Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Protest vor Gazprom-Zentrale in Berlin

Russland: Arctic Sunrise-Aktivisten zu Verhören an Land gebracht

UPDATE (25.09., 9.00 Uhr): Die Aktivisten an Bord der Arctic Sunrise sind am Dienstagabend zu Verhören an Land gebracht worden, nachdem das Schiff von der russischen Küstenwache am Morgen in die Nähe der Küstenstadt Murmansk geschleppt worden war. Um für den Schutz der Arktis und die Freilassung der dreißigköpfigen Besatzung der Arctic Sunrise ein Zeichen zu setzen, hatten am Vormittag Greenpeace-Aktivisten vor der Gazprom-Zentrale in Berlin protestiert.

  • /

24.09.2013: Die Greenpeace-Aktivisten errichteten vor dem Gazprom-Bürogebäude ein etwa drei Meter hohes Modell eines Ölbohrturmes, aus dem sie (natürlich abbaubares) Kunstöl sprudeln ließen. Gazprom riskiert mit der geplanten Ölförderung durch die Bohrinsel Prirazlomnaya in der russischen Petschorasee einen schweren Ölunfall und damit die Zerstörung eines einzigartigen Lebensraumes.

Die Greenpeace-Aktivisten der "Arctic Sunrise" hatten vor sechs Tagen an der Plattform friedlich gegen die geplante Gazprom-Ölförderung protestiert und damit an Proteste aus dem letzten Jahr angeschlossen, an denen sich auch der Geschäftsführer von Greenpeace International, Kumi Naidoo, beteiligt hatte. Bewaffnete und maskierte Beamte der russischen Behörde enterten daraufhin am Donnerstag das Schiff und setzten die gesamte Besatzung fest. Erstmals wieder am Dienstag konnten die Aktivisten Kontakt zu Angehörigen aufnehmen. Außerdem durfte am Dienstagnachmittag eine Delegation aus Diplomaten an Bord kommen, um mit den Aktivisten zu sprechen. Die Aktivisten wurden anschließend am Abend in ein Untersuchungsbebäude in Murmansk gebracht, wo sie auch am Mittwoch noch verhört werden sollen.

Die russische Justiz soll nach Medienberichten wegen "bandenmäßiger Piraterie" ermitteln. Die Piraterie-Vorwürfe weist Greenpeace International auf seiner Homepage als völlig haltlos zurück:

"Der Tatbestand der Piraterie kann per definitionem nur auf gewaltsame Aktionen gegen Schiffe oder Luftfahrzeuge angewandt werden, die aus privaten Motiven erfolgen - und nicht gegen den friedlichen Protest zum Schutz der Umwelt an Ölplattformen. Dies geht eindeutig aus dem Artikel 101 der UN-Seerechtskonvention hervor. Der Piraterie-Vorwurf könnte ein Versuch sein, das Eindringen auf das Schiff außerhalb territorialer Gewässer nachträglich zu rechtfertigen."

Das Greenpeace-Schiff befand sich zum Zeitpunkt des Zugriffs durch die russischen Behörden innerhalb der "ausschließlichen Wirtschaftszone" (EEZ) und somit in internationalen Gewässern, was das Eingreifen der Küstenwache zu einer illegalen Handlung macht.

Die "Arctic Sunrise" liegt derzeit noch nicht in Murmansk, sondern in der Nähe des Dorfes Belokamenka vor Anker. Über aktuelle Entwicklungen informiert der Twitter-Account der Arctic Sunrise, der allerdings zeitweise von Greenpeace-Mitarbeitern vom Festland aus bedient werden muss.

Greenpeace fordert die russischen Behörden dazu auf, die Aktivisten sofort freizulassen. Dieser Aufforderung haben sich weltweit bereits über 400.000 Menschen im Rahmen einer Protestmail-Aktion an russische Botschaften angeschlossen. Setzen auch Sie sich für die Freilassung der Aktivisten ein!

Mehr dazu bei Greenpeace:

Russische Küstenwache entert Greenpeace-Schiff

Weiterführende Publikationen zum Thema

Bedrohte Tiefsee

Der Wettlauf um die Ressourcen auf dem Meeresboden hat begonnen. Grund ist der große Hunger der Hightech-Industrie nach Kobalt, das sich in den Manganknollen in tausenden Metern Tiefe befindet. So wird der Tiefseebergbau eine der schwerwiegendsten neuen Bedrohung für unsere Ozeane, noch bevor wir ihre sensiblen Ökosysteme und ihre Prozesse überhaupt verstanden haben.

Haie unter Attacke

Obwohl sie sich „Schwertfischfischerei“ nennt, wird dabei im Nordatlantik hauptsächlich eins gefangen: Haie. Entweder absichtlich, oder als Beifang, zeigt dieser Greenpeace-Report.2017 zum Beispiel kam auf 1 Kilo Schwertfisch 4 Kilo Hai.

Zur Kampagne

Arktis-Pläne einfrieren!

Shell ist zurück in der Arktis. Vor der Küste Alaskas sucht der Konzern nach Öl – trotz hoher Risiken und internationaler Proteste.

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Aufräumen am Ende der Welt

Plastikmüll an Stränden ist leider nichts Neues. Aber in der Arktis? Greenpeace barg an der Küste Spitzbergens bergeweise Kunststoff – Folgen einer ausufernden Fischereiindustrie.

12 Freunde

Die Kiezkicker vom FC St. Pauli unterstützen die Greenpeace-Kampagne zum Arktisschutz – und unterzeichneten als erster deutscher Profisportverein die Arctic Declaration.

Überraschender Besuch

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise trägt den Protest gegen die Ölbohrungen des Konzerns OMV in die Barentssee. Vor dessen Ölplattform flattern nun Banner: „Raus aus der Arktis!“