Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Ein Plan zum Schutz der Antarktis

Dass die Antarktis mehr ist als Eis, wissen nicht nur diejenigen, die dieses einzigartige Ökosystem besucht haben. Durch die steigende Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten rückt der antarktische Ozean zunehmend in den Blick kommerzieller Fischerei. Heute hat die Antarctic Ocean Alliance (AOA), ein Bündnis verschiedener NGOs, vorgestellt, wie dieses Gebiet geschützt werden kann.

  • /

In ihrem Bericht "Das Erbe des Südpolarmeeres: Eine Vision für zirkumpolaren Schutz" schlägt die AOA, zu der auch Greenpeace gehört, ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten und Fischfangverbotszonen vor. Ausgewählt wurden 19 Gebiete, die für Ökosysteme und Artenschutz von besonderer Bedeutung sind: Bis zu 10.000 Arten leben im antarktischen Meer - viele von ihnen sind nirgendwo sonst auf der Welt zu finden. Und vermutlich schlummern in den zum Teil noch unerforschten Gieten noch weitere bislang unentdeckte Meeresbewohner.

Unter Schutz gestellt werden sollen zum Beispiel besondere Gebiete wie Unterwasserberge oder Plätze, an denen Pinguine oder Robben Nahrung suchen und ihre Jungtiere aufziehen können. Denn für Meeresbewohner gestaltet sich die Suche nach Nahrung zunehmend schwerer, da Klimawandel und ausufernde Fischerei wie der Fang von Krill zu schwindenden Nahrungsquellen führen. Es geht aber auch um Rückzugsgebiete für Wal-, Robben- und Fischpopulationen, die sich nach wie vor vom Raubbau der Vergangenheit erholen müssen.

Die AOA schlägt zudem vor, anhand ausgewählter Schutzgebiete die Auswirkungen des Klimawandels und der Versauerung der Ozeane zu untersuchen. Die Gewässer der Antarktis gehören zu den wenigen noch weitgehend intakten Lebensräumen auf unserem Planeten, Veränderungen lassen sich hier besonders gut untersuchen.

Mit dieser Vorlage soll auch die für den Schutz der Antarktis zuständige Kommission CCAMLR (Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources) an ihr Versprechen erinnert werden. Die internationale Kommission hatte zugesagt, noch in diesem und dem kommenden Jahr ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten einzurichten. Dass dieses Gremium geeignete Maßnahmen einleiten wird, bezweifelt Iris Menn, Meereexpertin bei Greenpeace allerdings.

Bisher treten zu wenige Staaten für die Einrichtung eines Netzwerkes von Meeresschutzgebieten in der Antarktis ein, sagt Iris Menn, Meeresexpertin bei Greenpeace. Auch Deutschland ist hier nicht aktiv genug, obwohl Deutschland damals die Entwicklung des antarktischen Schutzvertrags maßgeblich mitbegleitet und eine starke Präsenz seiner wissenschaftlichen Polarinstitute dort hat.

Nicht nur in der Antarktis sondern weltweit ist zum Schutz der Artenvielfalt aus Sicht von Greenpeace die Einrichtung von Meeresschutzgebieten unabdingbar. Greenpeace fordert weltweit ein Netzwerk von 40 Prozent der Weltmeere. Im Gegensatz zur Antarktis gibt es jedoch für die Einrichtung von Schutzgebieten auf der sogenannten Hohen See (außerhalb von 200 Seemeilen) bisher keine rechtliche Möglichkeit. Nur ein neues Hochseeschutzabkommen unter dem UN-Seerechtsüberkommen kann diese Lücke schließen. Den notwendigen Anstoß dazu könnten die Rio+20 Verhandlungen im Juni liefern.

Rio+20 bietet eine einzigartige Chance, den Schutz der Meere voranzubringen, sagt Menn. Wir setzen dabei in den Verhandlungen stark auf Deutschland.

Auch Sie können für den Schutz der Antarktis aktiv werden: Schicken Sie eine Petition an CCAMLR.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Zur Kampagne

Schutz für die Meere der Antarktis

Klimawandel und Fischerei bedrohen die Antarktis. Darum muss in diesem einzigartigen Ökosystem ein Schutzgebiet eingerichtet werden. Es wäre das größte der Erde.

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Weit weg, nah am Herzen

Mehr als 380.000 Menschen unterstützen die Greenpeace-Forderung nach einem Schutzgebiet im Südpolarmeer. Ihre Unterschriften haben Antarktisschützer heute in Berlin übergeben.

Schleichendes Gift

Wenn Verbote zu spät kommen: Große Teile der weltweiten Orca-Bestände stehen vor dem Aussterben. Schuld ist ein Schadstoff, der seit fast 15 Jahren auf der Schwarzen Liste steht.

Zurück – oder in die Zukunft

Die Internationale Walfangkommission steht vor einem Paradigmenwechsel: Will sie weiter nur den kommerziellen Walfang regulieren – oder aktiv zum Schutz der Wale beitragen?