Vorschlag für Meeresschutzgebiete im Mittelmeer

Die Abbildung zeigt das von Greenpeace vorgeschlagene Netzwerk von Mittelmeerschutzgebieten. Dazu wurden die aktuellsten wissenschaftlichen Informationen über die Lebensräume und die Artenvielfalt des Mittelmeeres berücksichtigt. Für die Rettung des Mittelmeerthunfisches ist besonders die Unterschutzstellung seiner Laichgebiete um die Baleareninseln von überlebenswichtiger Bedeutung.
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1. Alboran-Meer

Im Alboran-Meer treffen das kalte Wasser des Atlantiks und das wärmere Wasser des Mittelmeeres aufeinander. Hier befinden sich die Wanderrouten vieler Fisch-, Wal- und Schildkrötenarten. Auch findet man hier die Laichgründe von Sardine und Anchovis. Für eine Reihe von Walarten, einschließlich des Gestreiften und des Gemeinen Delfins, des Großen Tümmlers, des Risso-Delfins und des Langflossen-Pilotwals ist die Region von großer Bedeutung. Schützenswerte Besonderheiten der Tiefsee, wie etwa Tiefseeberge und -korallen, finden sich ebenfalls im Alboran-Meer.

2. (und 6.) Tiefseeberge

In diesen Gebieten finden sich einzigartige Tiefseeberge des Mittelmeeres. Unterwasserberge bieten vielen einzigartigen und empfindlichen Arten einen Lebensraum. Zusätzlich zu den wichtigen Lebensgemeinschaften dieser Gebiete bieten sie auch wichtige Brut- und Futterplätze für die Arten der darüber liegenden Wasserzonen.

3. Balearen

Das Meer um die Balearen stellt ein bedeutendes Laichgebiet für Thunfische und Schwertfische, zwei überfischte Wanderarten, sowie für andere Spezies wie Sardinen und Anchovis dar. Das Gebiet beinhaltet Tiefseekorallen und kalte Quellen und ist auch für Pottwale sehr wichtig. Der Große Weiße Hai, eine bedrohte Spezies, wurde in diesem Gebiet gesichtet.

4. Golf von Lyon

Der Golf von Lyon ist beeinflusst durch das Rhône-Delta, welches als UNESCO-Biosphärenreservat vorgesehen ist. Diese Meeresregion ist außerdem ein wichtiges Laichgebiet für Sardinen, Anchovis und Garnelen. Zudem ist sie ein bedeutsames Gebiet für Pottwale und enthält kalte Quellen sowie Tiefseekorallen.

5. Algerisches Becken

Hier befindet sich ein Laichgrund für Anchovis und ein bedeutendes Gebiet für Pottwale. Tiefseekorallen finden sich hier ebenfalls.

7. Becken von Karthago

Diese Region ist für Pottwale von großer Bedeutung und ist Laichgrund von Anchovis. Sardinen, der Blaue Wittling, Blaue und Rote Garnelen sowie Große Tümmler sind hier zu finden. Die Küstenlinie stellt ein Nist- und Rückzugsgebiet für Meeresschildkröten dar.

8. Ligurisches Meer

Im Ligurischen Meer liegt ein Auftriebssystem, wodurch nährstoffreiches Tiefenwasser an die Oberfläche befördert wird. Daher zeichnet sich das Gebiet durch eine hohe Artenvielfalt aus. Es ist ein wichtiges Nahrungsrevier für insgesamt 13 Walarten. Tiefseeberge und -korallen sind in diesem Gebiet ebenfalls vorhanden. Aufgrund seiner großen Bedeutung für Wale und Delfine wurde das Ligurische Meer als Schutzgebiet vorgeschlagen.

9. Mittleres Tyrrhenisches Meer

Das Mittlere Tyrrhenische Meer zwischen Sardinien und dem italienischen Festland ist ein wichtiges Gebiet für Finn- und Pottwale, aber auch für den Gemeinen Delphin. Es ist zudem ein Laichgrund für Anchovis und ein bedeutsames Gebiet für Freiwasser-Fischarten wie den Blauen Wittling und die Ohrensardine. Zusätzlich ist es eine Wanderroute für Thunfische und eine wichtige Region für Seevögel. In dieser Gegend gibt es viele Tiefseeberge.

10/11. Straße von Messina (Norden und Süden)

Dieses Gebiet ist wegen seines gewaltigen Auftriebssystems und als Wanderroute für Freiwasser-Fischarten und Wale von großer Bedeutung. Es umfasst eine große Anzahl von Tiefseebergen, einschließlich des Marsili-Seeberges - eine der größten vulkanischen Strukturen im Mittelmeer, die sich 3.000 Meter über den Meeresboden erhebt. Die Region ist für Pottwale und Finnwale sehr wichtig und stellt außerdem einen Laichgrund für Thun- und Schwertfische dar.

12. Kanal von Sizilien

Der Sizilianische Kanal zwischen Sizilien und Tunesien verbindet das westliche und das östliche Becken des Mittelmeers und ist Heimat vieler Arten aus beiden Gebieten. Es ist eine sehr produktive Region und stellt innerhalb des Mittelmeers ein Zentrum der Artenvielfalt dar. Pottwale und Finnwale, aber auch Große Weiße Haie, sind hier zu finden. Tiefseeberge und -korallen liegen in unmittelbarer Nähe Siziliens. An der tunesischen Küste befinden sich Seegraswiesen und Schwammsiedlungen sowie Niststrände von Schildkröten.

13. Maltesische Senke

Dieser Teil des Mittelmeers, der sich vom Süden Siziliens bis um die Region Maltas zieht, hat eine hohe Artenvielfalt. Für Jung-Anchovis ist dieses Gebiet sehr wichtig. Auch hat diese Region große Bedeutung für den Gemeinen Delfin und wurde bereits als Walschutzgebiet vorgeschlagen. In dieser Region scheint auch der Große Weiße Hai seine Nachkommen zu bekommen.

14. Riff von Medina

In diesem bedeutenden Gebiet befinden sich Tiefsee-Biotope sowie das Medina- (Malta-) Riff und eine Reihe von Tiefseebergen, einschließlich der Epicharmos- und Archimedes-Unterwasserberge.

15. Golf von Syrte

Hier befinden sich wichtige Nahrungsgründe für den nördlichen Roten Thunfisch. Das angrenzende Küstengebiet beheimatet Niststrände von Schildkröten sowie Seegraswiesen.

16. Libysches Kap

Die Küsten- und Meeresregion Ostlibyens wurde oft als eines der zehn letzten Paradiese des Mittelmeeres bezeichnet. Das Gebiet umfasst Seegraswiesen, mit besonderer Bedeutung als Fischaufzuchtgebiet. An den angrenzenden Stränden nisten Schildkröten und im offenen Meer befinden sich Tiefseeberge, einschließlich des Herdotus-Unterwasserbergs, sowie kalte Quellen.

17. Obere Adria

Die Obere Adria ist ein bedeutsamer Laichplatz für Sardinen und Anchovis. Ein angrenzender kroatischer Küstenstreifen wurde als Schutzgebiet für den Großen Tümmler vorgeschlagen. In der Region finden sich viele Thun-, Schwert- und Haifischarten. Außerdem ziehen sich Seegraswiesen an der kroatischen und italienischen Küste entlang.

18. Graben von Pomo/Jabuca

In diesem Teil des Mittelmeeres befindet sich ein wichtiger Laichgrund für Seehechte, Anchovis und andere Fischarten. Darüber hinaus ist die Region lebenswichtig für viele adriatische Fischbestände. Aufgrund der Bedeutung dieses Gebietes wurde 1998 - in Teilen der Region - ein Schleppnetzverbot verhängt. Außerdem finden sich hier kalte Quellen.

19. Kanal von Otranto

Im Meeresgebiet am Stiefelabsatz Italiens findet sich eine hohe Artenvielfalt, deren Existenz in einer einzigartigen Tiefseekorallen-Gemeinschaft begründet ist.

20. Hellenischer Graben/Ägäis

Der Hellenische Graben hat für Pottwale und für Cuvier-Schnabelwale eine große Bedeutung. Das Gebiet umfasst Besonderheiten der Tiefsee, wie die Calypso-Schlucht - den tiefsten Teil des Mittelmeeres - und andere wichtige Lebensräume wie kalte Quellen und Tiefseeberge. Die angrenzende griechische Küste umfasst Niststrände von Schildkröten und eine Reihe bereits geschützter Küstengebiete.

21. Olimpi

Diese Region südlich von Kreta umfasst wichtige Tiefseebesonderheiten im Olimpi-Moor. Hier befinden sich Schlammvulkane, kalte Quellen und Soletümpel, sowie mikrobiotische Lebensgemeinschaften.

22. Golf von Saronikus/Ägäis

Wichtiges Aufzuchtgebiet für den Gemeinen Delfin. Es stellt einen Teil des größeren vorgeschlagenen Schutzgebietes für Gemeine Delfine dar. Hier befindet sich außerdem der Laichgrund des Seehechts, einer der wichtigsten Konsumfischarten des Mittelmeeres.

23. Sporaden/Ägäis

Wichtigstes Gebiet für Mönchsrobben. Es ist bereits von der IUCN als Schutzgebiet und als griechischer Beitrag zum Natura 2000-Gebiet vorgeschlagen. Die Region gehört auch zum Walschutzgebiet, welches von ACCOBAMS vorgeschlagen wurde.

24. Thrakiko Pelagos/Ägäis

Laichgebiet und Kinderstube vieler Konsumfischarten wie Seehecht, Garnele oder Anchovis. Die Nord-Ägäis ist das letzte verbleibende Gebiet im Mittelmeer, in dem noch Schweinswale zu finden sind. Mittelmeer-Mönchsrobben und Gemeine Delfine leben hier ebenfalls. Die angrenzende Küste ist Teil des griechischen Natura 2000-Netzwerks.

25. Limnos - Gökçeada/Ägäis

Die Nord-Ägäis ist das letzte Verbreitungsgebiet der Mittelmeer-Schweinswale. Es ist für den Gemeinen Delfin von Bedeutung und Teil des größeren ACCOBAMS-Schutzgebietsvorschlages. Die angrenzende Küste ist Teil des griechischen Natura 2000-Netzwerks.

26. Kreta - Türkei/Ägäis

Dieses Gebiet enthält Tiefseeberge und stellt eine wichtige Region für den Gemeinen Delfin dar. Angrenzende Küstengebiete sind Teil des griechischen Natura 2000-Netzwerks. Außerdem nisten Schildkröten entlang der angrenzenden türkischen Küsten.

27. Mittleres Levantinisches Meer

Ein wichtiger Tiefseelebensraum mit zahlreichen Tiefseebergen und kalten Quellen. Außerdem Laichgrund für Schwertfische.

28. Anaximander-Gebirge

Zu dieser Region südlich der Türkei gehören die Anaximander-Gebirge mit Tiefseebergen, Schlammvulkanen und methanhaltigen kalten Quellen. An der angrenzenden Küste befinden sich zahlreiche Schildkröten-Niststrände.

29. Kanal von Zypern

Das Meer zwischen Zypern und der Südtürkei ist Laichgrund für den Roten Thunfisch, Fregattmakrelen und den Falschen Bonito. An den angrenzenden Küstengebieten Zyperns und der Türkei nisten die bedrohten Karettschildkröten und die Grüne Meeresschildkröte.

30. Eratosthenes-Seeberg

Der Eratosthenes-Seeberg befindet sich südlich von Zypern und nördlich des Nildeltas und erstreckt sich vom Meeresboden auf 800 Meter über dem Meeresspiegel. Hier finden sich seltene Korallenarten sowie Pott-, Finn- und Gestreifte Wale sowie Große Tümmler. Im Küstengebiet Zyperns liegen auch viele Schildkröten-Niststrände.

31. Phönizische Küste

Hier befindet sich eine bedeutende Migrationsroute für Thunfische sowie eine wichtige Brutstätte für Karettschildkröten, Grüne Meeresschildkröten sowie verschiedene Haiarten wie Sandtigerhaie, Schling- und Engelhaie. In den benachbarten Küstengebieten finden sich warme Quellen und die dazugehörigen Lebensgemeinschaften.

32. Nildelta

Die tiefen Gewässer des Nildeltas mit den entsprechenden Untersee-Canyons und kalten Quellen sind Gebiete mit hoher Artenvielfalt. Kalte Quellen setzen Schlamm und Gase frei und fördern die mikrobiotische Artenvielfalt. Daher wurde hier ein Schleppnetzverbot ausgesprochen.

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