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Umweltverbände fordern Schutz des Südpolarmeeres

Eine Koalition von Umweltorganisationen mahnt in einem heute veröffentlichten Bericht dringend, das Südpolarmeer zu schützen. Das Ross-Meer wird dabei als besonders schützenswert hervorgehoben, da es aus ökologischer Sicht eine zentrale Rolle spielt.

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Die Meere um die Antarktis - etwa zehn Prozent der weltweiten Gewässer - sind noch weitgehend unberührt und bieten fast 10.000 Tierarten ein Zuhause. Unter ihnen finden sich zum Beispiel fast alle Pinguinarten und die meisten Robben- und Walarten. Doch die Lebensräume sind durch kommerzielle Befischung und die Klimaerwärmung bedroht.

Auch die kommerzielle Fischerei nimmt in dieser Region zu, sagt Iris Menn, Meeresexpertin von Greenpeace. Ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten rund um die Antarktis ist wichtig, um das vielfältige Geflecht von Leben in den Ozeanen zu erhalten. Sie würden auch die Widerstandsfähigkeit der Ozeane gegen den Klimawandel und andere Gefahren erhöhen.

Die Koalition Antarctic Ocean Alliance fordert den Schutz von 19 bedeutenden Lebensräumen im Südpolarmeer. Das Ross-Meer ist eines dieser Gebiete und soll als erstes geschützt werden. Es gibt kaum mehr Fische in großer Anzahl nahe der von Menschen bewohnten Gebiete, die antarktischen Meere sind daher für die industrielle Fischerei attraktiv geworden, so Sylvia Earl, eine bekannte Ozeanographin. Wir wissen, dass wir ein Problem haben und wir wissen, dass wir handeln müssen. Deswegen rufen wir die Menschen dazu auf, mit uns diesen noch unberührten Lebensraum zu schützen.

Deutschland hat sich bisher zurückgehalten

Zuständig für die Region ist die zwischenstaatliche Kommission zum Schutz der lebenden Marinen Ressourcen in der Antarktis (CCMLAR). Sie hat einem Netzwerk von mehreren Meeresschutzgebieten im Südlichen Ozean zugestimmt. An der Einrichtung eines solchen Netzwerks wäre auch Deutschland - als Mitglied der Kommission - beteiligt.

Deutschland hat sich im bisherigen Prozess zurückgehalten, sagt Iris Menn. Wir fordern von der Bundesregierung, sich stärker zu engagieren und sicherzustellen, dass wichtige marine Lebensräume in der Antarktis geschützt werden. Der Schutzstatus sollte ein umfassendes Nutzungsverbot für diese Gebiete beinhalten.

Demnächst werde über das Schicksal der antarktischen Meeresumwelt entschieden und die Weltöffentlichkeit wisse nichts davon, erklärt Dr. Onno Groß von Deepwave. Durch die Unterstützung engagierter Menschen könne es gelingen, für einen ausreichenden Schutz zu sorgen. Um einen Beitrag zu leisten, können interessierte Bürger bei der Kampagne Join the Watch mitmachen.

Zur Koalition Antarctic Ocean Alliance gehören 15 Umweltschutzorganisationen aus der ganzen Welt, darunter auch Greenpeace. Ziel ist, ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten im Südpolarmeer zu schaffen, in dem keinerlei Fischerei oder Walfang stattfinden darf. Die Koalition wird zudem von bekannten Persönlichkeiten wie Edward Norton, Sylvia Earle, Richard Branson und Ted Turner unterstützt.

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