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Mit dem Plastiki gegen den Müllstrudel

Wie beweist man, dass Müll eigentlich keiner sein müsste? Der Umweltaktivist David de Rothschild probiert es mit einem Katamaran aus recyceltem Abfall. Mit diesem Müllboot namens Plastiki will er dieses Jahr von San Francisco nach Sydney segeln - und zeigen, dass es eigentlich keinen Abfall gibt, sondern, dass auch beispielsweise alte PET-Flaschen noch zu etwas zu gebrauchen sind. Laut UNEP trieben im Jahr 2006 bis zu 18.000 Plastikteile in jedem Quadratkilometer der Weltozeane. Müll, der uns schadet und gleichzeitig besser verwendet werden könnte.

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Zwar wirft die Menschheit schon seit Jahrtausenden ihren Abfall ins Meer. Doch seitdem immer mehr Plastikprodukte weggeworfen werden, ist dieser Müll zum Problem geworden. So schwimmt mittlerweile im Nordost-Pazifik zwischen den Inseln Hawaiis und dem amerikanischen Festland ein beinahe geschlossener Teppich aus Kunststoffen. Dort gibt es durch ein riesiges Hochdruckgebiet einen gigantischen Meeresstrudel. Wird der im Meer treibende Müll von dieser Strömung erfasst, bleibt er bis zu 16 Jahre in diesem Gebiet.

Problematik für Mensch und Tier

Plastikmüll ist extrem langlebig. Er kann bis zu 450 Jahre umhertreiben. Dies stellt für viele Meerestiere, aber auch für uns Menschen, eine elementare Bedrohung dar. Meeressäuger beispielsweise verstricken sich in abgerissenen Fischernetzen, Hochseevögel wie Albatross und Eissturmvogel verwechseln den Müll mit ihrer ursprünglichen Nahrung. Die Plastiktteile verstopfen ihre Mägen, so dass die Tiere elendig verhungern und verdursten, da darin kein Platz mehr für Flüssigkeit und echte Nahrung ist.

Das Problem für den Menschen: Plastik hat die Eigenschaft, wie ein Schwamm giftige Chemikalien zu speichern. Hochgiftige Substanzen wie DDT oder PCB docken im Wasser an die Oberfläche des treibenden Plastikmülls an. Wissenschaftler konnten eine millionenfach erhöhte Konzentration dieser Dauergifte an Plastikpartikeln im Vergleich zum umgebenden Meerwasser nachweisen. Dabei können diese Gifte zum Beispiel hormonell bedingte Erkrankungen oder Krebs auslösen. Ihr Einsatz ist daher schon einige Jahre durch die Stockholmer Konvention verboten.

Der Mensch wird nicht mit diesem Müll vergiftet, wenn er aus Versehen beim Baden einen paar hundert Milliliter Meerwasser verschluckt. Das Problem ist komplexer: Durch das Meer werden die Abfall- und Giftstoffe weltweit verteilt. Winzigkleine Planktontierchen nehmen die im Meer umhertreibenden Plastikpartikel mit ihrer Nahrung auf. Anschließend wird dieser Plankton von Krebsen vernascht, die wiederum von größeren Fischen gefressen werden. Am Ende der Nahrungskette steht dann der Mensch. Und wenn so ein Fisch, der bei uns auf dem Teller landet, vorher vielleicht 50 oder 100 solcher verseuchten kleinen Krebse vertilgt hat, ist das einen Menge Gift, das wir da mit unserer Nahrung aufnehmen. So müssen wir die andauernde Meeresverschmutzung im wahrsten Sinne des Wortes selbst verdauen.

Die Mission de Rothschilds beginnt, sobald das Müllverwertungsboot startklar ist. Auch Greenpeace war schon unterwegs, um die fatalen Folgen des Plastikstrudels auf die Natur zu dokumentieren. In unserem Bordtagebuch können Sie nachlesen, was Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack auf dieser Tour erlebt und gesehen hat.

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