Antarktiskommission trifft Entscheidung gegen weltgrößtes Schutzgebiet im Südpolarmeer

Schwarzer Tag fürs ewige Weiß

Wirtschaftliche Interessen wogen schwerer als die Gesundheit der Ozeane: Die Antarktisschutzkommission CCAMLR beschließt vorerst kein Schutzgebiet im Weddellmeer.

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Sie hatten die Argumente auf ihrer Seite sowie fast drei Millionen Antarktisschützer weltweit. Dennoch sind die Befürworter des weltgrößten Meeresschutzgebietes im Südpolarmeer beim Treffen der Antarktis-Schutzkommission im australischen Hobart an den wirtschaftlichen Interessen von China und Russland gescheitert. Der überwiegende Teil der 25 teilnehmenden Staaten unterstützte den von Deutschland eingebrachten Vorschlag, doch ohne Erfolg. Vorerst hängt das Wohlergehen des empfindlichen Ökosystems in der Antarktis an freiwilligen Selbstverpflichtungen der Fischereiindustrie.

Vor der Ausbeutung ihrer Bodenschätze ist die Antarktis bereits weitgehend geschützt. Bei dem vorgeschlagenen Schutzgebiet geht es daher um den Zugriff der Fischerei auf das Weddellmeer, insbesondere durch den industriellen Krillfang. Greenpeace hat im vergangenen Jahr intensiv für das Schutzgebiet geworben, das rund fünfmal so groß wie Deutschland wäre: etwa 1,8 Millionen Quadratkilometer.

Gute Gründe für ein Schutzgebiet

Dabei hätte man denken könne, dass Greenpeace den Zweiflern in der Kommission die Entscheidung einfach gemacht hätte:

  • Mit dem Aktionsschiff Arctic Sunrise waren Wissenschaftler und Aktivisten zu Beginn des Jahres vor Ort, um die Schönheit und Verletzlichkeit der Unterwasserwelt zu dokumentieren. Ihre Unterwasserbilder lassen keinen Zweifel, dass der Grund des Weddellmeers ein besonders schützenswerter Lebensraum ist.
     
  • Die Umweltorganisation legte Gutachten vor, die den Nutzen von Krillöl für Menschen in Frage stellten: Während die kleinen, garnelenartigen Tiere in der Antarktis Lebensgrundlage für Robben, Wale oder Pinguine sind, wird Krill vom Menschen als Nahrungsergänzungsmittel genutzt, als Quelle von Omega-3-Fettsäuren.
     
  • Weltweit unterzeichneten rund 2,7 Millionen Menschen die Greenpeace-Petition zum Schutz der Antarktis; alleine in Deutschland konnten Greenpeace-Gruppen mehr als 380.000 Unterschriften an das in Fischereifragen zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium übergeben. Ebenso stellten sich prominente Fürsprecher in den Dienst der Sache.

An ihrer Aufgabe gescheitert

Die Schutzkommission CCAMLR wird ausgeschrieben als „Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources”, auf Deutsch: Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis. Mit dieser jüngsten Entscheidung straft die CCAMLR ihren Namen und ihren Auftrag Lügen. „Ein Gremium, das zum Schutz der Antarktis eingesetzt wurde, aber durch die Interessen einzelner Mitgliedsländer dominiert wird, ist offenkundig kein Teil der Lösung“, kommentiert Thilo Maack, Greenpeace-Experte für Meere, den vorläufigen Misserfolg.

Doch die Meere brauchen genau solche Schutzgebiete, denn das weltweite Artensterben macht nicht vor den Ozeanen Halt. Die Erderhitzung, Plastikmüll und Überfischung sind Herausforderungen, denen sich die Antarktiskommission derzeit offensichtlich nicht stellen will. Maack sieht die Verantwortung nun bei einem anderen internationalen Organ: „Die Vereinten Nationen müssen daraus die Konsequenzen ziehen und mit dem Globalen Hochsee-Schutzabkommen rasch dafür sorgen, dass 30 Prozent der Ozeane unter Schutz gestellt werden.“ Vielleicht zeigen sich die UN vernünftigen Argumenten aufgeschlossener.

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