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Mittelmeer-Tagebuch: Illegale Fischerei bedroht den Blauflossenthunfisch

Das Mittelmeer ist die vierte Etappe der 14-monatigen Greenpeace-Expedition SOS Weltmeer. Hier steht der Blauflossenthunfisch am Rande des Aussterbens. Schuld daran sind skrupellose Piratenfischer sowie das Missmanagement der Fischerei-Industrie und der Politik. Der schweizer Aktivist Daniel Constantino ist an Bord der Esperanza und berichtet uns von diesem Abschnitt der Expedition. Zusammen mit Greenpeacern aus der ganzen Welt wird der gelernte Maschinenzeichner bis Mitte Juni für den Schutz des Mittelmeeres einstehen.

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22.6.2006 - Wie weiter? Der Schweizer Greenpeace-Aktivist Daniel Costantino hat die Esperanza verlassen und wird Anfang Juli in die Schweiz zurück erwartet. Das Schiff fährt nun in Richtung Rotes Meer und wird im Mittelmeer von der Rainbow Warrior abgelöst. Diese wird weiter auf die Thunfisch-Problematik und die illegale Treibnetzfischerei aufmerksam machen.

Wir hoffen, dieses Weblog bald mit einem anderen Crewmitglied weiterführen zu können. Alles Gute der Besatzung der beiden Schiffe! Von ihnen wird im Verlauf der Tour SOS Weltmeer sicher noch etliche Male zu hören und zu lesen sein.

Yves Zenger, Pressesprecher bei Greenpeace Schweiz

19.6.2006 - Hallo zusammen, Dani schrieb uns übers Wochenende die folgenden Zeilen: Unser Satellitensystem hat den Geist aufgegeben und kann erst in Port Said ersetzt werden. Ich kann zwar noch E-Mails schreiben und empfangen, aber sie werden nur zweimal pro Tag heruntergeladen respektive versendet.

Wir hoffen natürlich, dass die Unterbrechung nicht allzu lange dauert. Bis dahin vielen Dank für euer Verständnis.

Marc Spahr/Webmaster Greenpeace Schweiz

15.6.2006 - Thunfischfarmen vor Zypern. Der Tag begrüßte Diek und mich auf der Brücke mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Ich geniesse diese einzigartigen Momente immer sehr!

Tagsüber ging es weiter mit Putzen und Malen, da ich Nachtdienst hatte, ging ich am Nachmittag schlafen.

Um sechzehn Uhr gingen Film- und Fotocrew per Tweety auf Erkundungstour - sie wollten Bilder der Thunfischfarmen vor Zypern machen. Diese Art der Fischmästung ist sehr schlecht für den Erhalt der Thunfische. Sie werden vor der Geschlechtsreife gefangen, gefüttert (ein Thunfisch braucht ca. zwanzig Kilo Fisch um ein Kilo an Gewicht zu zulegen!) und wenn sie groß genug sind verkauft. Meistens nach Japan, um zu Sushi verarbeitet zu werden.

Also um ein Kilogramm Thunfisch zu produzieren, werden 20 Kilogramm Fisch verfüttert. Wie viele Thunfische in einer Farm gehalten werden und wie groß sie sind, versuchen wir herauszufinden.

Gegen acht Uhr am Abend kamen wir in Zypern an. Weil Elaine, unsere Webmasterin, morgen das Schiff verlässt gabs ein Glas Sekt!

Gespannte Grüße, Daniel

14.6.2006 - Die Suche nach dem Fisch geht weiter. Heute Morgen fing mein Tag um vier Uhr an. Ich war auf Wache auf der Brücke.

Alles war ruhig. Die Maschinen der Esperanza liefen im Leerlauf, wir waren am Driften. Der Grund: In der Nähe - etwa sechs Meilen entfernt - drifteten zwei Thunfischfangboote.

Um halb sechs erhob sich am Horizont eine rot glühende Scheibe - ein wundervoller Sonnenaufgang! Das war der Moment für die Fischer Fahrt aufzunehmen. Die Suche nach der begehrten Beute hatte erneut begonnen. So ging es den ganzen Tag.

Da das Meer für den Thunfischfang im Moment sehr unruhig ist, sind die Chancen etwas zu fangen praktisch bei Null - sofern überhaupt Fisch da ist.

Gegen Abend haben wir Kurs in Richtung Zypern genommen. Wir werden dort neue Journalisten an Bord nehmen.

Bis bald und herzliche Grüsse, Daniel

13.06.2006 - Rostklopfen

Die Fischer haben nichts gefangen, wir haben ihr Funk abhören können und dabei ihre Unzufriedenheit deutlich mitbekommen.

Vielleicht ist einfach die Saison schlecht - vielleicht haben die modernen Flotten dem Thunfisch aber wirklich keine Chance gelassen und die Bestände sind zusammengebrochen. Das wird erst in ein bis zwei Jahren bestätigt werden können.

Somit stehen zur Zeit keine Aktionen an und wir sind daran, unser grosses Werkzeug, die Esperanza, zu pflegen. Das heisst: Rostklopfen, Bürsten, Grundieren, Anmalen. Vor allem das Rostklopfen und Schmirgeln ist ist eine laute und dreckige Arbeit. Aber sie lohnt sich, denn dann wird dieses Schiff noch lange gut aussehen.

Frisch geduschte Grüße, Daniel

PS: Wir sind jetzt wieder nahe der ägyptischen Küste und das Klima ist heiss und feucht. Um halb acht am Abend und im Schatten 28 Grad Celsius warm.

12.06.2006 - Die Suche nach den Thunfischen

Den ganzen Tag sind wir den Fischerbooten gefolgt, mittlerweile ist noch eines mehr dazugekommen. Es sind jetzt also sechs. Sie haben den ganzen Tag nichts gefangen. Wir bleiben dran!

Herzliche Grüße, Daniel

11.06.2006 - Leere Meere

Heute Morgen um Viertel nach sieben hat mich Grant, mein Kabinenkumpan, geweckt. Wir wollten bereit sein, für eine eventuelle Aktivität. Vorsorglich machten wir die Boote klar.

Die Esperanza ist der Jean Marie-Christian VI die ganze Nacht gefolgt. Und auch heute den ganzen Tag.

Wir sind jetzt nahe der ägyptischen Küste und es kamen vier andere Thunfischerboote hinzu. Ob es diejenigen sind, welche vorher vor Kreta lagen, weiß ich nicht. Wir haben immer dasselbe verfolgt.

Zu Aktivitäten ist es bisher nicht gekommen. Die Thunfischer haben keine Beute gefunden.

Greenpeace bietet für die Rettung der Ozeane Lösungen an. Extrem wichtig sind dabei Meeresschutzgebiete. Ein erster Schritt als Konsument/in ist sicher ein Verzicht auf Meeresfisch.

Nachdenkliche Grüße, Daniel

10.06.2006 - Verfolgung aufgenommen

Heute Morgen in aller Frühe haben drei der fünf Fangschiffe die Küste verlassen. Die Schiffe haben sich danach aufgeteilt und wir verfolgen jetzt die Jean Marie-Christian VI.

Der Thunfischfänger fährt sehr schnell, so haben wir um halb zehn Uhr unsere Hauptmaschinen gestartet und fahren jetzt mit 15 Knoten. Das Fischerboot hat Kurs Süd-Ost eingeschlagen, und ich nehme an, dass es in Richtung Zypern fährt. Dort gibt es Seeberge und es ist gut möglich, dass sich dort Thunfische aufhalten.

Ab jetzt sind wir auf Stand-by für Aktionen. Wir werden versuchen die Fischer daran zu hindern, Thunfische zu fangen. Aber: Das kann vielleicht noch lange dauern bis es soweit ist.

Herzlich, Daniel

7.6.2006 - Test erfolgreich!

Nach der morgenlichen Putzrunde haben wir heute das umgebaute Novi2 getestet. Es hat jetzt einen Ring um die Schraube, damit sich keine Leinen darin verheddern können. Außerdem sollen dadurch Fische vor möglichen Verletzungen geschützt werden. Unter dem Außenborder gibt es einen neuen Bügel, um über Netze fahren zu können.

Jetzt ging es darum zu testen, ob das System auch so funktionierte, wie wir uns das vorstellten. Also wurde zuerst die African Queen mit Alain und Doro als Crew gewassert, danach waren Slava und ich mit dem Novi dran.

Wir machten das übliche Prozedere: Leinen am Boot befestigen, Boot mit Kran anheben, mit den Leinen die Lage kontrollieren und schauen, dass das Schlauchboot parallel zur Reeling liegt, Kran absenken und leicht gegen die Mitte des Schiffes halten, damit das Boot stabilisiert ist. Bugleine mit Verbindungsleine der Esperanza verbinden, Einsteigen, Stabilisierungsleinen lösen, Funkcheck, Boot absenken, Kranhaken lösen, Motor starten, Bugleine lösen und wegfahren.

Die Queen war inzwischen zur Lotsentür gefahren, um unsere Presseleute aufzunehmen. Diese wollten die Esperanza von außen und auch unsere Tests filmen. Wir hielten uns derweilen als Sicherheitsboot in angemessener Distanz.

Kurz nachdem die African Queen ihre Gäste an Bord genommen hatte, sah ich einen Delfin am Bug der Esperanza springen. Und noch einen und noch einen dritten. Ich habe schon oft Delfine gesehen und bin immer wieder aufs Neue fasziniert von diesen Wesen. Für mich strahlen sie pure Lebensfreude aus!

Jetzt ging es daran, das Netzüberfahrsystem auszutesten: Die Queen legte eine Leine mit Schwimmern aus. Wir fuhren darüber. Die Leine verfing sich am Heck des Bootes, die Schraube wurde nicht tangiert. Ich funkte die Queen an und bat sie, ein wenig Fahrt aufzunehmen, damit die Leine etwas Spannung hatte. Sobald sie etwas Geschwindigkeit hatte, gab ich Slava das Zeichen loszufahren. Diesmal klappte es - und auch die nächsten zehn Male. Jetzt haben wir also ein Boot, mit welchem wir über Netze fahren können!

Mittlerweile bin ich auf Wache, zusammen mit dem zweiten Maat Thijs. Die Sicht ist extrem klar und der Mond hat einen silbernen Teppich auf das Meer gezaubert. Ich werde jetzt jede Stunde eine Runde im ganzen Schiff machen und kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Um vier Uhr ist unsere Wache zu Ende.

Liebe Grüße, Daniel

PS: Gestern hörten wir Geschichten und sahen Videos der vergangenen Antarktisreise zu den japanischen Walfängern. Unterwegs hatten die Esperanza und die Arctic Sunrise mit Wellen bis elf Metern zu tun. Da gab es auch mal einen Koch, der zwei Meter durch die Luft flog und Leute, die über den Boden krochen, weil gehen nicht mehr möglich war. Damit hatten die Crews damals knapp zwei Monate zu leben.

5.6.2006 - Geradeausgehen nicht mehr möglich

Heute Morgen haben wir per Helikopter drei französische Journalisten in Zypern abgeholt. Jetzt sind wir unterwegs mit Kurs Südwest, um hoffentlich auf die Thunfischer zu treffen. Der Wind hat aufgefrischt, es gibt mehr Wellen und ein Gehen auf dem Schiff ist ohne Kurven nicht mehr möglich.

Dies war dann auch der Anlass für ein weiteres Bootstraining: mit den Wellen zu fahren. Längsseitsgehen war aber nur noch etwas für erfahrene Fahrer, zu viele Turbulenzen und zu große Gefahr, einen Schaden zu verursachen. Alle sind heil zurückgekehrt.

Ich hoffe, dass wir die Fischer bald finden. Dann können wir zeigen, was im Mittelmeer vor sich geht. Es ist fünf vor zwölf für die Thunfische!

Herzliche Grüße, Daniel

4.6. 2006 - Konkrete Hinweise

Mittlerweile haben wir konkrete Hinweise wo sich die Thunfischer aufhalten. Wir haben den Kurs gewechselt, werden morgen Journalisten an Bord holen und dann in Richtung Fischer fahren. Dies wird ein paar Tage in Anspruch nehmen.

Sonst war heute ein freier Sonntag zum Kleiderwaschen, Lesen und Faulenzen - oder um aufzutanken für die hoffentlich bald anstehenden Aktionen.

Sonnengrüße, Daniel

1.6.2006 - Noch ruhiger als gestern

Mit rund zehn Knoten pflügt die Esperanza durchs Wasser. Sie rollt nur ganz leicht, ein regelmäßiges Schütteln von den Maschinen ist zu fühlen.

Heute Nacht haben wir die Zeitzone gewechselt und mussten unsere Uhren um eine Stunde vorstellen. Unsere Position ist momentan ziemlich genau zwischen dem westlichen Ende von Kreta auf der Nord- und Lybien auf der Südseite.

Von den Thunfischern keine Spur! Nach wie vor sind wir daran, Aktionsmaterial herzustellen, der Helipilot hat sich ein Gestell gebaut woran er eine Filmkamera befestigen kann und unsere Experten tragen Informationen zusammen und entwickeln Strategien. Sonst geht alles seinen gewohnten Gang.

So kann ich heute nichts Spezielles berichten - aber so kann das Leben auf einem Greenpeace-Schiff auch sein.

Herzliche Grüsse, Daniel

31.5.2006 - Ein ruhiger Tag

Gestern Nacht haben wir Malta nördlich passiert, jetzt sind wir über der ionischen Abyssale wo der Meeresgrund über 4000 Meter unter uns liegt.

Es war ein ruhiger Tag, heiß und feucht. Neben den gewohnten täglichen Arbeiten sind wir daran, Aktionsmaterialien herzustellen.

Von den Thunfischfängern keine Spur - auch haben wir heute fast keine Schiffe gesehen. Ist es die Ruhe vor dem Sturm?

Langsam aber sicher steigt in mir die Spannung. Ich hoffe, dass wir den Thunfischen helfen können.

Lust auf einen Ausblick von der Brücke - in echt? Hier geht es zur Webcam der Esperanza.

Verschwitzte Grüsse, Daniel

30.5.2006 - Erster Kontakt

Wir haben das Tyrrenische Meer verlassen, befinden uns jetzt im Kanal zwischen Sizilien und Tunesien, bevor wir das Ionische Meer erreichen.

Heute war ein ereignisreicher Tag. Zum ersten Mal, seit ich an Bord bin, wurde Tweety eingesetzt. Per Zufall haben wir einen Schlepper mit einem Thunfischkäfig entdeckt. Unser Bordfotograf sowie unser Kameramann sind mit dem Hubschrauber über den beiden Ringnetzen geflogen um die Angelegenheit zu dokumentieren.

Später wollten sie mit dem Jet-Boot und Tauchausrüstungen zum Netz fahren, um das Ganze unter Wasser zu filmen und zu fotografieren. Sie kamen schnell zurück. Das Boot hatte einen Motorschaden. Ein Kühlwasserschlauch hatte sich gelöst. So wurde das Kühlwasser statt zum Motor in den Innenraum gepumpt. Knapp eine Tonne Wasser war am Schluss im Boot. Das Jet-Boot wurde also hochgekrant und die African Queen, das zweite große Schlauchboot, zu Wasser gelassen. Genau in dem Moment schwamm ein Schildkröte vorbei - ich rannte um meine Kamera zu holen, war aber nicht schnell genug. Kurz danach schwammen auch noch Delfine am Bug vorbei.

Zurück zum Geschehen mit den Thunfischen: Der Schlepper fährt unter italienischer Flagge und ist auf dem Weg nach Sizilien. Mit nur einem Knoten Geschwindigkeit ist er extrem langsam und braucht noch ungefähr eine Woche bis er am Ziel ist.

In den beiden Ringnetzen sind rund 500 Blauflossenthune gefangen. Es sind ausgewachsene Tiere. Leider können wir nicht viel machen. Sie zu befreien wäre sinnlos, die Fische haben keine Orientierung mehr und würden wahrscheinlich nicht überleben - für sie ist es zu spät und ihr Schicksal ist es, zu Sushi verarbeitet zu werden. So ist die Realität. Auch würden die Fischer einfach neue Fische fangen. Wir wollen versuchen dies zu verhindern. Was wir heute gesehen haben, können wir aber brauchen, um zu informieren und aufzurütteln.

Nachdenkliche Grüsse, Daniel

29.5.2006 - Bootstraining

Heute morgen haben wir wie gewohnt geputzt. Danach haben wir angefangen weitere Banner zu produzieren. Und am Nachmittag hieß es dann trainieren: Die Boote ins Wasser bringen und wieder herausnehmen. Dies ist eine heikle Operation und die Angelegenheit muss schnell vor sich gehen. Nun ja, wir wissen jetzt wie es funktioniert, aber wir müssen noch schneller werden.

Ein Teil des Trainings war auch, längsseits zu fahren, Leute aufzunehmen, eine Runde zu drehen und die Leute wieder an der Esperanza abzusetzen. Alles in allem ein kurzweiliger Tag mit viel Sonne und Hitze.

Die Esperanza fährt jetzt in Richtung Süd-Ost, wo wir die Thunfischer vermuten. Obwohl das Mittelmeer doch eher klein ist, suchen wir die Nadel im Heuhaufen. Bis es zu einem Zusammentreffen kommt, werden wir noch weiter trainieren.

Aus der Ferne haben wir heute Sardinien gesehen - und aus der Nähe Delfine welche ihre Schwanzflosse in die Luft gehalten haben (ich nehme allerdings nicht an, dass sie uns zugewunken haben).

Sonnengebrannte Grüsse, Daniel

28.5.2006 - Ein richtiger Sonntag

Ein richtiger Sonntag: Heute hatte ich die Gelegenheit, einen Tauchgang zu machen. Wir versuchten, mit den Bannern, die wir gestern gemalt hatten, Bilder zu schießen. Die würden wir gerne längerfristig für die Kampagne nutzen können.

Es war ein interessantes Tauchgebiet mit einer Höhle und schönen Felsformationen, welches wir da besuchten. Wie ich feststellen musste, war es allerdings überhaupt nicht einfach, ein Banner zu zweit unter Wasser zu halten. Die Strömung macht es schwer, in Position zu bleiben. Ob es brauchbare Bilder gibt weiß ich zurzeit nicht. Aber manchmal muss man etwas versuchen - und daraus lernen.

Mittlerweile bewegen sich die Temperaturen knapp um die 30 Grad. Wie bei uns im Sommer. Das ist einerseits sehr angenehm, andererseits macht mich die Hitze extrem müde. So hatte ich nach dem Abendessen ein starkes Bedürfnis, mich ein wenig hinzulegen. Das Resultat war, dass ich sofort eingeschlafen bin. So mache ich jetzt nur eine kleine Zwischenstation im Wachsein, um doch noch ein wenig zu berichten.

Wir haben Hinweise erhalten, dass sich die Thunfisch-Fangflotte dieses Jahr nicht um die Balearen bewegt. Wir versuchen jetzt herauszufinden, wo sie ihre zerstörerische Arbeit verrichten, um sie zu stellen.

Sommerliche Grüße, Daniel

27.5.2006 - Land in Sicht

Heute Morgen um 9 Uhr hieß es Leinen los! Wir haben Barcelona verlassen. Und nachdem wir eine Weile unterwegs waren kam Besuch. Tweety!

Der Helikopter ist ein wichtiges Werkzeug für unsere Arbeit. Er ermöglicht uns Schiffe zu finden und genauer anzuschauen. Was noch wichtiger ist - mit dem Helikopter können wir dokumentieren wie beispielsweise der Thunfisch gefangen wird. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Fischer ihre Arbeit oft einstellen, wenn sie ein Schiff von Greenpeace zu Gesicht bekommen. Tweety, wie unser Heli genannt wird, kann aber auch für Aktionen gebraucht werden, z.B. um Taucher abzusetzen.

Den ganzen Nachmittag haben wir damit verbracht, Transparente zu nähen und zu malen. Wir werden sie morgen einsetzen wenn wir zu den Thunfisch-Laichgebieten fahren und dort eine Bildaktion machen. Das Ziel davon ist, zu zeigen, dass Schutzgebiete notwendig sind.

Wenn Fische Zonen haben wo sie z.B. ungestört laichen können, haben sie eine Chance sich langfristig zu erhalten. Wenn, wie in den letzten Jahren, zum Teil über die festgesetzten Quoten gefangen wird, bedeutet dies über kurz oder lang den Zusammenbruch der Bestände.

Während der Überfahrt hatten wir noch zweimal Besuch: Streifendelfine begleiteten uns eine Weile und wir konnten in der Ferne den Blas von Finnwalen sehen! Während ich dies hier schreibe, sitze ich auf dem Vordeck beim Bug. Am Horizont sind mittlerweile die Umrisse von Mallorca zu sehen. Langsam wird es kühl. Es war ein warmer Tag. Kurze Hosen und T-Shirt waren gerade richtig. Ich bin gespannt ob wir die Fischereiflotte antreffen werden.

Schiff ahoi! Daniel

PS: Es ist doch erstaunlich, dass es möglich ist, mitten auf See Beiträge ins Internet zu setzen!

26.5.2006 - Letzte und erste Vorbereitungen

Heute wurde das Schiff für die Abfahrt fertig vorbereitet. Wir haben auch begonnen, Transparente zu malen, welche wir bei der ersten Aktion einsetzen werden. Es war ein warmer sonniger Tag und es herrscht eine gute Stimmung an Bord. Morgen geht es los auf die Suche nach den Thunfischfängern!

Sonnengebrannte Grüsse, Daniel

25.5.2006 - Crew Meeting

Nach einem mehr oder weniger anstrengenden Arbeitstag gab es heute Abend ein Crewmeeting.

Unsere Experten informierten uns über die Problematik der Thunfischerei im Mittelmeer. Hier ein paar interessante Infos:

  • Die Quote für Thunfisch im Ost-Altantik und Mittelmeer ist 32.000 Tonnen, gefangen werden aber über 44.000 Tonnen - was faktisch heißt, dass ungefähr 40 Prozent der Fänge illegal sind.
  • Ein großer Teil der Thunfische wird vor der Geschlechtsreife eingefangen und in riesigen Ringnetzen gehalten.
  • Damit ein Thunfisch ein Kilogramm an Gewicht zunimmt, werden ihm ca. zwanzig Kilogramm Fisch verfüttert.
  • Häufig werden Sardinen verfüttert - dieser Fisch fehlt danach als Futter für andere Meeresbewohner. Speziell der stark gefährdete Gemeine Delphin ist davon betroffen.
  • Der größte Anteil der Thunfische wird nach Japan exportiert wo er zu Sushi verarbeitet wird.

Das war es für heute, bis bald wieder von der Esperanza, mit herzlichem Gruß, Daniel

PS: Unsere Abfahrt verzögert sich - voraussichtlich fahren wir jetzt am Samstag los.

24.5.2006 - Knapp drei Tonnen Lebensmittel

Heute nach dem Frühstück ging es daran Korridore, Toiletten, Duschen sowie die Messe zu putzen.

Als dies erledigt war, hatten alle Neuen einen Rundgang, um zu sehen, wo Feuerlöscher installiert sind, wie man sich in einem Notfall verhalten muss, wo die Versammlungsplätze sind und worauf man beim Aussetzen der Rettungsinseln achten muss. Danach ging es ab in die Kälte: Kühlräume putzen!

Am Nachmittag habe ich mitgeholfen, knapp drei Tonnen Lebensmittel auf das Schiff zu schaffen und zu verstauen. Die sollten für die nächsten drei Monate halten.

Morgen wird es noch einmal einen Hafen-Arbeitstag geben, am Freitag wollen wir - wenn alles klappt - losfahren. Ab in Richtung der Thunfisch-Laichgebiete!

Liebe Grüße aus Spanien und bis bald, Daniel

23.05.2006 - Mein Erster Tag auf dem Schiff

Seit heute Morgen um zehn Uhr bin ich auf der Esperanza - zurzeit im Hafen von Barcelona. Kurz nach meiner Ankunft habe ich bereits als Crewmitglied zu arbeiten begonnen. Als erstes musste im Lebensmittellager Platz geschafft werden, da morgen Lebensmittel angeliefert werden. Die müssen natürlich irgendwo verstaut werden. Den Job habe ich zusammen mit Alain gemacht. Alain ist Franzose und ich habe ihn bereits letztes Jahr während einer Aktivität in Frankreich kennengelernt. Mit dabei war auch Stefan, ein sympathischer Österreicher.

Auf dem Schiff sind Leute aus neunzehn Nationen versammelt. Vom Kapitän über die Mechaniker, Köche, Schreiner, Funker, Außenbordmechaniker bis hin zu uns Matrosen ist eigentlich alles wie auf einem normalen Schiff. Doch etwas ist anders: Alle hier machen sich Sorgen um den Zustand unserer Meere und wollen aktiv etwas für deren Besserung unternehmen!

Aber zurück zu meinem ersten Tag. Nachdem wir den Stauraum aufgeräumt und geputzt hatten, bekam ich Überkleider und Stahlkappenschuhe. Gut ausgerüstet, machte ich mich daran, die Rettungsinseln auszutauschen. Diese zylinderförmigen Gebilde werden im Notfall über Bord geworfen und sie blasen sich dann auf. Um auf dem Meer treibend nicht verhungern und verdursten zu müssen, ist natürlich Proviant mit an Bord. Dies ist der Grund, weswegen die Rettungsinseln ein Ablaufdatum haben. Dementsprechend müssen sie ausgewechselt werden.

Wenn ich zum Bullauge der Kajüte hinausschaue, sehe ich auf der anderen Seite des Hafenbeckens Fischerboote. Sehr gut zu erkennen sind die Scherbretter am Heck, welche für Schleppnetze gebraucht werden.

Da wir uns während der nächsten Wochen auf den akut gefährdeten Blauflossenthunfisch konzentrieren, sind diese Boote im Moment nicht im Mittelpunkt unseres Interesses. Trotzdem frage ich mich, wie viel Fisch diese Boote aus dem Meer ziehen. Vor allem aber wie viele der Fische als Beifang und damit tot wieder über Bord geworfen werden.

Wann wir hier ablegen, ist noch nicht ganz klar. Davon werde ich aber berichten, wenn es soweit ist. Noch sind wir bei den Vorbereitungen.

Bis bald, euer Schweizer Matrose Daniel

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