Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Japaner drohen Greenpeace

Kurze Atempause für die Wale

Sturmböen bis Windstärke 11 und über zehn Meter hohe Wellen verschaffen den Walen im Südlichen Ozean eine Ruhepause. Seit drei Tagen keine Chance für die Japaner, ihre Harpunen abzufeuern. Doch auf der Esperanza und Arctic Sunrise stehen die Greenpeace-Aktivisten bereit: Sobald das Wetter umschlägt, wird es mit der Ruhe vorbei sein. In Japan versuchen die Verantwortlichen derweil, über die Medien Druck auf Greenpeace aufzubauen.

  • /

Die Japaner jagen illegal im Walschutzgebiet der Antarktis. Alle Welt weiß, dass die angebliche Jagd zu Forschungszwecken ein fadenscheiniges Deckmäntelchen ist. Die Internationale Walfangkommission (IWC) hat ihr Mitglied Japan wiederholt aufgefordert, diese Jagd einzustellen.

Doch das interessiert die japanischen Walfangbefürworter nicht. Der Generaldirektor des japanischen Instituts für Walforschung, Hiroshi Hatanaka, dreht den Spieß kurzerhand um. In einem offenen Brief an das japanische Greenpeace-Büro bezeichnet er den gewaltfreien Protest der Walschützer als illegal und als Piraterie.

Unverhohlen droht Hiroshi Hatanaka seinen Landsleuten auf den Greenpeace-Schiffen mit strafrechtlichen Sanktionen: Auf den Schiffen gelte japanisches Recht. Die Daten japanischer Greenpeace-Aktivisten, die sich an der Behinderung unseres Forschungsprogramms beteiligen, werden als Beweismaterial an die Behörden weitergeleitet. Dass das japanische Recht in diesem Punkt UN-Schutzgebietsrecht verletzt - wen kümmert's?

Die Japaner missachten auch internationales Seerecht: Mit einem riskanten Überholmanöver, das zu einer leichten Kollision führte, hat ein Schiff der japanischen Fangflotte in den Tagen vor Weihnachten die Esperanza abgedrängt. Es wird ihnen nichts nützen, jetzt Greenpeace eines Rammversuchs zu bezichtigen. Videoaufnahmen belegen eindeutig das Gegenteil.

Institutsdirektor Hatanaka weist Greenpeace darauf hin, dass die Aktivisten ein großes persönliches Risiko eingehen, wenn sie mit ihren Schlauchbooten zwischen der Harpune und den Walen kreuzen. Besonders nach dem Abschuss der Harpune: ... unnötig es zu sagen, wenn die Harpune den Wal erst einmal getroffen hat, wird es im Wasser um das Schiff herum sehr gefährlich.

Das Leiden und teils lange Sterben der Tiere, ihren verzweifelten Todeskampf aus der Nähe mitzuerleben, ist nicht nur gefährlich. Es ist für die Aktivistinnen und Aktivisten in den Schlauchbooten nahezu unerträglich. Sie halten aus in der Hoffnung, den nächsten Wal vor der Harpune zu retten.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Schutz den Meeresschutzgebieten in Nord- und Ostsee

Meeresschutz findet in Deutschland nur auf dem Papier statt: In den zehn Offshore-Schutzgebieten in Nord- und Ostsee sind auch acht Jahre nach ihrer Ausweisung keinerlei Schutzmaßnahmen in Kraft.

Mehr zum Thema

Schleichendes Gift

Wenn Verbote zu spät kommen: Große Teile der weltweiten Orca-Bestände stehen vor dem Aussterben. Schuld ist ein Schadstoff, der seit fast 15 Jahren auf der Schwarzen Liste steht.

Zurück – oder in die Zukunft

Die Internationale Walfangkommission steht vor einem Paradigmenwechsel: Will sie weiter nur den kommerziellen Walfang regulieren – oder aktiv zum Schutz der Wale beitragen?

Erweiterung des Schlacht-Felds

Japans Wal-Schlachten, vorgeblich zu wissenschaftlichen Zwecken, geht weiter. Nun erhöht das Land die Fangquote für Minke- und Seiwale sogar – und ignoriert offizielle Beschlüsse.