Meere müssen vor der Fischereiindustrie geschützt werden. Doch die Fischer müssen sich Iris Menn zufolge keine Sorgen machen: Die Greenpeace-Schutzgebiete werden die Fischerei langfristig nicht einschränken - im Gegenteil: Die Schutzgebiete sollen es Kabeljau und Co. ermöglichen, sich wieder zu erholen. Nur so können auch künftige Generationen von Fischern an Nord- und Ostseeküste mit stabilen Fischbeständen rechnen.

Öl in Wasser - Wasser in Öl

Nicht nur die Überfischung bedroht das Leben in Nord- und Ostsee. Ein weiteres großes Problem ist die Meeresverschmutzung. Das Urlauberziel Nordsee ist in Wahrheit ein Industriegebiet. Rund 500 Öl- und Gasplattformen, tausende Kilometer Pipelines und ein immenser Schiffsverkehr hinterlassen ihre Spuren.

Allein durch den täglichen Normalbetrieb der Plattformen gelangen jährlich rund 15.000 Tonnen Öl in die Nordsee. In einem Umkreis von etwa 500 Metern um die Anlagen herum ist die Artenvielfalt bereits stark beeinträchtigt. Illegale Auswaschungen von Schiffstanks sind für weitere 15.000 Tonnen Öl pro Jahr verantwortlich.

Insgesamt fließen jedes Jahr aus Schiffen und Bohrinseln mindestens 30.000 Tonnen Öl in die Nordsee, 15.000 Tonnen in die Ostsee. Schiffsunfälle sind in dieser Menge nicht mitgerechnet - aber es muss immer mit ihnen gerechnet werden.

Nord- und Ostsee sind Beispiele dafür, wie schlecht es weltweit um die Meere bestellt ist, sagt Menn. Nur mit Hilfe von großflächigen Schutzgebieten ist die Arten- und Lebensraumvielfalt in den Meeren noch zu retten.

Greenpeace hat Vorschläge für 17 Schutzgebiete erarbeitet. Sie umfassen 40 Prozent der beiden Meere. In diesen Gebieten sollen industrielle Fischerei, Öl- und Gasförderung, Sand- und Kiesabbau vollständig verboten sein. (sit)

Hier finden Sie unsere Vorschläge zur Ansicht:

Greenpeace-Schutzgebietsvorschlag Ostsee.

Greenpeace-Schutzgebietsvorschlag Nordsee.

Kartensammlung zu Greenpeace-Schutzgebieten in Nord- und Ostsee (4.1 MB).

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