Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Netze verbinden - außer Grundschleppnetze, die zerstören!

Mit diesem Netz könnte man einen mehrstöckigen Häuserblock fischen: 70 Meter breit, 15 Meter hoch und 40 Meter lang - ein klassisches von den kleineren Grundschleppnetzen. Am Montag hat es die Mitglieder der Arbeitsgruppe des EU-Rates zum Thema Hochsee-Grundschleppnetzfischerei in Brüssel erwartet. Greenpeace-Aktivisten hatten es vor dem Gebäude der Europäischen Kommission errichtet, um so auf die sinnlose Zerstörung der Tiefsee aufmerksam zu machen.

  • /

Mit einem Grundschleppnetz wird der Meeresboden regelrecht umgepflügt und eingeebnet. Wo jemals so ein Netz vorbeikam, bleibt nur noch eine öde Wüste am Meeresgrund zurück. Die EU-Mitgliedsländern sind gefordert, diese Vernichtung der Tiefsee zu stoppen. Eine Forderung, die von vielen Menschen unterstützt wird: So haben Greenpeace-Aktivisten 65.000 gesammelte Unterschriften für die Arbeitgruppe dabei.

Eine begleitende Tiefsee-Fotoausstellung zeigt, wie rasant die Grundschleppnetzfischerei den Artenreichtum unter Wasser vernichtet. Mit der Grundschleppnetzfischerei wird das Leben in der Tiefsee zerstört, bevor wir es überhaupt erforschen konnten, sagt die Greenpeace-Meeresbiologin Iris Menn.

Verantwortung dafür tragen alle EU-Länder, allen voran Fischfangnationen wie Spanien. Ein Moratorium, ein Sofortverbot der Grundschleppnetzfischerei auf der hohen See, ist die einzige Chance, das Leben dort unten für die Menschheit zu erhalten, erklärt Menn. Seit zwei Jahren versprechen die Europäischen Regierungen zu handeln, doch nichts passiert.

EU-Kommission und Spanien blockieren

Bislang haben sich Schweden und Österreich öffentlich für ein Grundschleppnetz-Moratorium ausgesprochen. England und Belgien zählen ebenfalls zu den Befürwortern. Deutschlands Votum steht noch aus.

Bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen im November 2005 in New York haben die Europäische Kommission und Spanien ein Moratorium verhindert. Die EU muss sich geschlossen für ein Moratorium einsetzen - Deutschland vorneweg, fordert Iris Menn.

Tiefsee: Ein Artenreichtum wie im tropischen Regenwald

Bis vor etwa zwei Jahrzehnten vertrat die Wissenschaft die Meinung in der Tiefsee existiere nichts Lebendiges. Doch inzwischen schätzen Experten die Artenvielfalt auf bis zu zehn Millionen Spezies. Vergleichbar mit dem Reichtum der tropischen Regenwälder.

Besonders viele Arten findet man an Tiefseebergen, den so genannten Seamounts. Sie sind wie Oasen in der Wüste: Nährstoffhaltige Strömungen sorgen für eine enorme Ansammlungen von Plankton, von dem größere Räuber profitieren.

Die Grundschleppnetzfischerei ist die größte Bedrohung des marinen Lebens in der Tiefe. Rund 300 Schiffe sind derzeit an der Grundschleppnetzfischerei beteiligt. Etwa 60 Prozent davon gehören zur Flotte der Europäischen Union - Spanien hält dabei den größten Anteil.

Die Arbeit für den Schutz der Tiefsee ist Teil der einjährigen Greenpeace-Expedition SOS Weltmeer, die für ein globales Netz von Schutzgebieten kämpft. Die Greenpeace-Ausstellung und das Grundschleppnetz touren durch elf europäische Städte und werden am 17. und 18. Mai in Dresden zu sehen sein.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Zum Wegkrabbeln

Keine Ausreden mehr: Wissenschaftler haben weltweit den Zustand der Arten bewertet, die Fakten sind bekannt. Christoph Thies von Greenpeace erzählt, was das bedeutet.

Klimakiller Kunststoff

Plastik ist schädlich für die Umwelt – so weit, so bekannt. Ein neuer Report beleuchtet einen bislang vernachlässigten Aspekt von Kunststoffen: wie sie den Klimawandel vorantreiben.

Löchrige Lebensversicherung

Eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht. Die Wissenschaft fordert ein radikales Umdenken. Was der Weltbiodiversitätsrat empfiehlt, erzählt Christoph Thies von Greenpeace.