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Sylter Außenriff: Dokumentation wird fortgesetzt

Erneut werden Greenpeace-Meeresbiologen in den kommenden Wochen das geschaffene Meeresschutzgebiet im Bereich des Sylter Außenriffs untersuchen. Seit zwei Jahren schützen rund 40 Seemeilen westlich der Nordseeinsel Sylt von Greenpeace versenkte Felsbrocken das Gebiet vor zerstörerischer Fischerei mit Grundschleppnetzen. Die aktuelle Tauchexpedition mit dem Aktionsschiff Beluga II ist Teil einer im vergangenen Jahr begonnenen Langzeituntersuchung.

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Die Biologen untersuchen wie sich der Meereslebensraum in den geschützten Bereichen erholt und vergleichen die Ergebnisse mit der befischten Nordsee. Das Sylter Außenriff gehört zu den zehn Meeresgebieten des Schutzgebietnetzwerkes Natura 2000. Es wurde bereits vor über sechs Jahren von der Bundesregierung als solches gemeldetet. Trotzdem ist dort die Fischerei und der Abbau von Sand und Kies erlaubt.

Wie im vergangenen Jahr werden wir die in bis zu 30 Metern Tiefe liegenden Steine betauchen und die dort lebenden Meeresorganismen fotografieren, sagt Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace und Fahrtleiter. Noch an Bord beginnt dann ein Team von Meeresbiologen mit der Auswertung der Fotos. Außerdem wird die Artenzusammensetzung in den nicht befischten Steinzwischenräumen mit einem befischten Referenzgebiet verglichen. Dazu werden mit einem Greifer Proben des Sandbodens genommen.

Die Einrichtung großflächiger Schutzgebiete, in denen die Natur sich selber überlassen bleibt, ist eine der Grundbedingungen für intakte Meere mit gesunden Fischbeständen. Die europäischen Meere gelten als stark überfischt und es könnte mehr Fisch gefangen werden, wenn weniger gefischt würde. Diesen Schluss legt eine wissenschaftliche Analyse der ab 1889 in England gesammelten Fischereidaten nahe.

Demnach sind heute für den Fang eines Fisches durchschnittlich 17 Mal mehr Energie und Ressourcen nötig als noch im 19. Jahrhundert. Für einige Arten ist der Aufwand sogar 500 Mal höher! Im Jahr 1937, als man noch hauptsächlich mit Segelbooten fischte, gingen englischen Fischern noch 14 Mal mehr Fische ins Netz als heute.

In Meeresgebieten in denen nicht gefischt wird, wachsen die Fischbestände sogar zu einer Größe heran, die für ein Abwandern von Fischen sorgen. Diese Fische bilden dann in den befischten Meeresbereichen die Grundlage für eine nachhaltige Fischerei. Das macht das Meeresschutzgebiet um die Insel Apo der Philippinen deutlich. Nach 20 Jahren Meeresschutz konnten die ansässigen Fischer zehnmal so viel Fisch in einem Arbeitsgang aus dem Wasser ziehen, wie vor der Unterschutzstellung.

Im Jahr 2002 hat sich die EU gesetzlich zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Fischbestände bis spätestens 2015 verpflichtet. Doch eine aktuelle wissenschaftliche Studie zeigt, dass beim derzeitigen Stand der Wiederaufbau der Fischbestände in der EU mehr als 30 Jahre benötigen wird. Zudem sind über 20 Prozent der Fischbestände in einem so schlechten Zustand, dass sie sich auch bei einem sofortigen Fischereistopp nicht bis zum Jahr 2015 wieder aufbauen ließen.

Uneinsichtig zeigte sich auch die Bundesregierung, die im Sommer 2008 die Greenpeace-Meeresschutzaktion per Gerichtsbeschluss stoppte. Doch das Verwaltungsgericht Schleswig urteilte im Mai 2010, das es für den Gerichtsbeschluss keine Rechtsgrundlage gibt. Viel besser sieht es in Schweden aus: Schwedische Gerichte beurteilten das Versenken von Steinen in schwedischen Gewässern als Naturschutzmaßnahme für die keinerlei Erlaubnis notwendig ist.

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