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Schlagabtausch über die Medien

Nebel verlängert Ruhepause im Walschutzgebiet

Nach dem Sturm schützt vorläufig dichter Nebel die Wale im Südpolarmeer vor der japanischen Fangflotte. Die Jagdschiffe sind vom Greenpeace-Radar verschwunden. Die Greenpeace-Schiffe halten sich dicht beim Fabrikschiff der Japaner. Zu ihm müssen die Jäger immer wieder zurückkehren - ohne Fabrikschiff keine Jagd. In Japan selber hat Greenpeace die dreisten Behauptungen des Instituts für Walforschung (ICR) zurückgewiesen.

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In einem offenen Brief hat Junichi Sato, Meeresexperte bei Greenpeace Japan, am Mittwoch die absurden Tatsachenverdrehungen des ICR zurückgewiesen. Hiroshi Hatanaka, Generaldirektor des Instituts, hatte Greenpeace - ebenfalls in einem offenen Brief - Piraterie und Verstöße gegen das Seerecht vorgeworfen. Eine kuriose Behauptung: Die Japaner jagen illegal im Walschutzgebiet. Videoaufnahmen beweisen, dass sie selber auf gefährlichen Kollisionskurs zur Esperanza gegangen sind.

Ihre und unsere Schiffe befinden sich auf hoher See und unterstehen internationalem Recht, so der Greenpeace-Experte an die Adresse von Hatanaka. Ihre Versuche, Gebiete auf hoher See zu Ihrem eigenen exklusiven Gebrauch zu beanspruchen, entbehren jeglicher Grundlage. Diese Arroganz ist einer der Gründe dafür, dass Sie von der internationalen Gemeinschaft kritisiert werden.

Sato kritisiert auch die Öffentlichkeitsarbeit der Walfangbefürworter. Der Walfang, schreibt er, werde aus Steuergeldern bezahlt. Doch die japanischen Steuerzahler erführen nicht, was genau eigentlich in den antarktischen Gewässern vor sich gehe. So würden sie nicht ausreichend darüber informiert, dass die Jagd im Walschutzgebiet stattfinde. Auch dass überdies geschützte Arten gejagt würden, werde nicht kommuniziert.

Im Südpolarmeer liefern sich währenddessen die Greenpeace-Schiffe und die japanische Fangflotte eine Art Katz- und Mausspiel. Das Mutter- und Fabrikschiff der Flotte, die Nisshin Maru, fährt im Kreis, ohne seine Verfolger abschütteln zu können. Die drei Jagd- und zwei Erkundungsschiffe haben den Sturm der letzten Tage genutzt und sich davongemacht. Seit zwei Tagen sind sie vom Greenpeace-Radarschirm verschwunden.

Doch die Crews der Esperanza und der Arctic Sunrise wissen, dass die Harpunenschiffe ohne ihr Mutterschiff kaum jagen können. Jeder getötete Wal muss sofort dem Fabrikschiff zur Verarbeitung übergeben werden. So war es eine taktische Entscheidung, sich dicht an die Nisshin Maru zu heften und abzuwarten. Die Greenpeace-Aktivisten halten sich für ihren nächsten Einsatz bereit.

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