Greenpeace übergibt in Berlin mehr als 380.000 Unterschriften für den Schutz der Antarktis

Weit weg, nah am Herzen

Mehr als 380.000 Menschen unterstützen die Greenpeace-Forderung nach einem Schutzgebiet im Südpolarmeer. Ihre Unterschriften haben Antarktisschützer heute in Berlin übergeben.

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Die Antarktis liegt buchstäblich am Ende der Welt. Trotzdem haben es Greenpeace-Aktivisten in den vergangenen Monaten geschafft, Menschen auf allen Kontinenten den Südpol näher zu bringen: dank atemberaubender Unterwasseraufnahmen, großen ehrenamtlichen Engagements und einfallsreicher Mitmachaktionen ist vielen das schützenswerte Ökosystem ein wenig vertrauter geworden. Prominente Naturfreunde haben sich mit Greenpeace die eisige Landschaft sogar aus der Nähe angesehen. Das übergeordnete Ziel: ein Schutzgebiet im Weddellmeer zu erwirken, das weltweit größte seiner Art.

Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, haben bis heute alleine in Deutschland mehr als 380.000 Menschen ihre Unterschrift geleistet. Staatssekretär Michael Stübgen nahm die Greenpeace-Petition heute im Berliner Landwirtschaftsministerium in Empfang. Die Greenpeace-Gruppenmitglieder aus Lübeck und Hamburg sowie einige Greenpeace-Kids wurden dabei von dem deutschen Soulsänger Stefan Gwildis begleitet. Der Hamburger Künstler ist einer von vielen Greenpeace-Antarktisbotschaftern, zu denen unter anderem der Liedermacher Konstantin Wecker, der Komiker Michael Mittermeier und die Rockband Madsen gehören.

Warum ist der Schutz der Antarktis so wichtig?

Greenpeace setzt sich mit seiner „Protect the Antarctic“-Kampagne seit Beginn dieses Jahres tatkräftig für eine international vor Eingriffen geschützte Region im Weddellmeer ein. Dabei geht es vor allem darum, die dort vorherrschende Form der industriellen Fischerei, den Krillfang, zu beenden. Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise war mit Aktivisten und Wissenschaftlern an Bord am Südpol unterwegs, um Unterwasserleben und Fangmethoden zu dokumentieren. Die Bilder der Expedition zur antarktischen Halbinsel belegen, dass unter Wasser ein empfindliches Ökosystem gedeiht – eines das unbedingt unberührt von Schleppnetzen und anderen schädlichen Fischereipraktiken bleiben muss.

Entscheidung in Australien

Ob das Schutzgebiet kommt, entscheidet sich in wenigen Wochen. Vom 22. Oktober bis zum 2. November tagt die Antarktiskommission CCAMLR im australischen Hobart. Das Gremium entscheidet dort über den von der Bundesregierung eingebrachten Vorschlag für das Weddellmeer-Schutzgebiet. Ein Meeresbereich von fast zwei Millionen Quadratkilometern Größe – fünfmal mehr als die Fläche Deutschlands – wäre damit vor der industriellen Ausbeutung geschützt. Allerdings müssen die deutschen Regierungsvertreter in Hobart bei erklärten Gegnern des Schutzgebietes wie China, Norwegen und Russland dringend Überzeugungsarbeit leisten. Einen Merkzettel empfing das in Meeresfragen zuständige Landwirtschaftsministerium heute in 380.000-facher Ausführung.

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